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Schöne Schwimmerin träumt von Start in Tokio

Stralsund Schöne Schwimmerin träumt von Start in Tokio

Die Stralsunderin Maike Mau arbeitet drei Jahre nach einem schweren Motorradunfall hart an ihrer sportlichen Karriere

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Ehrgeizig und voller Energie: Maike Mau im Stralsunder Hafen. Im Hintergrund die Rügenbrücke.

Stralsund. Schon bei ihrem ersten Wettkampf hat Maike Mau eine ganz Große ihres Sports tief beeindruckt. „Kirsten Bruhn fragte mich, seit wann ich im Rollstuhl sitze“, erinnert sich die querschnittsgelähmte Schwimmerin aus Stralsund an ihre Begegnung mit der dreimaligen Paralympics-Siegerin im Juni 2014 in Berlin. „Heute ist mein Jahrestag“, antwortete Maike Mau der Bambi- und Laureus-Preisträgerin damals: „Da ist sie aus allen Wolken gefallen!“ Nur ein Jahr nach ihrem folgenschweren Motorradunfall absolvierte die heute 29-Jährige bereits ihren ersten Wettkampf. Bei der großen Kirsten Bruhn dauerte es elf Jahre.

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Die Stralsunderin Maike Mau arbeitet drei Jahre nach einem schweren Motorradunfall hart an ihrer sportlichen Karriere

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Wer keine Träume hat, braucht doch gar nicht zu leben — oder?“Schwimmerin

Maike Mau (29)

Maike Mau lächelt, als sie von diesem für sie unvergesslichen Tag erzählt. Sie lächelt auch, wenn sie über ihr Training spricht, ihre sportlichen Ziele, ihre Arbeit beim Zoll oder ihre Model-Pläne.

„Lassen Sie Ihre Schuhe ruhig an! Das mache ich auch immer“, hatte sie zur Begrüßung gesagt und war in die Küche ihrer schicken Wohnung in der Stralsunder Frankenvorstadt gerollt. Beim Blick aus dem Fenster sieht man den Sund, die Volkswerft und die Pylonen der Rügenbrücke. Die schöne Stralsunderin strahlt von innen heraus.

Dabei ist der schwere Unfall, der ihr Leben so dramatisch veränderte, noch nicht mal drei Jahre her. Daran, was am 5. Juni 2013 passierte, hat sie keine Erinnerung mehr, dafür aber an die Zeit im Krankenhaus: „Es hat lange gedauert, bis ich realisiert habe, was los ist.“ Die Physiotherapeuten hat die damals 27-Jährige aus ihrem Zimmer geschickt. „Ich werde hier herausgehen“, rief sie ihnen hinterher.

Maike Mau ist von der Brust abwärts gelähmt, aber sie sprüht vor Lebensenergie. Am Anfang waren es ihre Familie und ihre Freunde, die ihr Mut machten. „Ich habe viel Glück mit meinem Umfeld“, erzählt die Zollbeamtin, die vor dem Unglück als Nautikerin auf dem Zollboot „Rügen“ arbeitete: „Meine Besatzung war der Wahnsinn, die haben mich jeden Tag besucht und sogar Rollstuhlfußball mit mir gespielt.“ In den letzten drei Jahren hat Maike Mau insgesamt fast 15 Monate in der Klinik verbracht.

„Mir war wichtig, dass ich wieder selbstständig leben kann.“ Dieser Gedanke trieb sie an, und sie hat es geschafft. Maike Mau lebt mit Chihuahua Levi in ihrer eigenen Wohnung, sie fährt Auto und seit gut einem Jahr arbeitet sie auch wieder beim Zoll. 30 Stunden in der Woche. „Meine ganze Freizeit wird durch das Schwimmen aufgefressen“, lächelt die immer schon sportliche Frau, die früher Halbmarathons gelaufen ist.

Bei der langen Reha hat sie ihre Leidenschaft fürs Schwimmen entdeckt. „Ich war schon immer ein Wasserkind. Aber das hat mir nicht geholfen, ich musste die Technik völlig neu lernen“, erzählt die gebürtige Rüganerin. Im Wasser ist sie schwerelos, merkt ihre Behinderung nicht: „Schwimmen gibt mir ein Gefühl von Freiheit.“ Aber nur schwimmen reicht ihr nicht, Maike Mau will schnell sein und sich in Wettkämpfen beweisen. „Mein Traum ist es, 2020 bei den Paralympics in Tokio zu starten. Ob das realistisch ist, wird man sehen“, sagt die Stralsunderin, die in Garz auf Rügen aufgewachsen ist: „Wer keine Träume hat, braucht doch gar nicht zu leben — oder?“

