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Tod per Injektion - Wie Niels H. aufflog

Oldenburg Tod per Injektion - Wie Niels H. aufflog

Der wegen Mordes verurteilte Ex-Pfleger Niels H. spritzte Patienten gefährliche Medikamente, um sie dann als Held zu reanimieren.

Oldenburg. Der wegen Mordes verurteilte Ex-Pfleger Niels H. spritzte Patienten gefährliche Medikamente, um sie dann als Held zu reanimieren. Er hat vermutlich mehr Menschen auf den Gewissen, als bisher bekannt war. So kam man ihm auf die Spur:

1999-2002: Der Pfleger arbeitet am Klinikum Oldenburg. Auf zwei Stationen ist er auffällig oft bei Wiederbelebungen dabei. Die Polizei untersucht dort zunächst den Tod von mehr als 20 Patienten.

2003-2005: Niels H. arbeitet als Pfleger auf der Intensivstation am Klinikum Delmenhorst. Die Todesrate in der Abteilung verdoppelt sich in dem Zeitraum beinahe. Die Ermittler gehen dort zunächst mehr als 160 Fällen nach. Außerdem fährt der Pfleger in seiner Freizeit für die Rettungssanitäter im Kreis Oldenburg.

Juni 2005: Eine Krankenschwester ertappt den Mann im Klinikum Delmenhorst auf frischer Tat. Die Polizei ermittelt.

2006: Das Landgericht Oldenburg verurteilt ihn wegen versuchten Totschlags zu fünf Jahren Haft. Der Bundesgerichtshof kippt das Urteil.

2008: Der Mann arbeitet von Januar bis Juli als Pfleger in einem Altenheim in Wilhelmshaven. Von März bis Oktober fährt er außerdem als Rettungssanitäter für das Deutsche Rote Kreuz in Wilhelmshaven.

Juni 2008: Das Landgericht verurteilt den Mann im Revisionsprozess zu siebeneinhalb Jahren Haft wegen Mordversuchs. Im Dezember wird das Urteil rechtskräftig. Das Berufsverbot tritt in Kraft.

2012: Vor Mitgefangenen brüstet er sich mit weiteren Taten. Nach 50 Tötungen habe er aufgehört zu zählen, zitiert ihn später ein Zeuge.

Januar 2014: Die Staatsanwaltschaft erhebt erneut Anklage gegen den Mann. Diesmal wegen dreifachen Mordes und zweifachen Mordversuchs. Der Prozess beginnt im September.

November 2014: Eine Sonderkommission der Polizei nimmt die Ermittlungen auf. Es gibt mehr als 200 Verdachtsfälle in mehreren Städten.

Januar 2015: Der psychiatrische Gutachter verliest eine Erklärung des Angeklagten. Darin gesteht er 90 Taten am Klinikum Delmenhorst. Bis zu 30 Patienten sollen gestorben sein.

Februar 2015: Das Landgericht Oldenburg verurteilt Niels H. wegen zweifachen Mordes, zweifachen Mordversuchs und gefährlicher Körperverletzung an Patienten in Delmenhorst zu lebenslanger Haft. Außerdem wurde die besondere Schwere der Schuld festgestellt.

März 2015: Auf einem Friedhof in Ganderkesee werden acht Gräber geöffnet. Bis Juni werden in Delmenhorst weitere 21 Leichen ausgegraben. Dabei werden mindestens zehn weitere Opfer entdeckt.

Juni 2016: Die Ermittler gehen davon aus, dass Niels H. für mindestens 33 Todesfälle verantwortlich ist. Bei 27 von inzwischen 99 exhumierten ehemaligen Patienten des Klinikums Delmenhorst werden laut Polizei Rückstände eines Herzmedikaments entdeckt, dass der Pfleger den Patienten absichtlich gespritzt haben soll.

dpa

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