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„Föderalismus ist ein Hindernis“

„Föderalismus ist ein Hindernis“

MV‘s Bildungsminister Brodkorb will seine Kollegen zur Schuloffensive überzeugen

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Bildungsminister Mathias Brodkorb

Quelle: Kettler

Herr Minister, Mecklenburg-Vorpommern erlaubt nur zwei Fünfen auf dem Schulabschlusszeugnis, andere Bundesländer sind da großzügiger. Warum diese Härte?

Mathias Brodkorb: Als ich Minister wurde, konnte man mit einer 6 in Mathe oder Deutsch den Schulabschluss der Berufsreife machen. Wenn aber Lesen, Schreiben und Rechnen das Wichtigste sind, was Schulen vermitteln müssen, dann kann das nicht richtig sein. Die Betriebe müssen sich darauf verlassen können, dass Bewerber in der Schule etwas gelernt haben. Auch deshalb habe ich das geändert.

Wenn wir wollen, dass Abschlüsse bundesweit anerkannt werden, darf nicht der Eindruck entstehen, dass wir sie verschenken.

Wo stehen die Schüler des Landes im Bundesvergleich?

Brodkorb: Unsere Schüler sind deutlich besser als ihr Ruf. Realität ist: Bei allen wesentlichen Studien liegen wir im Mittelfeld, in Mathematik und in den Naturwissenschaften sogar im vorderen Drittel — gemeinsam mit den anderen ostdeutschen Ländern. Es wird Zeit, dass Ostdeutschland aus den Ergebnissen auch Selbstbewusstsein zieht.

Bei Schulbildung geht jedes Land eigene Wege. Ist der Föderalismus nicht Bremsklotz auf dem Weg in eine erfolgreiche Zukunft?

Brodkorb: Natürlich ist das so, das kann niemand ernsthaft bestreiten, dem es um ein gutes Schulsystem geht. Ich wünsche mir in Zukunft: einheitliche Standards, Bewertungsmaßstäbe und Prüfungen in ganz Deutschland. Aber das wird ein steiniger Weg. In Hamburg machen derzeit mehr als 50 Prozent aller Schüler das Abitur, in Bayern sind es etwa nur 30 Prozent, obwohl dort die leistungsstärksten Gymnasiasten wohnen. Da stimmt doch etwas nicht. Alle Länder und alle Bildungsminister müssen daher kompromissbereit sein, ansonsten wird es nie einen gemeinsamen Nenner geben.

Eine Arbeitsgruppe mit Experten aus MV an der Spitze soll die Anforderungen an das Abitur vereinheitlichen. Wird das was?

Brodkorb: Darin setze ich große Hoffnungen. Ich freue mich sehr, dass unser Schulabteilungsleiter die Leitung dieser Arbeitsgruppe der Kultusministerkonferenz übernommen hat. Wir brauchen nicht nur einheitliche Abiturprüfungen, sondern zum Beispiel auch einheitliche Bewertungsmaßstäbe. Wenn in zwei Bundesländern zwar dieselben Aufgaben gelöst werden müssen, aber in dem einen Land strenger, in dem anderen laxer zensiert wird, haben wir wieder kein vergleichbares Abitur. Vor uns liegen also eine Mammutaufgabe und intensive Diskussionen mit den anderen Bundesländern.

Ist die Rückkehr zum Abitur nach 13 Jahren eine Option für MV?

Brodkorb: Nein. Ostdeutschland hat über Jahrzehnte gute Erfahrungen mit dem Abi nach 12 Jahren gemacht. Ich bin sicher: Eine Mehrheit der Bevölkerung will daran festhalten.

 



OZ

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