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Kampf gegen „Autoposer“: Ganz schnell ist das Auto weg

Mannheim Kampf gegen „Autoposer“: Ganz schnell ist das Auto weg

Dicker Auspuff, heulender Motor: Viele Menschen leiden unter lärmenden Autos in den Innenstädten. In Mannheim gehen Polizei und Stadt in die Offensive - und ziehen PS-Protzer aus dem Verkehr.

Mannheim. Der viel befahrene Mannheimer Kaiserring, kurz vor Sonnenuntergang: Ein junger Mann lässt seinen Motor aufheulen, erst zaghaft, dann immer lauter.

Der Spaßfaktor ist diesmal allerdings gleich null: Hinter dem Auto hockt ein Verkehrspolizist und hält ein Messgerät 50 Zentimeter vor den dicken Auspuff des Autos. Fazit: Viel zu laut - die Fahrt des PS-Protzers ist hier zu Ende. Wenige Minuten später baumelt der Schlitten über dem Abschleppwagen.

In jeder größeren Stadt und auch in kleineren Orten kennt man sie: Autoposer, die mit ihrem Gefährt protzen und lärmend durch die Straßen brausen - gern immer und immer wieder. „Es gibt offensichtlich Menschen, meist maskulin, die glauben, sich darstellen zu müssen“, sagt Mannheims Verkehrspolizeichef Dieter Schäfer. Neu sei das nicht, aber zuletzt wieder massiv. „Wir kämpfen schon seit zehn Jahren immer wieder gegen das Phänomen.“

Jetzt greifen Stadt und Polizei härter durch. Mehr als 30 Autos von Lärmsündern hat Schäfers Team in den vergangenen drei Wochen schon aus dem Verkehr gezogen. Mannheims Sicherheitsdezernent Christian Specht (CDU) sagt, die Fahrer lachten über die normalen Verwarnungsgelder nur.

An dem Kontrollabend zeigen viele der jungen Männer wenig Verständnis für die Aktion. „Ich hab' nichts verbrochen oder sowas“, sagt einer von ihnen. Er habe nicht provozieren wollen. „Wenn ich den Motor anmache, ist der automatisch laut, da kann ich nichts machen, das ist wirklich so.“ Ein Motorradfahrer sagt über seine Motivation, mit der Maschine ordentlich Krach zu machen: „Das ist halt so ein Männlichkeitsding. Es macht Spaß.“

Anwohner in der Mannheimer Innenstadt schrecken an Wochenenden teils mehrmals in der Nacht wegen Autolärms aus dem Schlaf hoch. Viele wollten sich das nicht mehr gefallen lassen und haben eine Unterschriftensammlung bei der Stadt eingereicht. Sie notieren auch Nummernschilder besonders dreister Autoposer.

Wolffried Wenneis ist einer der geplagten Anwohner. „Das Problem ist, dass diese Fahrzeuge eine Ringstrecke fahren“, sagt der 78-Jährige. „Diese Krachmacher kommen in einer Stunde fünfmal bei mir am Haus vorbei.“ An einen erholsamen Schlaf sei nicht zu denken. Verkehrspolizeichef Schäfer erzählt, seit Beginn der Kontrollen sei es bereits deutlich ruhiger geworden. 

Ein Experte für Fahrzeugtechnik vom Tüv Nord sagt: „Die Szene, die in Mannheim die Umgebung kirre macht, wird nachträglich manipulierte Auspuffanlagen haben.“ Der ADAC nennt das Gehabe der Autoposer blödsinnig. Es sei eine Unsitte, wenn jemand etwa an der roten Ampel den Motor aufheulen lasse, sagt ein Sprecher des Verkehrsclubs. „Das ist ein vorpubertäres Verhalten und kein verantwortungsbewusstes Verhalten im Straßenverkehr.“ 

Auch der Verband der Automobil Tuner (VDAT) ist verärgert über die Autoposer in den Innenstädten. „Das ist wahrscheinlich eine sehr, sehr kleine Szene, mit der wir uns überhaupt nicht identifizieren“, betont VDAT-Geschäftsführer Harald Schmidtke. Ein paar Verrückte schädigten den Ruf der Szene. „Sie haben das berühmte schwarze Schaf in der Herde - man sieht es sofort.“

Die Mannheimer sind nicht nur genervt von den Lärmsündern - sie fürchten auch um ihre Gesundheit. „Lärm ist ein Stressfaktor“, schreibt das Umweltbundesamt in Dessau-Roßlau in Sachsen-Anhalt. „Er aktiviert das autonome Nervensystem und das hormonelle System.“ Die Folge seien Veränderungen bei Blutdruck, Herzfrequenz und anderen Kreislauffaktoren. Der Körper schütte vermehrt Stresshormone aus. Mögliche Langzeitfolgen chronischer Lärmbelastung könnten zum Beispiel Herzkrankheiten sein. 

Für den jungen Mann in der Mannheimer Kontrolle wird es teuer: Für Dinge wie Abschleppen, Gutachten, Rückbau des Tunings und spätere neue Zulassung kämen locker 1000 Euro zusammen, sagt Schäfer. Er ist an diesem Abend mit 30 Mann angerückt - und die Großkontrolle zeigt die gewünschte Wirkung: Schaulustige versammeln sich an der Absperrung, machen Handybilder. In den sozialen Netzwerken werde sich das hier rasend schnell verbreiten, sagt Schäfer. Bestenfalls schrecke es Fahrer auch an anderen Abenden vom PS-Protzen ab. 

dpa

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