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Fast ein Dutzend Terrorverdächtige festgenommen

Brüssel/Paris Fast ein Dutzend Terrorverdächtige festgenommen

Nach dem Bombenterror von Paris und Brüssel läuft die Suche nach Komplizen der Attentäter mit Hochdruck. Auch in Deutschland wurden Verdächtige festgenommen. Gibt es Verbindungen zwischen den Männern?

Brüssel/Paris. Nach den Selbstmordanschlägen von Brüssel hat die Polizei in Belgien, Frankreich und Deutschland fast ein Dutzend Terrorverdächtige festgenommen.

In Gießen wurde ein Mann gefasst, in dessen Mobiltelefon die Beamten Hinweise auf einen Zusammenhang mit den Attentaten von Brüssel fanden. Im Raum Düsseldorf sei am Donnerstag ein als Salafist bekannter Mann festgenommen worden, der möglicherweise zum Umfeld der Brüssel-Attentäter gehört. Offiziell bestätigten die Behörden am Freitag lediglich zwei Festnahmen, sie wollten sich aber nicht zu Details äußern.

In der Nacht zu Freitag waren bei Razzien in Brüssel sechs Verdächtige gefasst worden. Laut Staatsanwaltschaft sollte im Laufe des Tages entschieden werden, ob gegen die Verdächtigen Haftbefehl erlassen wird. Über die Identität der Festgenommenen wurde zunächst nichts bekannt. Nach einem Bericht des Radiosenders RTBF wurde am Freitagmorgen in der Gemeinde Forest ein siebter Verdächtiger gefasst. Eine offizielle Bestätigung dafür gab es zunächst nicht. Am Freitag durchsuchten Spezialeinsatzkräfte der Polizei erneut ein Haus im Stadtteil Schaerbeek.

Das französische Innenministerium teilte unterdessen mit, einen Anschlagsplan im „fortgeschrittenen Stadium“ vereitelt zu haben. In einem Pariser Vorort wurde ein Terrorverdächtiger festgenommen, der nach Medienberichten Verbindungen zum mutmaßlichen Planer der Pariser Anschläge vom November gehabt haben soll. Zusammen mit dem als Kopf dieser Anschläge geltenden Islamisten Abdelhamid Abaaoud soll er 2015 in Brüssel verurteilt worden sein. In Argenteuil nordwestlich von Paris wurden bei einer Wohnungsdurchsuchung laut Medien geringe Mengen Sprengstoff gefunden.

Am Dienstag waren bei den Bombenanschlägen am Brüsseler Flughafen und in der U-Bahn-Station Maelbeek mindestens 31 Menschen getötet und rund 300 verletzt worden. Drei Attentäter sprengten sich selbst in die Luft, nach mindestens einem Komplizen wurde noch gefahndet. Zu den Anschlägen bekannte sich die Terrormiliz Islamischer Staat (IS). Die Brüsseler Attentäter sollen Verbindungen zu den islamistischen Drahtziehern der Anschläge von Paris und Saint-Denis gehabt haben, bei denen am 13. November 130 Menschen ermordet wurden.

In Gießen wurde am Mittwochabend ein 28 Jahre alter Marokkaner festgenommen. Nach ARD-Informationen fiel er bei einer Routinekontrolle auf dem dortigen Bahnhof einer Streife der Bundespolizei auf. Als sich die Polizei intensiver mit dem Mann beschäftigt habe, hätten sich Papiere über einen Krankenhausaufenthalt wegen einer Verletzung am 18. März gefunden. An diesem Tag wurde der Terrorverdächtige Salah Abdeslam in der belgischen Hauptstadt festgenommen. Dem „Spiegel“ zufolge enthält eine Kurznachricht den Namen des U-Bahn-Attentäters von Brüssel, Khalid El Bakraoui.

Gegen den am Donnerstag im Raum Düsseldorf festgenommenen Salafisten wird unter anderem „wegen Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat“ ermittelt. Bei dem Mann soll es nach „Spiegel“-Informationen um den Salafisten Samir E. gehen. Er sei ebenso wie der Brüsseler U-Bahn-Attentäter El Bakraoui im Sommer 2015 von den türkischen Behörden im Grenzgebiet zwischen der Türkei und Syrien aufgegriffen und nach Amsterdam abgeschoben worden.

Die belgische Polizei löschte den Fahndungsaufruf nach einem der mutmaßlichen islamistischen Terroristen von Brüssel, Najim Laachraoui, von ihrer Webseite. Der 24-Jährige soll nach Medienberichten einer der beiden Selbstmordattentäter vom Flughafen sein. Dass Laachraoui nicht mehr zur Fahndung ausgeschrieben ist, könnte ein Hinweis sein, dass die Ermittler ihn für tot halten.

Der Chef des Bundeskriminalamts (BKA), Holger Münch, warnte erneut vor weiteren Terroranschlägen in Europa. Der sogenannte Islamische Staat sei in Syrien und im Irak geschwächt. „Damit steht die Terrorgruppe unter Druck und braucht spektakuläre Aktionen, um Aufmerksamkeit zu erregen und Macht zu demonstrieren“, sagte Münch der „Bild“-Zeitung (Samstag). Angesichts der Terrorgefahr wollen die Innenminister der Länder im Juni über Einsätze der Bundeswehr im Inneren beraten, wie der Vorsitzende der Innenministerkonferenz, Klaus Bouillon (CDU), dem „Focus“ sagte.

Belgiens Premierminister Charles Michel zieht eine zusätzliche Unterstützung der internationalen Koalition gegen die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) in Erwägung. Das sagte er am Freitag bei einer Pressekonferenz mit US-Außenminister John Kerry in Brüssel. Kerry bestätigte, dass mindestens zwei US-Bürger bei den Anschlägen in Brüssel ums Leben gekommen sind. Nicht ausgeschlossen ist, dass auch eine Deutsche unter den Todesopfern ist. Eine Frau aus Aachen wird noch vermisst.

dpa

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