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Aida fühlt sich Rostock verpflichtet

Aida fühlt sich Rostock verpflichtet

Das Kreuzfahrt- Unternehmen schickt einen Teil seiner Mitarbeiter nach Hamburg. Dort baut die Costa-Gruppe ein digitales Schiffs- führungszentrum.

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Aufschwimmen der „Aidaprima“ in der Tategami Werft in Japan. Im Oktober 2015 soll das jüngste Schiff der Aida-Flotte erstmals mit Gästen in See stechen.

Quelle: Aida Criuses

Rostock/Genua — Über die Umstrukturierung bei Aida Cruises sprach die OZ mit Reederei-Chef Michael Thamm.

OSTSEE-ZEITUNG: Herr Thamm, Ihre Ankündigung, ein neues Technikzentrum in Hamburg zu bauen und Arbeitsplätze dorthin zu verlagern, sorgt für große Unruhe in Rostock. Zieht sich das Unternehmen aus der Hansestadt zurück?

Michael Thamm: Nein. Wir fühlen uns dem Standort verpflichtet. Aida ist ein großer und angesehener Arbeitgeber in Rostock. Wir haben hier gerade erst ein neues Büro eröffnet. In alle Gebäude haben wir 50 Millionen Euro investiert. Das hätten wir nicht getan, wenn wir keine Zukunft sehen würden.

OZ: Wie viele Mitarbeiter müssen denn an die Elbe ziehen?

Thamm: Es wird ja niemand gezwungen. Zurzeit haben wir 800 Mitarbeiter in Rostock, etwa zehn Prozent der Jobs werden nach Hamburg verlagert — ungefähr. Einige wohnen bereits in Hamburg, andere werden pendeln.

OZ: Sind mehrere Abteilungen betroffen?

Thamm: Nur der technische Betrieb und der technische Einkauf.

OZ: Werden die Mitarbeiter, die nicht mitwollen, gekündigt?

Thamm: Die Gespräche mit den Mitarbeitern und dem Betriebsrat laufen auf Hochtouren. Damit die Pendelei nicht zu viel wird, entwickeln wir gerade ein Arbeitszeitmodell. Zum Beispiel wäre es möglich, dass man mehrere Schichten durcharbeitet und danach eine längere Zeit frei bekommt. Für die, die partout nicht nach Hamburg möchten, versuchen wir andere Jobs im Unternehmen zu finden. Das wird ein geringer Teil sein.

OZ: Was genau ist denn in Hamburg geplant?

Thamm: Ein digitales Schiffsführungszentrum, so etwas gibt es in der gesamten Schifffahrt noch nicht. Von der Zentrale aus sollen die digitalen Daten aller Schiffe der zu unserer Muttergesellschaft gehörenden Marken Aida, Costa und Costa Asien abgerufen werden. So können mögliche technische Probleme im Vorfeld erkannt und behoben werden. Zum Beispiel lässt sich erkennen, ob die Hauptmaschine einwandfrei arbeitet oder bald kaputt geht. Diesen Einblick in die gesamte Flotte und eine schnelle Fehlerbehebung bekommt man von zwei Standorten aus nicht hin.

OZ: Ein möglicher Personalabbau spielt keine Rolle?

Thamm: Im Gegenteil: Wir wollen weiter wachsen. Es sind mehrere Neubauten geplant. Zurzeit haben unsere Schiffe knapp 60 000 Betten, diese Zahl wollen wir bis 2024 verdoppeln. Deshalb sind wir in vielen Ländern vertreten, es werden neue Büros eröffnet, das nächste in Tokio (Japan). Wir stehen im globalen Wettbewerb. Auch unsere Mitarbeiter müssen globaler denken und unterwegs sein.

OZ: Die Kreuzfahrtbranche ist seit Jahren ein Wachstumsmarkt. Auch Ihre Konkurrenz baut neue Schiffe. Glauben Sie, dass man die in Zukunft noch alle vollkriegt?

Thamm: Jährlich werden weltweit eine Milliarde Urlaube gebucht, nur 22 Millionen davon von Kreuzfahrern. Ich bin mir sicher, dass wir die Schiffe vollkriegen.

OZ: Wie dringend wird denn das Technik-Zentrum gebraucht?

Thamm: Technische Probleme kommen immer wieder vor. Aber die Passagiere kriegen davon meist nichts mit, weil viele Systeme mehrfach an Bord sind. Fällt eins aus, können andere einspringen.

Doch Reparaturen sind teuer und könnten so verhindert werden. Hinzu kommt, dass das Thema Sicherheit für uns eine Verpflichtung ist — nicht erst seit dem schrecklichen Unglück der „Costa Concordia“.

OZ: Gegen den ehemaligen Kapitän der „Concordia“ wurde gerade das Urteil gesprochen: 16 Jahre Haft. Wie sehr hat dieser Vorfall dem Image von Costa geschadet?

Thamm: Kurz nach dem Unglück sind die Buchungszahlen zurückgegangen. Doch das hat sich schnell wieder geändert.

OZ: Das Wrack wurde in einer spektakulären Bergungsaktion von der Insel Giglio nach Genua geschleppt. Seither hat man nicht mehr viel vom Wrack gesehen. Wie ist der Stand der Arbeiten?

Thamm: Das Wrack wird Stück für Stück auseinandergenommen und so gut es geht recycelt. Die Arbeiten werden bestimmt noch anderthalb bis zwei Jahre dauern.

OZ: Welcher Ihrer Marken ist denn die erfolgreichste?

Thamm: Aida ist natürlich sehr erfolgreich. Aber wir sehen auch sehr gute Ergebnisse in Asien. Dort sind drei Costa-Schiffe unterwegs. Sie sind mittlerweile genauso erfolgreich wie die von Aida.

OZ: Das neue Mitglied der Aida-Flotte, die „Prima“, sticht im Oktober in See. Ihr Schwesterschiff nächstes Jahr. Dessen Name steht noch nicht fest. Wer denkt sich die eigentlich immer aus?

Thamm: Das ist unterschiedlich, mal Mitarbeiter, mal Kunden. Es ist schon kurios, wie im Vorfeld immer darüber spekuliert wird.

Mann der ersten Stunde
Michael Thamm (Foto) wurde am 28. April 1963 in Dresden geboren. Seit 2012 steht er an der Spitze der Costa Gruppe, die ihren Firmensitz in Genua (Italien) hat. Thamm begann seine Karriere 1984 bei der Deutschen Seereederei in Rostock. Ab 1993 war er maßgeblich an der Entwicklung von Aida Cruises beteiligt. Ein Mann der ersten Stunde — Thamm war der 14. Mitarbeiter bei Aida. Heute hat das Unternehmen 800 Angestellte. Von 2004 bis 2012 war Thamm Präsident von Aida Cruises und initiierte ein Neubauprogramm, das die Kussmund-Flotte zwischen 2007 und 2013 um jährlich ein Schiff erweiterte. Zehn Kreuzliner sind es mittlerweile.



Zur Costa Gruppe gehören die Marken Aida Cruises, Costa Crociere und Costa Asia. Mit 27000 Mitarbeitern an Bord und an Land und 25 Schiffen mit einer Gesamtkapazität von rund 60000 Betten ist die Costa Gruppe das führende europäische Kreuzfahrtunternehmen. Aida ist Marktführer für Kreuzfahrten in Deutschland. Bis 2016 werden zwei Neubauten die Flotte verstärken, der erste ist die „Aidaprima“.

 



Kerstin Schröder

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Von Andreas Ebel

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