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Unicef: Kinderarmut im Ruhrgebiet und Berlin am größten

Untersuchung Unicef: Kinderarmut im Ruhrgebiet und Berlin am größten

Kinderarmut hat viele Gesichter. In Deutschland kommt es nach einer Analyse für Unicef auch darauf an, in welcher Stadt eine Familie lebt - und wie die Sozialstruktur im Viertel aussieht.

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Kinderarmut ist in deutschen Großstädten sehr unterschiedlich ausgeprägt.

Quelle: Christian Charisius/symbolbild

Berlin. Kinderarmut hat sich nach einer Untersuchung für das Kinderhilfswerk Unicef in deutschen Großstädten sehr unterschiedlich entwickelt. Das müsste von der Politik stärker berücksichtigt werden, sagte der emeritierte Mikrosoziologe Hans Bertram bei der Vorstellung der Studie in Berlin.

Während in Essen, Dortmund und Berlin rund ein Drittel der Familien mit Kleinkindern von Hartz IV leben, habe sich die Situation in ostdeutschen Großstädten wie Leipzig und Dresden deutlich verbessert. „Es mangelt nicht am Geld, sondern an der Verteilung“, betonte Bertram.

Lebten vor zehn Jahren rund 40 Prozent der Familien mit Kindern bis drei Jahren in Leipzig von staatlichen Transferleistungen, war es laut Untersuchung 2014 nur noch ein Viertel. Auch in Dresden halbierte die Zahl der Bezieher in diesem Zeitraum von rund 30 auf 15 Prozent. Berlin schaffte es zwar, innerhalb von sieben Jahren von der höchsten Kinderarmuts-Quote deutscher Großstädte - rund 42 Prozent - herunterzukommen. Dennoch belegt die Hauptstadt neben dem Ruhrgebiet noch immer einen Spitzenplatz. Am seltensten leben kleine Kinder in München in Hartz-IV-Familien - 2014 waren es fast unverändert rund 10 Prozent. Der Bundesdurchschnitt liegt bei gut 15 Prozent.

Kinder gelten statistisch gesehen als arm, wenn ihre Familie über weniger als die Hälfte des mittleren Haushaltseinkommens verfügt. Geld sei aber nicht alles, betonte Bertram. Als größeres Problem sieht er, wenn in Stadtvierteln ein Drittel aller Kinder erlebe, dass ihre Familien völlig von staatlichen Leistungen abhingen. „Da wird ein Zukunftsbild sozialer Abhängigkeit statt sozialer Selbstständigkeit vermittelt“, sagte der emeritierte Soziologe der Berliner Humboldt-Universität.

Er forderte mehr gezielte Programme des Bundes für Kommunen mit großen sozialen Problemvierteln. „Bei der Riesenspreizung der Kinderarmuts-Quoten nützt eine Gießkanne für alle nichts“, ergänzte er.

Als langfristiges Problem sieht er darüber hinaus die Situation Alleinerziehender. Die Armutsquote ihrer Kinder liege bei rund 16 Prozent - bei Kindern von Paaren seien es nur vier Prozent, berichtet der Forscher.

Das größte Armutsrisiko aber hätten Migrantinnen. Denn mehr als ein Drittel der zugewanderten Frauen haben keine Berufsausbildung, rund 15 Prozent auch keinen Schulabschluss. „Der Hauptfaktor für die Chancen von Kindern ist die Bildung ihrer Mutter“, sagte Bertram. Andere Länder setzten hier deutlich mehr auf die Hilfe integrierter Migranten und Einheimischer - von Sprachunterricht bis hin zu Patenschaften.

Für die Studie wertete Bertram bestehende Statistiken wie den Mikrozensus und das EU-Haushaltspanel aus. Aktuellere Daten flossen in die Untersuchung nicht ein.

dpa

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