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Dutzende gefährliche Hochhäuser in Großbritannien entdeckt

Ärger über Evakuierungen Dutzende gefährliche Hochhäuser in Großbritannien entdeckt

In London müssen Tausende Menschen wegen Brandschutz-Mängeln ihre Wohnungen verlassen. Darum gibt es viel Ärger. Experten finden immer mehr riskante Hochhäuser im Land.

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Dunkle Wolken hängen über den fünf Hochhäusern im Stadtteil Camden im Norden von London. Die Gebäude wurden aus Brandschutzgründen evakuiert.

Quelle: Alastair Grant

London. Der verheerende Hochhausbrand in London vor knapp zwei Wochen entwickelt sich zu einem landesweiten Bauskandal. Experten entdeckten bereits an mindestens 34 Hochhäusern in Großbritannien leicht entflammbare Außenfassaden.

„Wir haben bislang 34 Hochhäuser untersucht und leider eine 100-prozentige Trefferquote“, sagte eine Regierungsmitarbeiterin der Deutschen Presse-Agentur.

Betroffen sind nicht nur Gebäude in London, sondern auch in Manchester, Portsmouth und Plymouth. Insgesamt sollen bei 600 Hochhäusern die Fassadenverkleidungen untersucht werden.

Nicht alle Gebäude werden evakuiert, betonte der für Kommunen zuständige Minister Sajid Javid. Am Freitagabend mussten bereits rund 4000 Menschen vier Hochhäuser im Norden Londons wegen Brandgefahr räumen. Die Feuerwehr hatte in den 22-stöckigen Gebäuden im Stadtteil Camden eine ganze Reihe von Sicherheitsmängeln festgestellt: unter anderem brennbare Fassaden, Fehler bei der Isolierung von Gasleitungen und das Fehlen von Brandschutztüren.

Die Arbeiten an den geräumten Gebäuden werden drei bis vier Wochen dauern, wie Georgia Gould vom Bezirksrat sagte. Etwa 650 Wohnungen sind den Angaben zufolge betroffen. Der Hochhaus-Komplex ist von 2006 bis 2009 von derselben Firma saniert worden wie der am 14. Juni ausgebrannte Grenfell Tower. Das Feuer dort konnte sich über die Fassadenverkleidung binnen kürzester Zeit stark ausbreiten.

Die Betroffenen verbrachten die ersten beiden Nächte in Notunterkünften, Hotels oder bei Freunden. Mehr als 80 Bewohner weigerten sich allerdings zunächst, ihre Wohnungen zu verlassen. Die meisten von ihnen räumten dann am Sonntag ihre Bleibe.

In Interviews kritisierten Bewohner die Evakuierung als Überreaktion. Vor allem Senioren fiel der schnelle Aufbruch schwer. Ein 94-Jähriger berichtete Journalisten, dass er nicht ausreichend Tabletten mit sich genommen habe. „Ich habe für so etwas nicht mehr die Kraft.“ Eine Seniorin verbrachte die erste Nacht sitzend auf einem Stuhl.

Londons Bürgermeister Sadiq Khan verteidigte die Maßnahme. „Man kann doch nicht russisches Roulette mit der Sicherheit von Menschen spielen“, sagte er dem Sender Sky News am Sonntag.

Nach Ansicht von Labour-Chef Jeremy Corbyn sollte Premierministerin Theresa May eine Krisensitzung einberufen. Nur so könnten Maßnahmen gegen mangelhaften Brandschutz besser koordiniert werden. Es handele sich um eine „landesweite Bedrohung“, warnte Corbyn.

Ein defekter Kühlschrank hatte das Feuer im Grenfell Tower entfacht. Der Brand griff auf den ganzen 24-stöckigen Sozialbau über. Mindestens 79 Menschen kamen ums Leben. Fünf Verletzte lagen am Sonntag noch im Krankenhaus. Die Ermittler erwägen eine Anklage wegen fahrlässiger Tötung. Man prüfe alle Firmen, die am Bau und an der Sanierung des Hochhauses beteiligt gewesen seien, hieß es.

dpa

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