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„Unsere Mitarbeiter müssen lernen“

„Unsere Mitarbeiter müssen lernen“

Es sind große Pläne, die der Geschäftsführer von „MV Werften“, Jarmo Laakso (64), skizziert: In den nächsten drei Jahren soll die Belegschaft auf 2800 Beschäftigte verdoppelt werden / Der Bau von Kreuzfahrtschiffen beginnt im Sommer

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So sehen die Flusskreuzfahrtschiffe aus, die „MV Werften“ baut. Sie sind 110 und 135 Meter lang.

Wismar statt Bremerhaven – wie ist es zu dieser Entscheidung gekommen?

 

OZ-Bild

Geschäftsführer des neuen Werftenverbundes „MV Werften“: der Finne Jarmo Laakso (64).

Quelle: Lilienthal

Jarmo Laakso: Die Werft in Bremerhaven zu kaufen, ist der Anfang gewesen. Genting wollte dort Kreuzfahrtschiffe bauen, doch dann gab es das Angebot, die Nordic- Yards- Werften übernehmen zu können. Alle drei Standorte haben gute Produktionshallen und Docks. In Bremerhaven hätte man erst in die Infrastruktur investieren müssen, um die Schiffe drinnen bauen zu können. Und wir hätten mehr Aufträge an Dritte vergeben müssen. Deshalb war es eine strategische Entscheidung, den Bau der Kreuzfahrtschiffe nach Wismar, Stralsund und Rostock-Warnemünde zu verlagern. Hier haben wir mehr Kapazität in den eigenen Händen.

Was ist die größte Herausforderung für die MV Werften?

Laakso: Es gibt sehr viele Herausforderungen. In den vergangenen Jahren ist die Belegschaft ausgedünnt worden, es wurde wenig investiert. Außerdem war die Produktion stahlintensiv und vor allem auf den Container-Bau ausgerichtet. Kreuzfahrtschiffe werden anders gefertigt. Da braucht es nicht so viel Stahl, sondern es müssen um die 5000 Kabinen pro Jahr entstehen. Die wollen wir alleine bauen, das müssen unsere Mitarbeiter lernen. Alle werden gebraucht, doch sie müssen sich auf andere Arbeit einstellen.

Sie wollen die Belegschaft verdoppeln. Das ist ein ehrgeiziges Ziel.

Laakso: Die Reederei, die die Schiffe bestellt, und der Werfteigentümer haben denselben Gesellschafter. So kann Beschäftigung organisiert, das Bauprogramm optimiert werden. In fünf bis sechs Jahren wollen wir so weit sein, dass wir in Serie produzieren können, und dafür brauchen wir gute Mitarbeiter. Heute haben wir 1400, in drei, vier Jahren wollen wir das Doppelte in allen Bereichen haben.

Der Bau von Kreuzfahrtschiffen steht und fällt mit den Konstrukteuren und Zulieferern. Werden Sie das neue Konstruktionszentrum in Bremerhaven nutzen?

Laakso: Ja, aber auch in Wismar werden Konstrukteure arbeiten. Zudem brauchen wir anfangs externe Unterstützung. Um die Maschinerie zum Laufen zu bringen, engagieren wir erfahrene, freie Designer und Konstrukteure. Und wir sind dabei, ein Netzwerk von Lieferanten aufzubauen, die Erfahrung mit Kreuzfahrtschiffen haben. Für sie dürfte „MV Werften“ sehr interessant sein, weil wir unterschiedliche Projekte haben: Flussschiffe, Yachten, Kreuzfahrtschiffe.

Wie ist der aktuelle Stand auf den Werften?

Laakso: Ein Teil der Belegschaft arbeitet noch bei Nordic Yards, um die Offshore-Plattform fertigzustellen. Ansonsten legen wir mit Flusskreuzfahrt-Schiffen los. Zwei sind bereits in Wismar in der Stahlfertigung, zwei weitere folgen in den kommenden zwei Wochen. Sie werden ab August in der Halle gebaut – mit Unterstützung der Stralsunder. Das ist ein guter Anfang. Danach kommen die großen Schiffe und das Leben geht richtig los.

Denken Sie, dass „MV Werften“ der Meyer-Werft im niedersächsischen Papenburg langfristig Konkurrenz machen kann?

Laakso: Das weiß ich nicht. Der Genting-Konzern hätte von der Meyer-Werft seine Schiffe bauen lassen können. Aber da die sehr viele Kunden hat, waren die Lieferzeiten sehr begrenzt. Deshalb wollen wir unsere Schiffe in eigener Regie bauen. Das wird sicherlich keine riesige Kollision geben, aber natürlich Wettbewerb bei den Zulieferern und beim Personal.

