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Unwetter nehmen kein Ende: Katastrophenalarm in Bayern

Triftern Unwetter nehmen kein Ende: Katastrophenalarm in Bayern

Hunderte Kinder sitzen in ihren Schulen in Niederbayern fest, auch in anderen Teilen Deutschlands gewittert es kräftig - und neue Unwetter sind in Sicht. Mit Hubschraubern und Booten werden Menschen vor den meterhohen Fluten gerettet.

Triftern. Heftiger Regen hat in Bayern zu zerstörerischen Überschwemmungen geführt. In Niederbayern löste der Landkreis Rottal-Inn in einigen Gemeinden Katastrophenalarm aus. Hunderte Kinder mussten am Mittwoch bis zum Abend in ihren Schulen bleiben, weil Zufahrten nicht passierbar waren.

Mit Booten und Hubschraubern wurden Menschen aus ihren Häusern gerettet, 9000 Haushalte waren ohne Strom. In Simbach stand das Wasser meterhoch - Autos und Bäume wurden weggespült. Die Schäden lagen nach ersten Schätzungen in zweistelliger Millionenhöhe.

32 Liter Regen pro Quadratmeter fielen binnen sechs Stunden allein in Pfarrkirchen bei Triftern. „Es herrscht Land unter. Die Wassermassen kamen sehr schnell“, hieß es von der Polizei. „Die Situation hat sich in den letzten Stunden dramatisch zugespitzt“, sagte der Bürgermeister von Triftern, Walter Czech. Erst am Abend entspannte sich die Lage und das Wasser lief ab. Todesopfer gab es nach Angaben des Landratsamts Rottal-Inn nicht zu beklagen.

Die Aussichten für die kommenden Tage bleiben trüb: Mindestens bis Sonntag werde sich die Gewitterluft in Deutschland halten, sagte der Meteorologe Simon Trippler vom Deutschen Wetterdienst (DWD). Aus Polen zog Tief „Friederike“ herüber. In der Mitte, im Osten und im Norden Deutschlands könnte es Unwetter geben - aber auch im Südwesten, der schon zu Wochenbeginn besonders stark betroffen war. Am Mittwochabend regnete es heftig über Nordrhein-Westfalen.

„Alles, was wir verfügbar haben, ist im Einsatz“, teilte das Polizeipräsidium Niederbayern am Mittwoch mit. Polizisten seien auch von Grenzübergängen nach Österreich abgezogen worden. Eine Brücke am Übergang zum österreichischen Braunau war komplett überspült.

In Triftern mussten rund 250 Kinder den Tag über in der Turnhalle ausharren, in Simbach saßen 350 Schüler fest - an beiden Orten kamen die Schüler am Abend nach Stunden des Wartens endlich in Sicherheit. Eine Asylbewerberunterkunft in Simbach wurde geräumt.

Bei einem Bootsausflug auf dem Schwarzen Regen wurde eine Schulklasse aus Augsburg vom Unwetter überrascht: 20 Kinder strandeten auf einer Insel und mussten gerettet werden. Lastwagenfahrer kletterten auf der Bundesstraße 12 auf die Dächer ihrer Fahrzeuge, weil sie Angst hatten, von den Fluten davon geschwemmt zu werden, wie Rettungskräfte berichteten. Passau rief angesichts anhaltender Regenfälle den Katastrophenfall aus.

Starkregen machte den Menschen auch in Hannover zu schaffen - die Feuerwehr rückte zu mehr als 100 Einsätzen aus. Auch in Leipzig standen einige Straßen unter Wasser. Die Bahnstrecke zwischen Dresden und Prag, die am Dienstag überspült worden war, wurde hingegen wieder für den Verkehr freigegeben. Die Pegelstände an Rhein, Nahe und Mosel fielen nach einem sprunghaften Anstieg zu Wochenbeginn vorerst. Am Niederrhein gab es am Abend aber schwere Schäden wegen extremen Starkregens. In Düsseldorf liefen mehrere Tunnel und Straßen voll. Die Autobahn 46 musste gesperrt werden, ebenso wie eine Bahnstrecke bei Xanten.

In Baden-Württemberg, wo das Tief „Elvira“ bereits am Sonntagabend schwere Verwüstungen angerichtet hatte, ging das Aufräumen weiter. Nach wie vor müssen dort Massen von Schlamm, Schutt und Trümmer beseitigt werden. „Das ist ja wie in einem Horrorfilm“, sagte Ministerpräsident Winfried Kretschmann bei einem Besuch in Schwäbisch Gmünd. Vier Menschen waren bei dem Unwetter im Südwesten ums Leben gekommen.

dpa

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