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Nachrichten Silvester: Weniger Feuerwerk auf Usedom
Nachrichten Silvester: Weniger Feuerwerk auf Usedom
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11:41 04.12.2018
Feuerwerk am Strand der Insel Usedom ist für viele Insulaner und Urlauber ein großes Highlight. Quelle: Hannes Ewert
Usedom

Feuerwerksmüll, leere Flaschen, Getränkebecher, Zigarettenkippen: Die Kaiserbäder auf Usedom machen Front gegen Müll am Strand am Neujahrsmorgen. Sie wollen Silvester erstmals feuerwerksfreie Strandabschnitte einrichten. Damit solle der Weg frei gemacht werden für ein bewusstes und sicheres Silvester, erklärt Kurdirektor Thomas Heilmann.

Ernüchterung nach einer rauschenden Nacht

Hintergrund sei, dass das neue Jahr nach einer rauschenden Nacht an den Stränden der Kaiserbäder regelmäßig erst einmal mit Ernüchterung beginne. Wo Stunden vorher noch Tausende Silvester feierten, bleibe nur ein Meer aus Müll, erklärt Heilmann. Unzählige Helfer seien unterwegs, um die Strände zu reinigen. Allerdings bleibe der Müll unerreichbar, der in der Ostsee schwimme und monatelang Meer und Tierwelt belaste.

Feuerwerk-freie-Zonen in Ahlbeck, Heringsdorf und Bansin

Zunächst sind in Ahlbeck 140 Meter, in Heringsdorf 130 und in Bansin 110 Meter als Feuerwerk-freie-Zonen vorgesehen. Insgesamt hat der Ostseestrand der Kaiserbäder eine Länge von 14 Kilometern. „Sollte die Aktion gut anlaufen, werden die Zonen sicher im nächsten Jahr erweitert“, sagt eine Sprecherin. Die Organisatoren verweisen zudem auf eine Onlineumfrage, bei der sich 97 Prozent für den Verzicht auf ein privates Feuerwerk an den Stränden aussprachen. Zusätzlich wollen die Kaiserbäder für jedes Kilo Müll, das am Neujahrsmorgen gesammelt wird, 50 Cent an das Projekt „Meere ohne Plastik“ des Naturschutzbundes (Nabu) spenden. Erfahrungsgemäß kommen dabei rund fünf Tonnen zusammen.

 „Bäume statt Böller

Usedom steht damit nicht allein: Nachdem viele Städte und Gemeinden in Holland das Privatfeuerwerk zum Jahreswechsel aus ihren Städten verbannt haben, wird auch hierzulande der Ruf nach Einschränkungen lauter. Zum 11. Mal ruft zum Beispiel der Landestourismusverband gemeinsam mit dem Bundesverband der Grünen Liga dazu auf, auf den Kauf von Feuerwerkskörpern zu verzichten und dafür in Klimaschutz zu investieren. Mit der Botschaft „Bäume statt Böller“ sollen die Menschen zum Kauf von Waldaktien für je zehn Euro angeregt werden. Mit dem Erwerb von zwei Aktien könne auf einer Fläche von zehn Quadratmetern Bäume gepflanzt und gepflegt werden. Inzwischen gibt es 19 Klimawälder im Nordosten. Usedom sei mit dem Vorstoß auf dem „richtigen Weg“, erklärt Tobias Woitendorf vom Landestourismusverband. „Grundsätzlich unterstützen wir alle nachhaltigen Ansätze im Urlaubsland.“ Auch Tier- und insbesondere Vogelschützer appellieren seit Jahren, ganz auf Böller zu verzichten.

Abstand zu reetgedeckten Häusern halten

Generell darf Feuerwerk nicht in der Nähe von brennbaren Gebäuden gezündet werden. Dazu gehören in Mecklenburg-Vorpommern besonders reetgedeckte und Fachwerkhäuser. Verbotszonen gibt es unter anderem rund um das Freilichtmuseum Klockenhagen bei Ribnitz-Damgarten, auf der Insel Hiddensee sowie auf Fischland/Darss – insbesondere in Born, Ahrenshoop und Wustrow. Auch in 200 Meter Entfernung von Kirchen, Krankenhäusern, Kinder- und Seniorenheimen sowie Tankstellen verbiete sich die Verwendung von Raketen und Böllern. Nach Angaben der AOK Nordost erleiden bundesweit etwa 8000 Menschen jedes Jahr Silvester ein Knalltrauma, weil ein Feuerwerkskörper zu dicht am Ohr explodiert ist.

Bis zu 50 000 Euro Geldstrafe

Feuerwerk außerhalb der erlaubten Zeiten vom 31. Dezember bis 1. Januar abzubrennen kann mit bis zu 10000 Euro Bußgeld geahndet werden, sogenannte Polenböller bis zu 50000 Euro Geldstrafe oder bis zu drei Jahre Freiheitsstrafe. Werden Personen oder Sachwerte gefährdet, sind sogar bis zu fünf Jahre möglich.

Dennoch weiter Feuerwerk auf Usedom

Eine generelle Absage an Silvester-Feuerwerk ist die Aktion auf Usedom jedoch nicht: Zum Jahreswechsel finden dennoch große Feuerwerke auf der Insel statt: In vielen Orten um Mitternacht, und in Zempin schon am Nachmittag. Und am 3. Oktober 2019, dem Tag der Deutschen Einheit, lädt Usedom zum wohl bundesweit längsten Strand-Feuerwerk: Es erstreckt sich von Karlshagen über Trassenheide, Zinnowitz, Zempin, Koserow, Loddin und Ückeritz. Das Finale, das Gäste bei klarem Wetter über Dutzende von Kilometern entlang der Usedomer Außenküste auch aus der Ferne verfolgen können, findet schließlich in den Kaiserbädern statt.

Joachim Mangler / Thomas Luczak