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Stillstand am Bahnhof: „Fahren Sie an einem anderen Tag“

Chaos-Szenen aus Berlin Stillstand am Bahnhof: „Fahren Sie an einem anderen Tag“

Im Minutentakt verlassen normalerweise ICEs, ICs und Regionalzüge den Berliner Hauptbahnhof. Für Zehntausende Reisende ist er täglich Start oder Ziel einer Reise. Nach dem schweren Sturm ist alles anders.

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Schlaf auf dem Hauptbahnhof: In Berlin sind tausende Bahnreisende gestrandet. 

Quelle: Maurizio Gambarini

Berlin. „Kein Zug?“ - „Ja, kein Zug!“ Die Auskunft der Bahnmitarbeiter im vollen Berliner Hauptbahnhof lautet am Freitagvormittag nach dem Sturm „Xavier“ immer gleich: „Der Zugverkehr ist eingestellt. Komplett.“

In langen Schlangen stehen die Menschen vor dem Reisezentrum im Mittelgeschoss, vor den Informationsschaltern im Erdgeschoss und sogar vor einzelnen Bahnmitarbeitern an. Viele warten bis zu einer Stunde, bis sie an einem Schalter an die Reihe kommen.

„Ich würde Ihnen empfehlen, heute nicht zu fahren“, sagt ein Bahn-Angestellter immer wieder Reisenden, die Richtung Hamburg oder Hannover wollten. „Fahren Sie wieder nach Hause. Fahren Sie an einem anderen Tag.“

Eine junge Frau antwortet nur: „Scheiße. Was mache ich jetzt?“ Ein Mann steht mitten im Bahnhof und ruft: „Ich muss nach Hannover. Wer teilt sich ein Taxi? Wer muss auch nach Hannover?“ Mietwagen sind da schon längst vergriffen, die umliegenden Hotels noch aus der letzten Nacht voll.

Im Untergeschoss des großen Bahnhofs hatten viele Menschen von Donnerstag auf Freitag in bereitgestellten Regionalzügen übernachtet. Die Bahn nennt sie Hotelzüge - allzu bequem ist es dort aber nicht. Müde sitzen und liegen am Morgen Menschen auf den Polstersitzen. Manche haben Schlafsäcke, andere Decken. „Es ist alles nicht so einfach hier“, sagt eine junge Frau in ihr Telefon.

Lethargisch lungert eine Schulklasse aus Köln in einem größeren Abteil zwischen Colaflaschen und Turnschuhen herum. „Wenn wir Pech haben, können wir noch ne Nacht hier pennen“, sagt ein Mädchen. Eine andere Neuntklässlerin beklagt sich: „Ich brauche einen Hotspot, nur ein paar Sekunden, hier ist überhaupt kein Netz. Das ist voll die Verarsche.“ Andere triumphieren: „Mein Vater holt mich hier ab.“

Trotz der Ausnahmesituation bleibt die Stimmung im Hauptbahnhof ruhig. Gelassen stehen die Menschen an den Toiletten an, kaufen Brötchen und Kaffee und versuchen sich zu orientieren. „Sie können ja auch nichts dafür“, sagt eine ältere Frau einem der Bahnangestellten, der mantramäßig seine Ansagen wiederholt. Viele Touristen mit großen Rollkoffern sehen sich aber ratlos an und wissen nicht, wohin.

Die Bahn hatte seit dem Morgen ihre Strecken mit Hubschraubern absuchen lassen, um Schäden festzustellen. Am späten Vormittag kommen dann erste Durchsagen: Richtung Süden fahren wieder einzelne Züge. „Die Strecke Berlin - Leipzig ist seit 11 Uhr mit Einschränkungen wieder befahrbar“, teilt die Bahn am Mittag mit. Fahrkarten, die am Donnerstag und Freitag nicht benutzt wurden, sind noch bis zum 15. Oktober gültig. Oder sie können umgetauscht werden. „Ohne Gebühr“, wie die Bahn zusichert.

dpa

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