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Fischsuppe mit Tränengas: Harter Polizeieinsatz in Marseille

Marseille Fischsuppe mit Tränengas: Harter Polizeieinsatz in Marseille

Schockierende Bilder im Touristenidyll des alten Hafens von Marseille. Nach den Zusammenstößen wird die Gewalt von Hooligans verurteilt. Aber auch das Vorgehen der Polizei steht in der Kritik.

Marseille. Tränengasschwaden im alten Hafen von Marseille ziehen über Segelboote, Luxusjachten und alte Kutter, Polizisten rennen mit gezogenen Schlagstöcken auf randalierende Fans zu.

Wo normalerweise Touristen unweit der Wallfahrtskirche Notre-Dame de la Garde die Fischspezialität Bouillabaisse genießen, herrscht der Ausnahmezustand.

Die Bilder aus Marseille rücken die Gefahr durch Hooligans ins Zentrum der EM-Sicherheitsdebatte, die sich bisher vor allem um die Bedrohung durch mögliche Terroranschläge drehte.

Ausschreitungen und Reaktionen werfen für manche Beobachter auch Fragen nach dem Vorgehen der französischen Polizei auf. Denn das mitunter rabiate Auftreten der Bereitschaftspolizei ist nicht unumstritten - zugleich klagen Polizisten nach sieben Monaten Ausnahmezustand in Frankreich über zu hohe Belastung durch inzwischen alltägliche Kontrollen, Überwachungen, Patrouillen und Einsätze.

Der massive Einsatz von Tränengas, mitunter auch von Gummigeschossen, ist in Frankreich bei Einsätzen zum „Erhalt der Ordnung“ nichts Ungewöhnliches. In den vergangenen Wochen war dies bei den teilweise ebenfalls von Gewalt überschatteten Protesten gegen die Arbeitsmarktreform der Regierung zu beobachten. Am 1. Mai endete die traditionelle Gewerkschaftsdemonstration in einer riesigen Tränengaswolke auf dem Pariser Platz der Nation.

Während die Behörden die Eskalation Krawallmachern anlasteten, gab es mehrfach auch Vorwürfe wegen exzessiver Gewaltanwendung, in einigen Fällen wurden auch Untersuchungen eingeleitet. Der Soziologe Fabien Jobard sagte der Zeitung „Le Journal du Dimanche“ im Mai vor dem Hintergrund der Demonstrationen, die französische Polizei bleibe in alten Schemata und kommuniziere nicht genug. Die Polizei anderer Länder setzte auf Deeskalation mit Suche nach anderen Lösungen und Gewalt nur als letztem Mittel.

Polizeigewerkschaften verweisen dagegen auch immer wieder auf die hohe Belastung. „Wir sind erschöpft“, sagte Alexandre Langlois, Generalsekretär bei der Gewerkschaft CGT für den Polizeibereich, in „Humanité“. Kurz vor der EURO wurde ein Brandbrief des Pariser Polizeipräfekten Michel Cadot an das Innenministerium zur Überlastung der Kollegen in französischen Medien lanciert. Die Regierung nahm die Lage „zur Kenntnis“ - und schickte weitere Militärs zur Verstärkung.

Mit Blick auf die Situation in Marseille betonen Offizielle allerdings auch, sie hätten eine weitere Eskalation unterbunden und Gewalt eingegrenzt. „Schnelle Reaktion, Beherrschung und Entschlossenheit der Polizisten haben zweifellos erlaubt, noch viel schlimmere Zwischenfälle zu verhindern“, sagte Marseilles Polizeipräfekt Laurent Nuñez.

Zudem ist das Viertel um den alten Hafen geprägt von kleinen Gassen und verwinkelten Ecken. Dazwischen unterwegs unzählige Menschen in T-Shirt und kurzen Hosen - Hooligans und Touristen sind bis zum ersten Übergriff optisch nicht immer leicht abgrenzbar. Nuñez: „Das ist ein extrem schwieriges Einsatz-Terrain.“

dpa

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