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Giganten für die Weltmeere

Wismar Giganten für die Weltmeere

Auf den drei Lloyd-Werften in Mecklenburg-Vorpommern sollen mächtige Kreuzfahrtschiffe gebaut werden

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Rüdiger Pallentin (Lloyd), Uwe Beckmeyer (Bundesregierung), Genting-Boss Thay, Ministerpräsident Erwin Sellering und Edie Rodriguez (v.l., Crystal Cruises) bei der Unterzeichnung der Verträge

Quelle: Frank Söllner

Wismar. In Wismar schlägt das Herz der deutschen Schiffbau-Industrie. So soll es bald sein. Der Bau der Aida-Schiffe zwei und drei mit den Patinnen Heidi Klum und Doris Schröder-Köpf schwebte gestern durch das Foyer des Technologie- und Gewerbezentrums der Hansestadt — als Erinnerung an damals, als Schiffbauer sein in Mecklenburg-Vorpommern noch Großes bedeutete.

Ohne unsere Unterstützung für die Werften würde es diese Aufträge heute gar nicht geben.“

Erwin Sellering (SPD), Ministerpräsident

Ganz Großes soll sich in den nächsten Jahren wieder auf der Werft abspielen. Superlatives gar. Vom „größten Kreuzfahrtschiff der Welt“ ist bei der Präsentation der Zukunftspläne zu hören. Ein Schiff wie eine Kleinstadt: 340 Meter lang, vielleicht länger, 47 Meter breit, mit Kabinen für bis zu 9000 Passagiere, 210000 Bruttoregistertonnen. Damit läge der Mega-Pott im Bereich der „Oasis of the Seas“, aber abwarten! Noch seien die Pläne ja nicht zu Ende gedacht, scherzt es in der Runde.

Die Riesendampfer, zwei seien zunächst für die Genting-Tochter „Star Cruises“ geplant, sollen im Wismarer Dock entstehen. Die Zeit drängt. 2019 und 2020 sollen die Schiffe der „Global Class“ fertig sein, sagt Tan Sri Lim Kok Thay, mächtiger Boss des Multi-Konzerns Genting mit Sitz in Honkong (60000 Mitarbeiter). Später sollen sogar bis zu zwei Exemplare pro Jahr ausgeliefert werden. Ziel sei zunächst der chinesische Kreuzfahrt-Markt, der nach wie vor brumme.

Thay lächelt zurückhaltend asiatisch, wenn er gefragt wird. Journalisten aus Deutschland, Asien und Amerika lauschen seinen Worten. Er nickt höflich, antwortet reserviert. Bei Gesprächen auf der Terrasse sprudelt jedoch sein Temperament hervor. „Tremendous“ ist ein Wort, das er gern sagt. Gigantisch. Damit ist der Maßstab gesetzt. Giganten aus MV. Bis zu 6000 Arbeiter sollen bis 2022 auf den vier Werften Wismar, Stralsund, Warnemünde und Bremerhaven beschäftigt sein. Mehr als beim deutschen Branchenprimus, der Meyer Werft in Papenburg.

Aber ist nicht sogar ein weiterer Einbruch der Konjunktur in Asien zu befürchten? Das fragt eine amerikanische Journalistin. Thay lächelt die Frage weg. Die Reiselust der Menschen sei ungebrochen, antwortet er. „Da ist noch viel Platz für Wachstum.“ „Keine Sorge!“, entgegnet auch Edie Rodriguez, Chefin der Edel-Kreuzfahrtlinie Crystal Cruises. Ihre Botschaft: „In der Luxus-Kreuzfahrt gibt es keine Rezession.“ Ihr Unternehmen, erst im Vorjahr von Genting geschluckt, hat bei Lloyd sechs Flusskreuzfahrtschiffe, eine Mega- Yacht und einen Kreuzliner geordert. Rodriguez schwärmt von Reisen auf „Rhein, Main und Donau“. Gigantisch!

Die Zuversicht hält mit dem Genting-Personal auch an der Ostseeküste Einzug. Politiker und Wirtschaftsbosse sind da. Stralsunds Oberbürgermeister Alexander Badrow (CDU) ist heute „Lord Mayor“ — so steht es auf seinem Namensschild. Ein Titel für Oberhäupter von Weltstädten. Badrow blickt neidisch auf den Wismarer Hafen. Dass das Land es geschafft habe, den Ausbau in den Bundesverkehrswegeplan zu bekommen, sei schon eine Leistung. Und vor allem nötig für den Schiffbau in MV, wirft Wirtschaftsminister Harry Glawe (CDU) ein. Denn schon jetzt sei klar: Die Zufahrt werde für die neuen Riesen-Kreuzliner nicht ausreichen, sie müsse von neun auf 11,5 Meter vertieft und auch verbreitert werden. „Das wird schon“, sagt Glawe.

Ministerpräsident Erwin Sellering (SPD) ist nachdenklicher. Immer wieder erzählt er in Mikrofone, wie wichtig es gewesen sei, dass die Landesregierung über Jahre das Werften-Sterben verhindert habe.

Aktuell werden wieder Vorwürfe der Opposition laut: Die Regierung hätte deutlich früher und umfassender von der drohenden Pleite der P+S-Werften gewusst. 270 Millionen Euro Kredite und Bürgschaften sind futsch. Sellering kontert: „Ohne unsere Unterstützung würde es diese Aufträge heute gar nicht geben.“

Nein, die Werften im Norden seien nicht tot, sagt der Bremer Wirtschaftssenator Martin Günthner (SPD). Auch wenn mancher dies seit 20 Jahren immer wieder behauptet habe. „Es war richtig, auf diese Zukunftsbranche zu setzen.“

Wie es weitergeht für die rund 1400 Werftler in MV, ist in Verträgen zwischen Genting und dem früheren Werften-Besitzer Nordic Yards geregelt. Bis 2017 sollen alle Mitarbeiter übernommen werden.

Genting-Boss Thay sprach in Wismar auch mit dem Betriebsrat. Auch dort herrscht Zuversicht.

Von Frank Pubantz

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