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Merkel drückt den Startknopf — und spricht von Sternstunden

Greifswald Merkel drückt den Startknopf — und spricht von Sternstunden

Ob die Erklärung nötig war? „Das ist der Knopf. Da müssen Sie obendraufdrücken.“ Vielleicht war Sibylle Günter, wissenschaftliche Direktorin von Wendelstein 7-X, gerade so in Fahrt.

Greifswald. Ob die Erklärung nötig war? „Das ist der Knopf. Da müssen Sie obendraufdrücken.“ Vielleicht war Sibylle Günter, wissenschaftliche Direktorin von Wendelstein 7-X, gerade so in Fahrt. Gestern erklärte sie der Bundeskanzlerin im Kontrollzentrum der Kernfusionsanlage zahlreiche Details, sprach von Plasmatemperaturen, Magnetfeldern und Spulenströmen. Vielleicht irritierte die Professorin aber auch nur Angela Merkels skeptischer Blick, mit dem sie den Knopf inspizierte, der eigentlich ein Glaswürfel war. Mit beiden Händen drückte die Kanzlerin schließlich feste drauf. Und dann passierte ... nichts.

Erst nach einem 60-sekündigen Countdown huschte ein bläulich- weißer Blitz über die Monitore. Das erste Wasserstoffplasma wurde erzeugt, der Experimentierbetrieb somit gestartet. Hunderte Menschen — hohe Politiker, internationale Forscher, Pressevertreter und Mitarbeiter bei Wendelstein 7-X — applaudierten begeistert.

Merkel sprach zuvor von wissenschaftlichen „Sternstunden“, die im Falle von Wendelstein 7-X „eventuell auch Sonnenstunden“ sein können, da mit der Anlage die Energieerzeugung auf der Sonne nachempfunden werden soll. „Es ist beeindruckend, wie Sie dazu beitragen, das Sonnenfeuer auf der Erde zu zähmen.“ Merkel, selbst Physikerin, kündigte an, dass die Bundesregierung Projekte zur Kernfusion weiter unterstützen werde: „Wir glauben, dass dieses Geld gut angelegt ist.“

Die Grünen sind da anderer Meinung. Das Geld sei bei der Finanzierung der Energiewende besser aufgehoben. Und Greifswalds grüner Oberbürgermeister? Stefan Fassbinder plädiert für ein „Sowohl als auch“. Grundlagenforschung sei wichtig und er sei stolz, dass sie in Greifswald stattfinde. Allerdings dürfe man Themen wie Netzausbau und Energiespeicherung nicht vernachlässigen.

Wie geht es nun weiter? Projektleiter Thomas Klinger: „Wir haben gesehen, dass diese Maschine mit ihren Millionen von Bauteilen funktioniert und alle Systeme zusammenspielen. Heute sollen 30 bis 50 Plasmen gezündet werden.“ Die Forscher aus Deutschland, Ungarn, Polen, Japan, Schweden und den USA würden dann die Daten analysieren, präzisieren und präsentieren. Mitte März wird Wendelstein 7-X planmäßig abgeschaltet und ein Jahr lang umgebaut. Bis 2020 soll Wasserstoffplasma nicht mehr nur ein paar Millisekunden, sondern 20 Minuten am Stück erzeugt werden. Kai Lachmann

OZ

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