Für ihre Träume arbeitet sie hart, trainiert an fünf Tagen in der Woche. Dienstags und freitags fährt Maike Mau nach der Arbeit die gut 100 Kilometer nach Rostock, um bei Landestrainer André Wilde zu trainieren. „Wie er mich weitergebracht hat, ist Wahnsinn!“, schwärmt sie über ihren Coach. „Maike ist sehr ehrgeizig und längst noch nicht am Ende ihrer Entwicklung“, sagt der frühere Weltklasseathlet (EM-Silber und Bronze 1999 im Freiwasserschwimmen). Der bisher größte Erfolg seines Schützlings: der deutsche Kurzbahn-Rekord über 75 Meter Lagen, den sie kürzlich in Chemnitz aufstellte. „Maike hat bei null angefangen und innerhalb eines Jahres einen riesigen Sprung gemacht“, freut sich André Wilde.

Nach seinen Plänen absolviert Maike Mau die übrigen Trainingseinheiten im Stralsunder Hansedom, wo man ihr einen Parkplatz zur Verfügung stellt, damit sie unkompliziert zum Schwimmbecken gelangen kann. Immer mit dabei ist ihr Heimtrainer Wolfgang Unger (65). Er begleitet sie auch nach Rostock und zu den Wettkämpfen. „Wir haben uns gesucht und gefunden, sind eigentlich immer zusammen“, sagt die junge Frau, die im vergangenen Sommer erstmals wieder in der Ostsee geschwommen ist. Im September wird sie mit zwei Freunden in Binz auf Rügen an einem Triathlon teilnehmen und übernimmt dabei den Part im Wasser. „Ich will mir selbst und der Welt beweisen, dass das Leben nicht vorbei ist, nur weil man im Rollstuhl sitzt.“

Vielleicht auch deshalb hat sich die schöne Schwimmerin bei Model-Agenturen beworben. In einer Zeitschrift hatte sie von einem Rollstuhlbasketballer gelesen, der bei der Berliner fashion week über den Laufsteg rollte. „Da habe ich es einfach auch mal versucht und mehreren Agenturen Fotos von mir geschickt.“ Mit Erfolg. Die Blondine hat sich schon immer für Mode interessiert. „Ich habe einen Schuhtick“, verrät sie und zeigt auf halsbrecherisch hohe High Heels, die sie auf einer Kommode dekoriert hat. Ihre sündhaft teuren Louis- Vuitton-Schuhe hat Maike Mau verkauft, aber einige Paare behalten. „Um mich an die schönen Momente zu erinnern, die ich darin erlebt habe“, sagt sie. Und strahlt.

VIER FRAGEN AN...

1 Bekommt der paralympische Sport die Anerkennung und Aufmerksamkeit, die er verdient?

Auf jeden Fall mehr als früher, es ist in den vergangenen Jahren stetig immer besser geworden. Ich denke, dass wir auf einem guten Weg sind — aber noch nicht da, wo wir hingehören.

2 Wie sollte es im Optimalfall sein?

Dass man deutsche Meisterschaften medial begleitet, so wie man es ja auch in den Sportarten der Nichtbehinderten machen sollte. Aber auch das wird ja leider immer weniger. Wir haben mittlerweile fast nur noch Fußball und Handball im Fernsehen, und dann kommen die Luxussportarten wie Formel 1, Tennis und Golf. Die eigentlichen olympischen Sportarten sterben medial aus. Gerade der paralympische Sport, wo man sozial sehr viel vermitteln kann — Werte wie Nächstenliebe, Inklusion, Integration — sollte eigentlich ein pädagogisches Pflichtprogramm für unsere Medien sein, dass sie da ein bisschen mehr Augenmerk darauf haben.

3 Aber bei den Paralympics ist die Aufmerksamkeit doch groß?

So groß, dass man fast erschlagen wird, das ist schon fast wieder zu viel. Wenn man diese Aufmerksamkeit besser portionieren würde, wäre das effektiver und auch nachhaltiger.

4 Wie sieht es mit Sponsoren aus?

Mau. Obwohl ich das nicht verstehe. Wir haben den Gesundheitsbereich, viele Wirtschaftsbereiche, die daran partizipieren, die aber immer noch nicht die Kurve kriegen und auch das Verständnis nicht haben, was für eine große Macht dahinter steht. sf

Von Sönke Fröbe

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