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Porträt: Infantinos sensationeller Aufstieg

Zürich Porträt: Infantinos sensationeller Aufstieg

Gianni Infantino war fest verankert im UEFA-Apparat. Der Aufstieg auf den FIFA-Thron war in seinem Lebensplan nicht vorgesehen. Als sich die Chance bot, kämpfte er aber professionell. Nun soll der Mann aus dem Nachbardorf von Vorgänger Blatter die FIFA retten.

Zürich. Mit dem Waschen schmutziger Wäsche kennt man sich im Hause Infantino aus. Launig erzählte der neue FIFA-Präsident am Vorabend seiner Wahl, dass er das Amt als Vereinschef in seinem Schweizer Heimatort Brig als 18-Jähriger nur bekommen habe, weil seine Mutter versprach, die Trikots zu reinigen.

In seinem neuen Job wird Gianni Infantino ohne seine Mama auskommen müssen - und die Aufgabe ist riesig. Noch vor wenigen Monaten war unvorstellbar, dass der 45 Jahre alte Jurist aus dem Wallis seinen Landsmann und Dorfnachbarn Joseph Blatter beerben würde. Erst die Sperre von UEFA-Boss Michel Platini machte ihn zum Kandidaten.

Eloquent ist Infantino. Mit einer Mischung aus jungenhaftem Charme und knallharter Funktionärsdenke hat er es in der Fußball-Welt ganz nach oben geschafft. Seinen Sprung ins Top-Amt der FIFA hatte er aber selbst nicht für möglich gehalten. „Manchmal gibt es im Leben Situationen, in denen man seine Pläne ändern muss, weil es die Bedingungen erfordern“, erklärte er seinen Entschluss.

Dem breiten Fußball-Publikum war der Schweizer zuvor bestenfalls von den Auslosungen zur Champions League bekannt, die er mehrsprachig leitete. Im zweiten Wahlgang beim FIFA-Konress am Freitag in Zürich setzte sich Infantino mit 115 Stimmen durch.

Der Weg auf den FIFA-Thron bedurfte eines Kraftaktes: Nicht einmal in der europäischen Heimatkonföderation flogen dem geübten Funktionär die Herzen automatisch zu. Erst bei seiner Abschlussrede vor den UEFA-Funktionären konnte er sich sicher sein, dass die Zustimmung zumindest aus Europa standesgemäß sein würde.

„Ich bin um die ganze Welt gereist, fünfmal um die ganze Welt. Ich kann ihnen Ratschläge erteilen über alle Fluglinien und wie man am besten schläft“, berichtete er launig von seiner Werbetour um den Globus. „Manchmal weiß ich nicht, welche Tageszeit gerade ist, ob ich frühstücke oder zu Abend esse“, hatte er schon zuvor erzählt. Von Panama, nach Asuncion, von Kigali nach Paris. Die Maschinerie lief.

Langsam mauserte er sich zu einem ernsthaften Konkurrenten für Scheich Salman bin Ibrahim al Chalifa, dem Adligen aus Bahrain, der vergeblich versuchte, ihn auf den Posten des FIFA-Generalsekretärs zu locken. „Es ist nicht die Zeit für Deals“, lehnte Infantino ab. Seinen europäischen Verbündeten, etwa dem Deutschen Fußball-Bund, hätte er eine solche Allianz auch nicht erklären können.

Nun soll Infantino die FIFA reformieren, doch Zweifel bleiben. Seine Sozialisation als Funktionär erfolgte im System von Platini und damit im System von Blatter. Seine letzte Wahlrede vor den Delegierten hätte auch von Blatter geschrieben worden sein können - ständig wechselte er zwischen sechs Sprachen, ein Stilmittel dass der Ex-Chef perfekt beherrschte.

Seine Wahlkampf-Versprechungen im Blatter-Stil nehmen öffentlich schon Anstoß. Fünf Millionen Dollar Zuschuss für alle Konföderationen und damit eine Steigerung im Vier-Jahreszyklus von 150 Prozent sind Versprechungen á la Blatter. Von den Delegierten bekam er dafür bei seiner Rede Szenen-Applaus. Die WM-Aufstockung auf 40 Teams bringt aber seine europäischen Freunde in Rage.

dpa

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