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„SPD-Führung infrage gestellt“

„SPD-Führung infrage gestellt“

Politologe Martin Koschkar von der Universität Rostock erwartet einen spannenden Wahlkampf-Endspurt

Herr Koschkar, wie bewerten Sie das Umfrageergebnis?

 

OZ-Bild

Martin Koschkar: Die Ergebnisse bestätigen Eindrücke von Umfragen aus dem Frühjahr. Das Grundstrukturmuster des Parteienwettbewerbs seit 1998, mit einer starken SPD in koalitionsstrategisch günstiger Lage, wird infrage gestellt. Anders als 2011 kann die SPD diesmal keinen Umfragevorsprung im Wahlkampf verteidigen, sondern muss einen Rückstand aufholen. Dies könnte die Dynamik des Wahlkampfes signifikant beeinflussen.

Die CDU liegt vorn, aber die SPD soll die Regierung führen. Eine Erklärung?

Koschkar: Ähnlich wie 2011 zeigt sich keine besondere Wechselstimmung im Land, obwohl die Umfragen der Parteiergebnisse eine Veränderung andeuten. Eine Regierungsführung hängt auch von rechnerischen und politischen Mehrheiten zur Regierungsbildung ab. Anhänger der Linkspartei und der Bündnisgrünen tendieren ebenfalls zum Koalitionspartner SPD für ein Linksbündnis „Rot-Rot-Grün“.

Die SPD verliert, ihr Kandidat dagegen punktet kräftig. Worin sehen Sie die Ursachen?

Koschkar: Obwohl die Werte etwas zurückgegangen sind, verfügt Erwin Sellering wie 2011 über einen Amtsbonus im Land und kann auch im Bundesvergleich der Ministerpräsidenten mit hohen Beliebtheitswerten punkten. Dieser Personalisierungsvorsprung scheint momentan von der Wahrnehmung der SPD als Partei entkoppelt, was Unterschiede erklärbar macht. Der schlechte Bundestrend der Sozialdemokraten kann eine weitere Ursache sein. Die Kampagne der Landes-SPD kann darauf reagieren.

Die AfD legt weiter zu. Warum? Müssen sich die etablierten Parteien darauf einstellen, diese Partei als Gesprächs- oder gar Koalitionspartner ernst zu nehmen?

Koschkar: Die AfD bestätigt das Niveau von Umfragen aus dem Frühling. Der Bundestrend gibt weiter Rückenwind und interne Streitigkeiten im Landesverband konnten bei einem Sonderparteitag eingehegt werden. Die momentane Funktion der Partei als „Kritikventil“ kann im Wahlkampf tragen, was jedoch Gespräche und inhaltliche Auseinandersetzungen erschwert. Zusammenarbeit und Koalitionen sind nicht in Sicht.

Menschen in MV empfinden ihre persönliche wirtschaftliche Lage besser als die des Landes? Welche Ursachen mag das haben?

Koschkar: Die Empfindung der Bevölkerung kann mit der positiven Entwicklung am Arbeitsmarkt zu tun haben. SPD und CDU haben diesen Aspekt auch als Teil ihrer Leistungsbilanz der Regierungsarbeit angeführt. Dass bei Umfragen dabei die persönliche Lage besser als die allgemeine Lage des Landes eingeschätzt wird, ist ein Effekt der individuellen Wahrnehmung. Die Bürgerinnen und Bürger vergleichen ihre Situation mit den allgemeinen Herausforderungen des Landes.

Interview: Frank Pubantz

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