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Toni N. ist nach einem Jahr Geiselhaft wieder zu Hause

Strausberg Toni N. ist nach einem Jahr Geiselhaft wieder zu Hause

Der Kochlehrling aus Brandenburg flog auf eigene Faust an die syrische Grenze, um zu helfen — und wurde offenbar sofort entführt.

Strausberg. Ein 27-jähriger Brandenburger zog vor einem Jahr auf eigene Faust in den syrischen Bürgerkrieg, um — wie er später angab — der Bevölkerung zu helfen. Aber er wurde von der Terrorgruppe Islamischer Staat (IS) als Geisel genommen und ist nach einer zwölf Monate währenden Odyssee nun wieder in Deutschland.

Der Mann heißt Toni N. und stammt aus Strausberg (Märkisch-Oderland). Im Juni 2013 brach der Kochlehrling auf, um über die Türkei in das syrische Grenzgebiet zu kommen. Als die Familie wochenlang nichts von ihm hörte, meldete sie den Sohn als vermisst.

Sein Vater, ein Versicherungsmakler, schrieb im Juli 2013 auf Facebook: „Genau heute vor sieben Wochen flog mein Sohn von Berlin über Istanbul nach Hatay in die Türkei. Seitdem gibt es kein Lebenszeichen mehr, keinen Handy-Kontakt, keine Kreditkartenbewegungen auf seinem Konto, einfach nichts. Toni ist ein lebensfreudiger, freundlicher, immer hilfsbereiter junger Mensch. Er hat es VERDIENT ZU LEBEN.“

Auch Monate später war Toni noch vermisst. Sein Vater reiste mehrfach in die Türkei. Im Nachhinein bedankte er sich auf Facebook bei der türkischen Polizei, die „sehr, sehr hilfsbereit“ war. Und fügt hinzu: „Seit einiger Zeit werde ich auch durch unsere deutschen Behörden unterstützt.“ Doch es sollte sieben weitere Monate dauern, bis Toni N. am 20. Juni 2014 nach rund einem Jahr in der Hand der Terrorgruppe türkischen Polizisten übergeben wurde.

In Strausberg, der 25 000 Einwohner zählenden Stadt im Osten Berlins, ist man über den Fall geteilter Meinung. Eine 76-Jährige ist über die Nachricht erstaunt. „Ich bin sehr skeptisch, wenn junge Männer in ein Kriegsgebiet gehen. Es kann sein, dass sie helfen wollen, oder aber es sind Trottel, die kämpfen wollen.“ Dass möglicherweise ein hohes Lösegeld gezahlt wurde, sieht sie nicht ein. „Da halte ich es mit den Amerikanern. Die lassen sich nicht erpressen. Denn das Geld gerät dann in falsche Hände.“

„Leichtsinnig“, sagt jemand. „So eine Reise kann man doch nicht auf eigene Faust machen. Dass die Leute freigekauft werden, finde ich prinzipiell gut, aber man ist in einem Zwiespalt, weil man die Geiselnehmer unterstützt.“

Strausbergs Bürgermeisterin Elke Stadeler (parteilos) wusste bis zum Wochenende nichts von der Entführung. „Wir als Stadt sind weder kontaktiert noch um Hilfe gebeten worden. Ich freue mich für den jungen Mann und die Familie, dass sie ihren Sohn zurückbekommen haben.“ Ein direkter Kontakt zu Toni N. und seiner Familie war gestern nicht möglich. P. Degener

 



OZ

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