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Abgesackte A 20: „Da war ja schon immer Moor“

Tribsees Abgesackte A 20: „Da war ja schon immer Moor“

Bei Tribsees ist ein großes Stück der Autobahntrasse in Richtung Rostock mitsamt der Leitplanke die Böschung hinabgerutscht / Der Verkehr muss nun länger als geplant umgeleitet werden / Die Einwohner von Langsdorf sind davon besonders betroffen

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Erika Baumgart (v.r.), Inhaberin der Gaststätte „Zur Kastanie“ in Langsdorf, ihr Sohn Matthias Baumgart und Mitarbeiterin Gudrun Boy-Saloga

Tribsees. Als ob hier die Erde gebebt hat: Das bereits abgesperrte Teilstück der Autobahn 20 bei Tribsees (Vorpommern-Rügen) sieht gestern jedenfalls so aus, als ob im Untergrund gewaltige tektonische Kräfte gewirkt hätten. Ein riesiges Loch tut sich auf, wo am Montagabend die bis über die Fahrbahnmitte hinweg geborstene und in große Teile zerbrochene Decke der A 20-Fahrbahn in Richtung Rostock-Lübeck zu sehen war.

OZ-Bild

Bei Tribsees ist ein großes Stück der Autobahntrasse in Richtung Rostock mitsamt der Leitplanke die Böschung hinabgerutscht / Der Verkehr muss nun länger als geplant umgeleitet werden / Die Einwohner von Langsdorf sind davon besonders betroffen

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40

Meter lang,

gut zehn Meter

breit und

durchschnittlich

2,50 Meter tief ist das Loch

auf der A 20

bei Tribsees.

Bei dem Abbruch

sind etwa

1000 Kubikmeter

Erde „weggesackt“.

Nur ein paar Stunden später sieht dieselbe Stelle ganz anders aus. In der Nacht zu gestern gab die Böschung neben der Autobahntrasse dann vollständig nach. Die Fahrbahnstücke sind in ein tiefes Loch und die Böschung hinabgerutscht. „Die Setzungen sind so weit fortgeschritten, dass etwa 1000 Kubikmeter Erde ,weggesackt’ sind“, erklärt Renate Gundlach, Sprecherin des Schweriner Verkehrsministeriums. Dadurch ist auf einer Fläche von etwa 400 Quadratmetern ein rund 2,50 Meter tiefes Loch entstanden. Es gebe zudem Anzeichen dafür, dass der Prozess des Setzens noch nicht abgeschlossen ist, heißt es. Die Gründe dafür sind weiterhin unklar.

Trotz des massiven Abbruchs an der A 20 ist laut eines Gutachters eine Vollsperrung nicht notwendig. „Der Gutachter sieht keine akute Gefährdung des Verkehrs auf der verbleibenden einen Fahrspur auf der Gegenfahrbahn“, erklärt Renate Gundlach. „Deshalb soll der Verkehr dort zunächst aufrechterhalten werden.“ Vermesser des Landesamtes kontrollierten zweimal täglich mit Höhenmessungen die Fahrbahnoberfläche. Der Verkehr in Richtung Westen muss auf die Landesstraße 19 ausweichen.

Das hat spürbare Folgen für viele Menschen, die in den Orten entlang der Umgehungsstraße wohnen. Zuallererst für die Leute in Langsdorf. Durch das erste Dorf hinter der Anschlussstelle Tribsees wälzt sich eine unendlich erscheinende Fahrzeugschlange: Pkw, Sattelschlepper, Wohnmobile sowie große und kleine Laster. Die Fahrzeuge quälen sich durch den Ort, um über die Umgehungsstraße bei Sanitz (Landkreis Rostock) wieder auf die A 20 zu gelangen.

Die Anwohner sehen den starken Verkehr auf ihrer Hauptstraße als notwendiges Übel an. „Das muss ja sein“, sagt Heinz Siebert, neben ihm brummen die Laster vorbei. Er sei am Morgen auch schon an der Abbruchstelle gewesen, „mal gucken“. Siebert ist noch ganz beeindruckt von dem, was er dort gesehen hat: „Das sind ja Massen, die da abgebrochen sind.“ Dass der Verkehr nun wieder so stark durchs Dorf geleitet werde, sei erst seit kurzem zu spüren. „Wir waren ja ganz froh darüber, dass die A 20 wenigstens einspurig in beiden Richtungen zu befahren war“, erklärt Siebert.

Auch Erika Baumgart sieht die Umleitung des Autobahnverkehrs zwiespältig. Die Inhaberin der Gaststätte „Zur Kastanie“ kenne ihr Heimatdorf eigentlich gar nicht ohne diesen umfangreichen Durchgangsverkehr. „Das war früher sogar noch schlimmer“, sagt sie. Matthias Baumgart, ihr Sohn arbeitet auch in der Gaststätte, stimmt ihr zu. Halten denn nun mehr Auto- oder Lkw-Fahrer als früher an, um bei ihnen in der Gaststätte einzukehren? „Nein, mit zusätzlichen Gästen rechnen wir nicht“, erklärt Erika Baumgart. Und der große Schaden an der Autobahntrasse, die zerstörte und abgesackte Fahrbahn, was meinen sie dazu? Erika Baumgart überlegt einen Moment. Dann sagt sie: „Dort, wo die Autobahn gebaut wurde, war ja schon immer Moor.“

Bernhard Schmidtbauer

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