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Machtkampf um die Führung

Schwerin Machtkampf um die Führung

Wer wird Ministerpräsident? CDU-Chef Caffier liegt bei Umfragewerten meilenweit hinter Erwin Sellering (SPD)

Schwerin. Verkehrte Welt: Die SPD verliert, die CDU gewinnt – doch bei der Personalfrage liegt der Spitzenkandidat der Sozialdemokraten in MV, Erwin Sellering (66), in der Wählergunst weit vor Konkurrent Lorenz Caffier (61). Könnte der Ministerpräsident direkt gewählt werden, erhielte der Amtsinhaber 57 Prozent der Stimmen – den exakt gleichen Zuspruch hatte er bei der OZ-Umfrage Ende April.

CDU-Mann Caffier dagegen käme bei der Führungsfrage nur noch auf 19 Prozent, ein Minus von zwölf Prozentpunkten binnen zwei Monaten. 14 Prozent der vom Meinungsforschungsinstitut Infratest Dimap Befragten wollen keinen von beiden nach dem 4. September in der Schweriner Staatskanzlei sehen.

Die CDU führt zwar die aktuelle Sonntagsfrage mit 25 Prozent klar an, dennoch will eine Mehrheit weiter die SPD an der Spitze der Regierung sehen: 51 Prozent. Nur 25 Prozent stimmen hier für die CDU.

Bei der Frage nach dem nächsten Regierungschef sehen sogar CDU-Wähler den SPD-Mann Sellering vor dem Kandidaten ihrer bevorzugten Partei: 48 zu 40 Prozent. 85 Prozent der SPD-Wähler setzen klar auf Sellering; das gilt auch für eine Mehrheit der Anhänger von Linken (66 Prozent) und Grünen (60). Immerhin 32 Prozent der AfD-Anhänger halten Sellering für die erste Wahl, 22 Prozent Caffier – 37 Prozent keinen von beiden.

Er freue sich über seine persönlichen Werte, so Sellering. Klare Botschaft: Wer ihn wolle, „der muss auch die SPD wählen“. Caffier macht die Arbeitsteilung in der Regierung für den Abstand zu Sellering verantwortlich: „Als Innenminister muss ich populäre und unpopuläre Entscheidungen treffen, der Ministerpräsident ist hingegen nur für die positiven Dinge zuständig.“

Punkten kann die Landesregierung vor allem in Politikfeldern, die die SPD maßgeblich verantwortet: Mehr als 50 Prozent der Befragten sind etwa mit der Verkehrs- und Energiepolitik eher zufrieden. Bei der Bekämpfung von Arbeitslosigkeit und Kriminalität – eher Felder von CDU-Ministern – überwiegt dagegen die Unzufriedenheit. Allerdings schneidet auch die Bildungspolitik – SPD-besetzt – schlecht ab. Sellering freut vor allem der Zuspruch bei der Energiepolitik: „Die Zukunft soll den erneuerbaren Energien gehören.“

Caffier zieht Zuversicht vor allem aus dem Umfrage-Ergebnis seiner Partei: „Die CDU setzt auf Themen, die offensichtlich von großer Bedeutung für die Bürgerinnen und Bürger sind.“ Die Menschen in MV „wollen eine starke CDU“.

Sellering über alles – dieser Trend spiegelt sich auch in anderen Vergleichen wider. Im Direktvergleich der Spitzenkandidaten hängt der SPD-Mann alle Mitbewerber ab. 68 Prozent der Befragten sind mit seiner Arbeit zufrieden oder sehr zufrieden. Bei Lorenz Caffier sind es 51, bei Helmut Holter (Linke) 37, bei Silke Gajek (Grüne) neun, bei Leif-Erik Holm (AfD) elf, bei Udo Pastörs (NPD) sieben.

Gajek und Holm sind den meisten Befragten allerdings gar nicht bekannt – 79 und 58 Prozent. In einem Ranking der Ministerpräsidenten liegt Sellering mit seinem Wert übrigens bundesweit auf Platz fünf – hinter Winfried Kretschmann (84 Prozent, Grüne) in Baden-Württemberg, Malu Dreyer (73, SPD) in Rheinland-Pfalz, Annegret Kramp-Karrenbauer (70, CDU) im Saarland und Olaf Scholz (69, SPD) in Hamburg.

Ginge es nach Sympathie – auch dann würde Sellering wiedergewählt werden. 57 Prozent der Befragten entschieden sich hier für ihn, 15 für Caffier. Im Vergleich des Spitzen-Duos um die Führung der künftigen Landesregierung liegt der SPD-Mann in allen Kategorien vor dem CDU-Bewerber. Beispiele: Führungspersönlichkeit: 54 zu 21 Prozent, Glaubwürdigkeit: 44 zu 17 Prozent, soziale Gerechtigkeit:

48 zu zwölf Prozent, Wirtschaftskompetenz: 37 zu 21 Prozent. Kurios: Selbst bei der Frage, welcher von beiden denn besser zu Mecklenburg-Vorpommern passe, siegt der Westfale Sellering (55 Prozent) klar vor dem Ostdeutschen Caffier (19). Acht Jahre nach Übernahme des Jobs als Regierungschef ist Sellering auch längst aus dem Schatten des einst sehr beliebten Landesvaters Harald Ringstorff (76) getreten: 57 Prozent Zustimmung im Falle einer Direktwahl – solche Werte hatte Ringstorff auch in den Jahren 2002 und 2006 vorzuweisen. Caffier dagegen bleibt deutlich hinter dem Zuspruch früherer CDU-Kandidaten zurück.

Einen klaren „Amtsbonus“ sieht Jürgen Suhr (Grüne) für Sellering in der Ministerpräsidenten-Frage. „In der aktuellen Politik der SPD und in der Sonntagsfrage spiegelt sich dies nicht wider.“

Leif-Erik Holm (AfD) kommentiert die Zustimmung zum Amtsinhaber so: „Dieses Ergebnis scheint mir angesichts der desaströsen SPD-Zahlen nicht sehr relevant zu sein.“

Frank Pubantz

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