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Dopingskandal auch im russischen Schwimmsport

London Dopingskandal auch im russischen Schwimmsport

Nun also auch die russischen Schwimmer - ganz so überraschend kommen die Enthüllungen der „Times“ nicht. Über Jahre hinweg soll dort mit verbotenen Mitteln manipuliert worden sein. Der russische Verband zeigt sich unbeeindruckt, auch der Weltverband meldet sich zu Wort.

London. Nach der Leichtathletik wird auch der russische Schwimmsport laut einem Bericht der Zeitung „The Times“ von einem gigantischen Dopingskandal erschüttert.

Eine „Schande“ überschreibt das seriöse englische Blatt seinen langen Artikel, der auf umfangreichen Recherchen beruhe. Es gebe Beweise für eine „organisierte Drogenkultur“ im russischen Schwimmsport in den vergangenen zehn Jahren.

Der Weltschwimmverband FINA rief die Zeitung auf, neue Erkenntnisse zur Verfügung zu stellen, damit bei Bedarf unverzüglich Ermittlungen eingeleitet werden könnten. Der Verband habe zwar keine Kenntnis von systematischem Doping im russischen Schwimmsport, führe angesichts jüngster Erkenntnisse aber besonders viele Kontrollen durch.

Die Welt-Anti-Doping-Agentur zeigte sich besorgt. Das Vertrauen in einen sauberen Sport sei ohnehin schon in einem gefährlichen Zustand. WADA-Präsident Craig Reedie kündigte eine Entscheidung über die Art und Weise der Untersuchung an, sobald die Informationen und Beweise zusammengetragen seien.

Die „Times“ enthüllte unter anderem Betrug durch einen bereits in Ungnade gefallenen Mediziner, mit illegalen Drogenlaboren und vertuschten Dopingtests. So soll Sergej Portugalow, Chefmediziner der seit vier Monaten suspendierten russischen Leichtathleten, auch den Schwimmern leistungssteigernde Mittel verabreicht haben.

Ihm sei der Inhalt der Recherchen nicht bekannt, sagte der Vizepräsident des russischen Schwimm-Verbandes, Viktor Awdinenko, am Mittwoch der Agentur Tass. „Den Schwimmverband bedrohen sie nicht, weil wir mit dem Arzt Sergej Portugalow nicht zusammenarbeiten“, sagte er. Zu Zeiten der Sowjetunion sei dieser zwar Teil des Stabs gewesen, habe jedoch nie in der Nationalmannschaft gearbeitet.

Der frühere Chefarzt der suspendierten russischen Leichtathleten soll dem „Times“-Artikel zufolge dagegen auch Schwimmern leistungssteigernde Medikamente verabreicht haben. Portugalow habe nach einer E-Mail-Anfrage der Zeitung zwar Antworten zugesagt, sich dann aber nicht mehr gemeldet. Die Anti-Doping-Kommission im russischen Sportministerium kündigte eine Antwort „bis zum Wochenende“ an.

Eine Zeugin sagte aus, dass es bei einem Wettkampf in Moskau am Schwimmbecken eine „Apotheke“ gegeben habe, um die Athleten direkt mit „Pillen und Medizin“ zu versorgen. Zwei Schwimmer, die positiv auf das Blutdopingmittel EPO getestet wurden, seien nie bestraft worden. Laut „Times“ wurden Zeugen eingeschüchtert. Ihnen wurden Repressalien angedroht, falls sie mit ihrem Wissen über Doping an die Öffentlichkeit gehen.

Mit mehr als 40 positiven Tests soll Russland im vergangenen Jahrzehnt weltweit das Land mit den meisten Dopingsündern im Schwimmen gewesen sein, schreibt die Zeitung. Zuletzt hatte der Fall von Weltmeisterin Julija Jefimowa für Aufsehen gesorgt. Der prominenten Sportlerin wird die Einnahme des verbotenen Herzmedikaments Meldonium vorgeworfen, das seit dem 1. Januar auf der Dopingliste der Welt-Anti-Doping-Agentur WADA steht. Jefimowa wies dies sofort zurück. Sie wolle den Beweis ihrer Unschuld antreten.

WADA-Präsident Craig Reedie schloss Untersuchungen nicht aus. „Falls diese Vorwürfe korrekt sind, gehen sie sicherlich auch die WADA etwas an - und wir werden sie genau prüfen“, sagte Reedie der „Times“.

dpa

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