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Schiffbau in MV: Viele Pleiten und Übernahmen

Rostock/Wismar/Stralsund Schiffbau in MV: Viele Pleiten und Übernahmen

Rund 55000 Menschen waren in der Wendezeit auf den Werften und in den Zulieferbetrieben beschäftigt.

Rostock/Wismar/Stralsund. Rund 55000 Menschen waren in der Wendezeit auf den Werften und in den Zulieferbetrieben beschäftigt. Denn in den Jahren davor hatte es hier viel zu tun gegeben: 4000 Schiffe wurden bis 1989 in 50 Länder geliefert. Hauptabnehmer war aber die Fischerei-Flotte der Sowjetunion. Die wurde mit 2700 Schiffen made in DDR verstärkt.

In der Stralsunder Volkswerft entstanden Fischfang- und Verarbeitungsschiffe, in der Warnemünder Warnowwerft hauptsächlich Hochseeschiffe, auf der MTW Wismar Fahrgast- und Containerschiffe. Die drei Werften gehörten zum Kombinat Schiffbau — genau wie die Neptun Werft Rostock und die Peene-Werft in Wolgast. 1990 wandelte die Treuhandanstalt das Kombinat in die Deutsche Maschinen und Schiffbau AG um. Das Ziel war, den Werften-Verbund bis 1994 zu sanieren und so für Kaufinteressenten im In- und Ausland attraktiv zu machen. Doch dafür waren Investitionen von geschätzten 700 Millionen Mark nötig. Zu viel für die Landespolitiker. Sie drängten deshalb 1992 darauf, die Werften sofort in private Hände zu geben. Werftarbeiterproteste, angeführt von der IG Metall, setzten Politik und Treuhand zusätzlich unter Druck. So wurde die Warnowwerft dem norwegischen Kvaerner-Konzern „geschenkt“, Wolgast ging an die Bremer Hegemann-Gruppe, die Filetstücke in Wismar, Rostock und Stralsund bekam der Bremer Vulkan. Konzernchef Friedrich Hennemann wollte die Schiffe nicht nur bauen, sondern auch betreiben. Doch dazu kam es nicht: Bereits im Herbst 1995 gab es Gerüchte über Zahlungsschwierigkeiten, 1996 war Bremer Vulkan pleite. Von den staatlichen Beihilfen hatte der Werftenboss illegal 850 Millionen DM für West-Standorte abgezweigt. 2000 Menschen verloren ihren Job.

2002/03 wurden die Kvaerner- Werften in die norwegische Aker- Yards-Gruppe integriert. Es folgten gute Jahre, vor allem mit dem Bau von Containerschiffen. Doch mit dem Ausbruch der weltweiten Finanzkrise 2008 wurden Aufträge storniert, Schiffe nicht bezahlt. Der Aker-Verbund verkaufte deshalb Wismar und Warnemünde an die russische Investmentgruppe FLX und die Werftgruppe STX Europe.

Kaufpreis: 292 Millionen Euro. Doch auch die daraus entstandene Werftengruppe Wadan Yards konnte keine Aufträge an Land ziehen. 2009 meldete Wadan Insolvenz an.

Noch im selben Jahr übernahm der russische Investor Witalij Jussufow Wismar und Warnemünde für 40,5 Millionen Euro, ließ Schiffe und Offshore-Plattformen bauen. 2014 kaufte seine Firmengruppe Nordic Yards auch noch die Stralsunder Volkswerft für fünf Millionen Euro aus der Insolvenzmasse der P+S-Werften. Die hatten 2010 Wolgast und Stralsund gekauft. Im Frühjahr 2016 verkaufte Nordic seine Werften an den asiatischen Konzern Genting. Kerstin Schröder

OZ

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