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„Wir brauchen einen Olympiasieger“

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Segel-Star Jochen Schümann probt in Kühlungsborn für die Drachen-Europameisterschaft

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Das Sailing Team Germany war eine Bereicherung für den Segelsport.“Segel-Ikone Jochen Schümann

Sie sitzen zurzeit beim Dragon Grand Prix in Kühlungsborn mit Marcus Brennecke und Theis Palm in einem Boot. Wie kam es dazu?

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Segel-Star Jochen Schümann probt in Kühlungsborn für die Drachen-Europameisterschaft

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Jochen Schümann: Durch freundschaftliche Verbundenheit. Wir segeln die gesamte Saison zusammen. Als ich gefragt wurde, ob wir Drachen segeln wollen, habe ich zunächst nein gesagt, weil es ein sehr schweres Boot ist. Aber das ist ein cooler Wettbewerb. Ob am Ammersee, in Dänemark oder hier in Kühlungsborn – an allen Regatten nehmen 30 und mehr Boote teil. In zwei Wochen findet die EM in St. Petersburg statt. Dort war ich 20 Jahre nicht mehr. Von daher ist das für mich reizvoll – sportlich und unter touristischen Gesichtspunkten.

Ihre Position ist das Mittelschiff, Steuermann ist Marcus Brennecke. Ist es ungewohnt für Sie, an Bord nicht das Sagen zu haben?

Schümann: Das ist häufig so. Wenn ich professionell segle, bin ich meistens nur Berater. Ich helfe Leuten, ihre Schiffe zu steuern, bin fürs Großsegel und das Trimmen des Spinnakers zuständig, in die verschiedensten Manöver involviert.

Sie waren dreimal Olympiasieger, viermal Welt- und zehnmal Europameister und haben zweimal den America’s Cup gewonnen. Wie groß ist Ihr Erfolgshunger noch?

Schümann: Natürlich macht gewinnen Spaß. Aber man kann auch unterscheiden, welches wichtige Regatten sind und welche nur dazu dienen, sich auf Meisterschaften vorzubereiten. Jetzt kommt die EM. Der zweite Jahreshöhepunkt für die Drachen ist der Gold Cup in Dänemark. Ansonsten gilt es, aus Fehlern zu lernen.

Ist Kühlungsborn die Generalprobe für St. Petersburg?

Schümann: Im Prinzip schon. Für mich ist es das erste Mal, dass ich in Kühlungsborn segle. Der Grand Prix ist ein Highlight für die Drachenklasse. Deswegen sind so viele Nationen am Start.

Das ist ein Super-Segelrevier. Wir haben ähnlich fantastische Bedingungen wie in Warnemünde. Der Kühlungsborner Hafen ist kleiner, aber fast noch idyllischer. Leider hatten wir in den ersten Wettfahrten Sonnenschein und ablandigen Wind, also nicht die ostseetypischen Wellen.

Sie gehören zu den Mitbegründern des Sailing Teams Germany, das sich die Entwicklung des Leistungssports auf die Fahnen geschrieben hat. Wie fällt Ihr Fazit mit Blick auf die Spiele in Rio aus?

Schümann: Sailing Germany war eine echte Bereicherung für den deutschen Segelsport. Es wurden neue Standards gesetzt, die hoffentlich in Rio in Medaillen umgemünzt werden. Dank unserer Partner Audi und SAP wurde viel mehr über Segeln geredet und gezeigt. Aber wir wollten auch die Strukturen im Deutschen Seglerverband, die den Leistungssport betreffen, aufbrechen, weil wir der Meinung sind, dass vieles im Argen liegt. Nicht umsonst liegen medaillenarme Jahre hinter uns. Das ist uns nicht gelungen. Im Gegenteil. Das Imperium hat zurückgeschlagen. Der Verband hat sich die Marken vom Sailing Team Germany einverleibt. Damit ist das Ganze nach über acht Jahren beendet und wird nur noch DSV heißen und wahrscheinlich wieder ohne Team-Sponsoren weitergehen. Für Rio wird das noch keine Rolle spielen. Wie es weitergeht, ist offen.

