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Stolpern über die Schrecken der deutschen Geschichte

Stolpern über die Schrecken der deutschen Geschichte

Mehr als 50000 Gedenksteine sind inzwischen verlegt. Auch in MV, wo die Judenverfolgung noch den kleinsten Winkel erfasste.

Rostock — 1997 hat Gunter Demnig in Berlin-Kreuzberg den ersten Stolperstein verlegt, ohne Genehmigung, aber später wurde es legalisiert. Inzwischen lassen mehr als 50000 Steine in Deutschland und zahlreichen Ländern Europas die Menschen buchstäblich über die Geschichte stolpern. Demnig hat für seine Arbeit viele Ehrungen und Auszeichnungen erhalten, unter anderem einen Bundesverdienstorden und den Europäischen Bürgerpreis.

In Mecklenburg hat es um 1850 etwa 3000 Juden gegeben, sagt der Direktor des Schweriner Stadtarchivs Bernd Kasten, der die Verfolgung und Deportation der Juden in dem Land während der Nazizeit untersucht hat. Bei der Machtergreifung 1933 seien es noch etwa 1000 gewesen. In Pommern hätten seinerzeit etwa 300 bis 400 Juden gelebt, vor allem in Stettin. Aber auch in Städten wie Stralsund, Greifswald oder Pasewalk habe es kleinere Gemeinden gegeben.

Die systematische Deportation hat in Pommern schon relativ früh begonnen. 1107 sogenannte reichsdeutsche Juden wurden im Februar 1940 aus 20 Orten in Stettin zusammengetrieben und in die militärisch besetzten Gebiete deportiert. Bis auf zwölf fanden sie sämtlich den Tod. In Mecklenburg, so Kasten, habe es im Juli 1942 eine erste Deportation gegeben. Sie führte direkt ins Vernichtungslager nach Auschwitz, von 90 Juden habe niemand überlebt. Im November 1942 seien weitere 49 Juden deportiert worden, nur ein Mann aus Feldberg sei dem Tod entkommen. Die Juden in Mecklenburg hätten extrem verstreut gelebt, aber ihre Verfolgung habe sich bis in die kleinsten Winkel erstreckt.

Heute gibt es in Mecklenburg-Vorpommern etwa 1600 Juden. In zahlreichen Städten im Land erinnern Stolpersteine an die Vernichtung jüdischen Lebens. Die Stadt Rostock geht seit Jahren einen eigenen Weg und verlegt andere, großflächigere Steine. 40 Stück sind es inzwischen. Aber Formen der Verfolgung gibt es offenbar immer noch. In Greifswald wurden im November 2012 einige Stolpersteine aus dem Pflaster herausgebrochen. Die Tat wurde nie aufgeklärt. int

 



OZ

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