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„Von der AfD überholt zu werden, das tut weh“

Schwerin „Von der AfD überholt zu werden, das tut weh“

Die CDU verliert vor allem im Osten an Boden – und macht sich doch Hoffnung auf die Große Koalition

Schwerin. Lorenz Caffier ist in Eile. Nur kurz besucht er seine Partei-Freunde im Restaurant „Wallenstein“, dann muss er schon wieder vor Fernsehkameras. Nein, er trete nicht zurück. Ja, Menschen erwarteten eine Lösung in der Flüchtlingsfrage, vor allem aus Berlin. Die Politik werde weitergehen wie bisher, sagt der CDU-Chef und Innenminister nach einer historischen Niederlage. Unter 20 Prozent, Platz drei hinter SPD und AfD. Große Verluste im CDU-Kernland Vorpommern. Caffier wird viele Wunden zu lecken haben.

Die Stimmung ist gedrückt bei der CDU. Endlich der Ruf: Buffet eröffnet. Eine Völkerwanderung setzt ein. Uta-Maria Kuder steht auf der Terrasse und raucht. Sie blickt ungläubig auf das Smartphone von Kathy Hoffmeister aus Bad Doberan: Die AfD hat zu dieser Zeit einige Direktmandate in Vorpommern abgeräumt. „Der Osten ist blau“, sagt Hoffmeister. Kuders Blick wird leer. „Von der AfD überholt zu werden, das tut weh“, so die Vize-CDU-Chefin. Gern wäre sie auch in einer neuen Regierung wieder Justizministerin: „Ich bin topfit.“ Woran es bei der CDU-Schlappe lag? Kuder zögert. Das Thema Flüchtlinge war es wohl, natürlich. „Wir haben eine gute Politik gemacht.“

Jörg Hochheim aus Greifswald sieht das etwas anders. „Wenn die Menschen das Gefühl haben, dass sie in einem Land der Abschreibung leben, wählen sie eben etwas anderes“, sagt er. Vor allem im ländlichen Raum habe die CDU jetzt einigen Boden wiedergutzumachen.

Jubel brandet auf. Die Grünen sind gerade unter die Fünf-Prozent-Hürde gerutscht. Damit wäre die CDU wohl als einziger möglicher Koalitionspartner der SPD im Rennen. Weitere fünf Jahre Große Koalition. Aber abwarten, warnt Harry Glawe. Wenige Stimmen in die andere Richtung, und auch Rot-Rot-Grün wäre eine Option. Dann säße die CDU am Katzentisch. Der Wirtschaftsminister wählt seine Worte mit Bedacht. Hat die Politik von Kanzlerin Merkel der CDU in MV geschadet? „Das kann man so nicht sagen“, so Glawe. „Man soll Merkel nie unterschätzen.“ Bei der Wahl sei es um Landesthemen gegangen, nicht um die Kanzlerin. Auch der Satz muss sein: „Lorenz Caffier wird Landesvorsitzender der CDU bleiben.“ Schulterschluss mit dem angeschlagenen Parteichef. Vor Jahresfrist sagte man Glawe selbst Ambitionen nach.

Die beste Botschaft sei, dass die NPD aus dem Landtag fliege, ruft ein CDU-Mann durch den Saal: „Die sind wir los.“ Die AfD müsse nun inhaltlich entzaubert werden, sagt Glawe. Das kündigte CDU-Parteichef Lorenz Caffier allerdings schon vor Monaten an. Wie zum Hohn legt AfD-Spitzenkandidat Leif-Erik Holm mit seinem Motorboot fast bei der CDU an. Caffier flimmert über das Fernsehen zu den Parteifreunden ins „Wallenstein“. Flüchtlinge, Berlin, Bundespolitik. Jemand dreht den Ton leiser.

Frank Pubantz

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