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Wieder am Ball

Wieder am Ball

Heute Abend beginnt die neue Bundesliga-Saison. Meister FC Bayern München empfängt den VfL Wolfsburg. Es ist die erste Spielzeit nach dem Gewinn der Weltmeisterschaft. Was kommt da auf uns zu?

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Schließlich stand es sechs zu eins, Eintracht Frankfurt hatte sich ergeben, und Hertha BSC führte die Tabelle an. Aber es hielt nicht lange. Ein Wochenende später übernahm Borussia Dortmund, ab dem achten Spieltag Bayern München, und dabei sollte es in der vergangenen Saison auch bleiben. Der Ruhm der Berliner Welt, er war flüchtiger Natur. Am Ende wurde Hertha Elfter, verschollen irgendwo im Niemandsland, wo die Straßen keine Namen haben.

Wie lange der Ruhm des FC Bayern hält und der seines Trainers im Besonderen, das wird man sehen. Es gibt Turbulenzen an der Säbener Straße, die Weltauswahl des Deutschen Meisters ist zuletzt arg dezimiert worden. Schweinsteiger, Martínez, Thiago, Ribéry, all die großen Spieler sind angeschlagen oder fallen länger aus. Und dass man in München schnell unruhig wird, wenn sich die Wirklichkeit nicht an die Vorgaben hält, musste Pep Guardiola spätestens nach dem sagenhaft furchtbaren Aus in der Champions League gegen Real Madrid erfahren. Sie haben dann ja noch die Meisterschaft und den Pokal geholt, ein Makel aber war vermerkt.

Es dürfte in der Saison jedoch jemand zur Mannschaft stoßen, bei dem man nicht weiß, ob es sich um eine Neuverpflichtung oder um eine Rückkehr handelt. Wird Uli Hoeneß ein anderer sein, wenn er Hafterleichterung bekommt? Wird er leiser auftreten, demütiger? Oder wie ein Racheengel? Hat er sich Namen gemerkt? Muss man Konsequenzen fürchten?

Brasilien, schwer zu fassen

Es geht also wieder los mit dem Fußball, Woche für Woche, 34 Spieltage lang. Es ist die Saison eins nach dem WM-Titel, der Alltag nach den immer noch schwer zu fassenden Tagen von Brasilien. Und die Erwartungen sind groß.

Sie kämen aus dem Maschinenraum des Fußballs, ölverschmiert und mit kräftigen Armen, hatte man den Deutschen all die Jahre nachgesagt. Und dann erfanden sie eine Leichtigkeit, eine spielerische Freude, die sie zu den Königen dieser seltsamen Fußballwelt machte. Kann die Bundesliga dieses Versprechen einlösen? Technik, Eleganz, Tempo, Ballsicherheit, Spielverständnis — und das alles schon am Sonntag, wenn Paderborn Mainz empfängt? Oder Hoffenheim den FC Augsburg?

Warum nicht? Hoffenheim jedenfalls ist auf den Spuren der Bayern, die sich in dieser Saison vollends in digitale Hände begeben. Hana heißt die Datenbank von SAP, in der künftig alles, aber auch alles Relevante über Spiele und Spieler gespeichert wird. Natürlich sind die Münchner Profis auch vorher schon sorgsam gescannt und zu Datenpaketen geworden, zu Wesen aus Skalen, Normierungen und Messwerten, jetzt aber soll alles noch gewaltiger werden. „Wir stoßen in neue Dimensionen vor“, zitierte die „FAZ“ den Bayernvorstand Andreas Jung. Und weil SAP auch neuer Klubsponsor ist, sagte Bayernchef Karl-Heinz Rummenigge noch einen Satz von verstörender Glätte: „Wir haben gute und stabile Partner, die für uns extrem honorig, werthaltig und monetär sind.“

Heißes Herz in der Nordkurve

Werthaltig und monetär, das klingt nicht unbedingt nach Nordkurve und heißen Fanherzen, nach den Bereichen also, wo man den Fußball immer auch und vor allem vermutet hat. Und die Fans haben jetzt ohnehin genug damit zu tun, die WM-Begeisterung zusammen mit dem Nationaltrikot in den Schrank zu legen und die Vereinsfarben anzuziehen. Mats Hummels ist auf Schalke nicht mehr der deutsche Turm in der Schlacht, er ist wieder einer aus Dortmund, einer der Unaussprechlichen.

Es ist sowieso erstaunlich, welche Wendungen Fans vollziehen oder vollziehen müssen. Hakan Calhanoglu zum Beispiel hatte Ende April gerade um vier Jahre in Hamburg verlängert und gesagt:

„Ich bin beim HSV glücklich und froh, dass ich diesen Vertrag habe.“ Zwei Wochen später wollte er weg. Was soll man davon halten? Soll man ihn auspfeifen? Verdammen? Offen ablehnen? Ungefähr so, wie es viele Bayern-Fans gemacht haben, als Manuel Neuer nach München wechselte und auf eine breite Kaltfront stieß? Heute will dort niemand mehr etwas davon wissen. „Koan Neuer!“-Schilder, die hat es in München nie gegeben. Der Mann könnte immerhin Europas Fußballer des Jahres werden. Man macht schon was mit als Fan.

Auch in Bremen, wo man jahrelang von magischen Momenten verwöhnt wurde. Unter Otto Rehhagel hatte es reihenweise diese weißen Nächte gegeben, als längst verloren geglaubte Spiele gegen Spartak Moskau oder Anderlecht noch gerettet wurden und es nicht dunkel zu werden schien in der Stadt wegen all der leuchtenden Euphorie. Aber Otto Rehhagel ist lange fort, Thomas Schaaf auch und mit ihnen die Euphorie. Trotzdem stehen die Fans zu ihrer Mannschaft, vielleicht mehr denn je. Und dass Werder in der vergangenen Saison nicht abgestiegen ist, lag nicht zuletzt an ihnen.

Das ist kein Einrichten im Jammertal, sondern eine aufgeklärte Form von Lokalpatriotismus. Das ist das Bohren dicker Bretter mit Leidenschaft und Augenmaß, und Trainer Robin Dutt hat auch jetzt kaum mehr anzubieten als Blut, Schweiß und Tränen. Das haben viele Trainer nicht zwischen Platz sechs und Platz achtzehn, vermutlich auch Mirko Slomka vom HSV. Und man kann nur hoffen, dass sie dort in dieser Saison ein bisschen schlauer sind als Thorsten Fink in der vergangenen. „Die Qualität für die Europa League ist auf jeden Fall da“, hatte er gesagt, tags darauf wurde er entlassen. Man darf gespannt sein, wen es jetzt zuerst trifft. In den Wettbüros werden Kasper Hjulmand aus Mainz und Tayfun Korkut aus Hannover als Favoriten gehandelt. Am wenigsten Sorgen müssen sich Jürgen Klopp und Pep Guardiola machen. Aber der hat auch so Sorgen genug. Und dieses Freistoßspray soll auch eingeführt werden.

 



Peter Intelmann

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