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Sechster Titel für Tony Martin - Worrack siegt nach OP

Streufdorf Sechster Titel für Tony Martin - Worrack siegt nach OP

Tony Martin holte in Streufdorf in Thüringen seinen sechsten deutschen Meistertitel im Zeitfahren und bestand den Formtest für die in acht Tagen beginnende Tour de France. Trixi Worrack sicherte sich überraschend den Frauen-Titel.

Streufdorf. Sein fünfter Meistertitel in Serie war reine Formsache. Radprofi Tony Martin hat sich zum insgesamt sechsten Mal die deutsche Meisterschaft im Zeitfahren gesichert. Trixi Worrack feierte drei Monate nach ihrer Nieren-OP ein sensationelles Comeback als neue Meisterin.

Im Glutofen von Streufdorf in seiner früheren Heimat Thüringen hatte sich Martin zuvor den Sieg über 41 Kilometer geholt. In 49:14 Minuten ließ der 31 Jahre alte Wahlschweizer der Konkurrenz nicht den Hauch einer Chance. Seine Siegerzeit entsprach auf einem anspruchsvollen Parcours bei Temperaturen um 35 Grad einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 49,97 km/h.

Einen unglaublichen Sieg feierte Trixi Worrack aus Cottbus. Drei Monate nach ihrem schweren Sturz in Italien, nach dem sie in einer Operation eine Niere verlor, siegte sie nach 26,2 Kilometern in 36:47 Minuten. Die vierfache Team-Zeitfahr-Weltmeisterin ist auch Olympia-Kandidatin - am Samstag will sie der Bund Deutscher Radfahrer (BDR) für Rio nominieren. „Ich weiß gar nicht, was ich sagen soll. Das ist was ganz Spezielles, ich war drei Monate raus“, freute sich Worrack, die im Begleitfahrzeug von Ex-Profi Erik Zabel begleitet wurde.

Acht Tage vor dem Start der 103. Tour de France präsentierte sich Martin in Top-Form und verwies den Freiburger Jasha Sütterlin (+ 1:39 Minuten) und den Kölner Nils Pollit (2:23) auf die Plätze. Der eigentlich gegenüber Pollit sieben Sekunden schnellere Altmeister Stefan Schumacher erhielt eine 90-Sekunden-Zeitstrafe wegen Windschattenfahrens und rutschte auf Platz sieben.

Martin holte sich mit seinem ersten Saisonsieg Rückenwind für die Tour. „Das war ein schöner Formtest vor dem ersten Zeitfahren der Tour, bei dem ich mir Siegchancen ausrechne. Ich glaube der Test ist heute gelungen, obwohl ich wegen der Hitze auf den letzten zehn, 15 Kilometern Substanz gelassen habe“, sagte Martin. Neben dem Zeitfahren der 13. Etappe hat er sich beim Saisonhöhepunkt in Frankreich, die „ein oder andere Etappe“ ausgesucht, auf der „ich etwas versuchen könnte.“ Bisher gewann der dreifache Zeitfahr-Weltmeister fünf Tour-Etappen.

Das Warmfahren vor dem Rennen auf der Rolle stand bei Temperaturen um die 35 Grad unter besonderen Voraussetzungen. Martin war im Schatten eines Hotelgartens von Ventilatoren umringt. In den Nacken hatte er eine mit Eiswürfeln gefüllte Socke gelegt, am Oberkörper trug er eine Eisweste. „Bei solchen Temperaturen ist es wichtig, nicht schon überhitzt an den Start zu gehen“, sagte sein Etixx-Quickstep-Sportchef Jan Schaffrath.

Den sehr anspruchsvollen Kurs hatte Martins Manager Jörg Werner vom lokalen Ausrichter „Team Spirit“ ausgewählt und sich etwas von Ansprüchen leiten lassen, die in Rio auf seinen Schützling warten. „Der Olympia-Kurs ist aber noch viel schwieriger“, meinte Schaffrath, der die Strecke oberhalb der Copacabana im Vorjahr mit Martin inspiziert hatte. Zunächst wartet aber erst die Tour, die am übernächsten Samstag in der Normandie mit einer Flachetappe beginnt.

Den U23-Titel hatte sich über die identische Strecke der Elite der 22 Jahre alte Berliner Maximilian Schachmann in 51:37 Minuten gesichert. Er trat die Nachfolge von Lennard Kämna an, der im Elite-Bereich keine Rolle spielte.

dpa

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