Welchen deutschen Seglern trauen Sie in Rio Medaillen zu?

Schümann: Da gibt es mehrere. Philipp Buhl im Laser ist nicht der Topfavorit, aber er hat die besten Chancen. Darüber hinaus haben wir mit den 49er-Klassen, den 470ern und Surfer Toni Wilhelm weitere Eisen im Feuer. Ich wünsche mir, dass es einige von ihnen schaffen.

Nach München ist auch Hamburg mit seiner Olympia-Bewerbung bereits am Bürgervotum gescheitert. Ist den Deutschen die Sportbegeisterung abhanden gekommen?

Schümann: Es läuft ja grad die Fußball-EM und ich schaue auch gern die Spiele. Aber das Fußball-Geschäft saugt Sponsoren und Medieninteresse auf. Die leben in einer mehr als heilen Welt – von der Forschung bis zur Medizin und finanziell sowieso. Das fehlt den anderen Sportarten. Die Deutsche Fußball Liga ist nicht umsonst Partner der Deutschen Sporthilfe geworden. Da haben die Kollegen Fußballer wohl selbst ein schlechtes Gewissen. Aber ich glaube nicht, dass die Sportbegeisterung zurückgegangen ist. Es fehlt der Teamgeist, gemeinsam etwas Großes erreichen zu wollen. Die Befürworter gehen nicht zur Abstimmung, die Gegner schon. Und dann kommt so ein Ergebnis heraus. Das ist schade. Hamburg hätte ein Signal setzen können als besondere Olympia-Stadt in sehr kleinem Maßstab mit einer hohen Effizienz. Diese Chance wurde leider verpasst.

Sie haben zweimal den America's Cup gewonnen. Haben Sie den Traum von einem deutschen America's-Cup-Team aufgegeben?

Schümann: Nein, Träume leben ja lange. Wir sind eine reiche Nation, aber uns fehlt die Begeisterung für das Segeln – von der Industrie und von den Medien. Wir brauchen einen deutschen Olympiasieger, um wieder große Segelprojekte auf die Beine zu stellen. Ich bin dafür nicht mehr das richtige Aushängeschild. Das will ich auch gar nicht mehr sein. Wenn ich helfen kann, werde ich das gern tun. Aber es muss junge Leute geben, die ein Standing in den Medien und somit bei den Sponsoren haben.

Der erfolgreichste deutsche Segler aller Zeiten

Jochen Schümann (62) ist mit drei Olympiasiegen, zahlreichen Titeln bei Welt- und Europameisterschaften sowie zwei Erfolgen beim America’s Cup der erfolgreichste deutsche Segler aller Zeiten. Der gebürtige Berliner lebt mit seiner Ehefrau Cordula im bayerischen Penzberg. Das Paar hat zwei erwachsene Kinder.

1976 holte Schümann Olympia-Gold in der Einmannjolle Finn-Dinghy. 1988 und 1996 triumphierte er in der Soling-Klasse mit den Vorschotern Thomas Flach und Bernd Jäkel. Insgesamt nahm Schümann, der 1996 als erster Deutscher zum „Weltsegler des Jahres“ gekürt wurde, an sechs Olympischen Spielen teil. 2000 segelte er im Soling zu Silber. Zudem erkämpfte er 4 WM- und 10 EM-Titel.

2003 und 2007 triumphierte er als Segler und Sportdirektor des Schweizer Teams Alinghi beim America’s Cup, der begehrtesten und ältesten Segeltrophäe der Welt. Schümann ist einer der Gründer, Gesellschafter und Mitglied im Aufsichtsrat des Sailing Team Germany, das den Segelsport in Deutschland nach vorne bringen will.

2014 wurde Jochen Schümann aufgrund seiner sportlichen Erfolge sowie seines gesellschaftlichen Engagements mit der Goldenen Sportpyramide ausgezeichnet und in die Hall of Fame aufgenommen.

Interview von Stefan Ehlers

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