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Unser Essen: Was draufsteht — und was wirklich drin ist

Unser Essen: Was draufsteht — und was wirklich drin ist

„Lebensmittel-Lügen“: Verbraucherschützer stellen einen neuen Ratgeber vor. Er warnt vor den gängigsten Tricks, mit denen die Hersteller den Inhalt industriell gefertigter Lebensmittel verschleiern.

Es ist paradox. 59 Prozent der Deutschen vertrauen den Lebensmitteln, die sie kaufen können, und 80 Prozent halten deren Qualität für gut. Das hat eine repräsentative Studie von TNS Infratest ergeben. Sie können sich bestätigt fühlen von Andreas Hensel, dem Präsidenten des Bundesinstituts für Risikobewertung. Der sagt, Lebensmittel in Deutschland seien noch nie so sicher gewesen wie heute. Aber zugleich misstrauen die Verbraucher denen, die die Lebensmittel herstellen: 62 Prozent glauben, sie könnten von den Herstellern getäuscht und geschädigt werden. Das hat eine Studie des Bundesverbands der Verbraucherzentralen ergeben. Wie passt das zusammen? Eine mögliche Antwort gibt ein neues Buch, das die Verbraucherzentrale Hessen gestern vorstellte.

Es trägt den etwas reißerischen Titel „Lebensmittel-Lügen“ und geht mit der Lebensmittelindustrie hart ins Gericht. Was die Verbraucherschützer bemängeln, sind nicht die Sicherheit und auch nicht wirklich die Qualität der Lebensmittel, sondern die aus ihrer Sicht mangelhaften und oft bewusst irreführenden Angaben auf den Verpackungen der Lebensmittel. „Es ist nicht so, dass die Qualität generell schlecht ist. Wir haben Kontrollen, wir haben einen hohen Standard, die Lebensmittel sind sicher“, sagt die Ernährungswissenschaftlerin Andrea Schauff, eine der Autorinnen des Buches. „Aber die Verpackung darf nicht allein die Schaubühne fürs Marketing sein.“ Die Verbraucherschützer aber werfen der Lebensmittelindustrie vor, die Vorschriften zur Kennzeichnung der Lebensmittel durch Tricks auszuhebeln:

Schöne Namen. „Crispy Chicken“ bedeutet „Knusperhähnchen“, und das klingt ohne Frage leckerer als „Hähnchenbrustfleisch zusammengefügt, paniert“. „Brotzeit Scheiben Classic“ klingt nach mehr Geschmack als „Schmelzkäsezubereitung“. „Trüffelkugel“ lässt an etwas anderes denken als „Leberwurst mit drei Prozent Trüffel“. Die Namen von Lebensmitteln sind zwar nicht völlig frei erfunden — aber ihr Bezug zur Wirklichkeit ist oft erst auf den zweiten Blick zu erkennen. Dieser zweite Blick sollte der Rückseite der Verpackung gelten. Meistens steht dort die sogenannte Verkehrsbezeichnung — also der Begriff für das Lebensmittel, den alle Hersteller verwenden müssen, egal welchen Namen sie ihm verpassen. Die Verbraucherschützer fordern, dass diese Verkehrsbezeichnung auf die Vorderseite der Verpackung geschrieben werden müsse. „Die Information, dass die ,Kräuterlimonade‘ keine Kräuter enthält, ist wichtig“, sagt Andrea Schauff, „und gehört deshalb auf die Vorderseite.“

Bilder, die lügen. Auf dem Joghurtbecher sind pralle Früchte zu sehen — aber im Joghurt sind nur dürftige Extrakte davon, angereichert mit Aromastoffen. Vom Deckel des Frischkäses blickt eine friedlich grasende Ziege — aber der Ziegenkäseanteil beträgt ganze fünf Prozent. Auf der Packung der Gelee-Ecken prangen Fruchtfleisch und Blattwerk einer Ananas — in dem Produkt sind aber nur Ananas-Aromastoffe. Rechtlich ist das nicht zu beanstanden. Im Fall der Gelee-Ecken zum Beispiel will der Hersteller das Bild der Frucht „als Geschmackshinweis“ zu verstehen wissen und nicht etwa als Hinweis auf den tatsächlichen Inhalt.

Kakaobohnen aus Norddeutschland? Unter Markennamen wie „Unser Norden“, „NRW HeimatProdukt“, „Thüringer Land“ werden Produkte angeboten, deren Zutaten — zum Beispiel Kakao oder Erdnüsse — unmöglich aus der angegebenen Region stammen können. Meistens argumentieren die Handelsketten, dass die Produkte in der Region verarbeitet würden — unabhängig davon, woher die Rohstoffe kommen. Dabei ist häufig nicht einmal sehr klar definiert, wie weit die Region überhaupt reicht.

Die Ursprünglichkeits-Masche. Begriffe wie „Tradition“ und „Natur“ sind in der Lebensmittelwerbung besonders beliebt, weil sie alles und nichts bedeuten können. Aus der Natur kommen letztlich alle Inhaltsstoffe eines Lebensmittels. Tradition kann auch ein Industriebetrieb haben. Bezeichnungen wie „Omas Rezept“ oder „nach Hausfrauenart“ erzeugen vielleicht ein wohliges Gefühl, sagen aber rein gar nichts über das Lebensmittel aus.

Alles gesund? „Fettfrei“, „mit hohem Kalzium-Gehalt“, „Unterstützt das Immunsystem“: Die Lebensmittelbranche verleiht ihren Produkten gerne ein gesundes Image. Für besondere, vitalitätsfördernde Inhaltsstoffe zahlt der Verbraucher gern auch mehr. Wissenschaftlich belastbar ist von solchen Behauptungen aber kaum etwas. Berühmt für diese Art Werbung war die „Extraportion Milch“, mit der Hersteller Ferrero jahrzehntelang für Kinder-Schokolade warb. Anfang 2012 verschwand der Slogan. Der Hersteller hatte wohl begriffen: Der Verbraucher kauft Schokolade nicht, um seine Gesundheit zu fördern — aber er kauft sie trotzdem.

 

kab

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