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Top-Sprinter Greipel hofft auf Krönung seiner Karriere

Doha Top-Sprinter Greipel hofft auf Krönung seiner Karriere

Der Rostocker geht bei der Rad-WM als deutscher Kapitän ins Rennen. Sein Ex-Trainer Peter Sager traut ihm den großen Coup zu.

Doha. /Rostock. Zur Kategorie der Lautsprecher à la Mario Cipollini oder Mark Cavendish gehört André Greipel nicht. Und so behält der deutsche Kapitän für das WM-Straßenradrennen am Sonntag in Doha seine Kritik an der Zusammensetzung der Mannschaft auch für sich. Dass ihm die Rollenverteilung im ohnehin sehr kleinen Sechs-Mann-Team nicht passt, ist aber kein Geheimnis. Marcel Kittel, seit Jahren einer der schärfsten Rivalen Greipels bei den Flachankünften, wurde ihm als Joker zur Seite gestellt. Eine explosive Mischung, zumal mit John Degenkolb ein weiterer Mann mit Siegambitionen im deutschen Team steht.

 

OZ-Bild

Top-Sprinter André Greipel (l.) – hat der Rostocker auch am Sonntag in Doha Grund zum Jubeln?

Quelle: Imago

Vom Leistungsvermögen her kann eine Handvoll Fahrer den Titel holen – André gehört dazu.“

Greipel-Entdecker Peter Sager über

die WM-Chancen seines Ex-Schützlings

Greipel nimmt die Angelegenheit diplomatisch, mahnt stattdessen zu „professioneller Einstellung und Teamfähigkeit“. Er hätte auch auf seine alleinige Chefrolle pochen können, doch das widerstrebt seinem Naturell. Der 34-Jährige ist bodenständig, ehrlich und geradlinig. Keiner der Sorte Ich-AG, keiner für die Show und keiner, der sich verstellt. „Alles für die Mannschaft“ heißt sein Motto, damit es für das große Ziel reicht: Den WM- Titel 50 Jahre nach dem Triumph von Rudi Altig wieder nach Deutschland zu holen. Für Greipel wäre es die Krönung seiner Karriere.

Sein Entdecker Peter Sager traut ihm „alles“ zu: „Vom Leistungsvermögen her kann eine Handvoll Fahrer den Titel holen – André gehört dazu“, sagt Greipels einstiger Trainer vom PSV Rostock. Die Konstellation mit nur sechs Fahrern und gleich drei Sprintern sei allerdings „kompliziert“. Auch die Temperaturen in der Wüste sind eine Herausforderung: „Mit Wärme kommt André gut klar, aber in Doha sind die Bedingungen extrem.“ Um den großen Wurf zu landen, gehöre auf dem 257 Kilometer langen Kurs auch Glück dazu, weiß Sager: „Und er muss im richtigen Moment das Richtige machen.“

Greipel gehört längst zu den Großen seines Metiers. 136 Profisiege hat er bereits eingefahren, noch viel wichtiger sind ihm aber die 21 Etappenerfolge bei den großen drei Rundfahrten (Tour, Giro und Vuelta). Das hat vor ihm kein anderer deutscher Radprofi geschafft.

Dass die Karriere des gebürtigen Rostockers einmal eine derartige Entwicklung nehmen würde, hätte vor sechs Jahren kaum einer für möglich gehalten. Im Jahr 2010 hatte er bei HTC-Columbia im Schatten von Cavendish gestanden. Von dem Briten mit dem losen Mundwerk hatte er sich gar anhören müssen, dass er „nur beschissene kleine Rennen“ gewinnen könne.

Greipel verließ den Rennstall in Richtung Team Lotto, was sich als goldrichtige Entscheidung erweisen sollte. In der belgischen Mannschaft reifte der zweifache Familienvater zum kompletten Sprinter. „André hat sich weiterentwickelt. Er kann jetzt auch Etappen auf eigene Faust gewinnen, ist nicht mehr auf einen Sprintzug angewiesen“, lobte Teamchef Marc Sergeant. Greipel selbst betont: „Ich musste erst lernen, auf dem Rad aggressiver zu sein.“

Wenn der bullige Sprinter mit dem Spitznamen „Gorilla“ mal wieder die Konkurrenz hinter sich lässt, dann ist auch Marcel Sieberg meist nicht weit weg. Der 1,98 Meter große Hüne ist Greipels bester Freund und Bodyguard im Peloton. In Doha muss Greipel auf seinen kongenialen Partner aber verzichten, Sieberg fällt wegen eines Infekts aus. Aber mit Widerständen weiß Greipel umzugehen, notfalls auch ohne Helfer.

TV: So., 12.00 Uhr, Eurosport

Stefan Tabeling und Sönke Fröbe

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