Die Übernahme der Werften durch Genting hat bei vielen Schiffbauern in Deutschland Hoffnungen geweckt. Gab es schon Bewerbungen?

Laakso: Oh ja, das ist mein Problem. Es kommen so viele Bewerbungen, dass ich gar keine Zeit mehr habe, Schiffe zu konstruieren (lacht). Im Ernst, es melden sich sehr viele Leute, die früher, vor fünf oder zehn Jahren, auf den Werften gearbeitet haben, nach Hamburg oder Papenburg gezogen sind, aber gern wieder in ihre Heimat wollen. In der kommenden Woche legen wir unsere Personalstrategie fest, dann wissen wir, wie viele Leute wir genau brauchen.

Haben Sie schon mal eine Werft geleitet?

Laakso: Nein. Aber ich habe 40 Jahre lang auf unzähligen Werften gearbeitet – in allen Bereichen, auch im Management. Außerdem kenne ich beide Seiten – die der Reederei und die der Werft.

Wird Wismar jetzt Ihre neue Heimat?

Laakso: Ich bin gerade erst vor zwei Monaten mit meiner Frau nach Potsdam gezogen. Zu ihr fahre ich am Wochenende, die restliche Zeit lebe ich in Wismar.

Die Werften in MV

Rund 55 000 Menschen waren in der Wendezeit auf den Werften und in den Zulieferbetrieben beschäftigt. 4000 Schiffe wurden bis 1989 in 50 Länder geliefert. Hauptabnehmer war aber die Fischerei-Flotte der Sowjetunion.

In der Stralsunder Volkswerft entstanden Fischfang- und Verarbeitungsschiffe, in der Rostocker Warnowwerft hauptsächlich Hochseeschiffe, auf der MTW Wismar Fahrgast- und Containerschiffe. 1990 wollte die Treuhandanstalt die Ost-Werften sanieren und verkaufen. Dafür waren 700 Millionen Mark nötig. Deshalb drängten die Landespolitiker 1992 darauf, die Werften sofort zu privatisieren. Die Warnowwerft wurde dem norwegischen Kvaerner-Konzern „geschenkt“, Wismar, Rostock und Stralsund bekam der Bremer Vulkan. Letzterer ging 1996 pleite. 2000 Menschen verloren ihren Job.

2002/03 wurden die Kvaerner-Werften in die norwegische Aker-Yards-Gruppe integriert. Es wurden vor allem Containerschiffe gebaut. 2008 wurden mit der Finanzkrise Aufträge storniert, Schiffe nicht bezahlt. Wismar und Warnemünde wurden an die russische Gruppe Wadan Yards verkauft, 2009 meldete sie Insolvenz an. Im selben Jahr übernahm der Russe Witalij Jussufow Wismar und Rostock und ließ unter dem Namen Nordic Schiffe und Offshore-Plattformen bauen. 2014 kaufte er die Stralsunder Volkswerft. Seit Frühjahr 2016 ist Genting Besitzer der drei Werften. ks

Milliarden-Konzern

60 000 Beschäftigte arbeiten derzeit weltweit für Genting. Die Gruppe gilt als erfolgreichstes Unternehmen Malaysias. Groß wurde es mit Tourismus und Glücksspiel. 1971 eröffnete Firmengründer Lim Goh Tong seinen ersten Freizeitpark. Er starb 2007 mit 90 Jahren. Genting-Resorts gibt es in China, den USA und der Karibik. Der Gruppe gehören Casinos, Palmöl-Plantagen und Biotechnologie-Firmen. 2003 übernahm Tan Sri Lim Kok Thay, zweitältester Sohn des Gründers, die Konzernleitung. Die Weichen für das Kreuzfahrtgeschäft stellte noch Lim senior, 1993 mit Gründung der Reederei Star Cruises. Unter deren Flagge fahren 6 Schiffe.

Im Mai 2015 übernahm Genting die US-Reederei Crystal Cruises. Letztere will auf dem europäischen Markt für Flusskreuzfahrtschiffe mitmischen, unter dem Namen Crystal River Cruises.

Mit Dream Cruises entwickelten die Malaysier eine Kreuzfahrt-Marke für den chinesischen Markt. Im November geht das erste Dream-Schiff auf Jungfernfahrt, 2017 die „World Dream“. Beide Schiffe werden auf der Meyer Werft in Papenburg gebaut. gkw

Kerstin Schröder

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