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Wirtschaft 100 Jahre Mitropa: „Und alle essen Bockwurst“
Nachrichten Wirtschaft 100 Jahre Mitropa: „Und alle essen Bockwurst“
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00:05 19.11.2016

. Grüner, brauner, blauer Rand, Tasse, Kännchen, Zuckerzange: Die Mitropa ist überall. Besser gesagt: das Geschirr, mit dem die Mitteleuropäische Schlaf- und Speisewagen AG (Mitropa) jahrzehntelang Kaffee und Hackbraten servierte. Im Internet handeln Sammler mit den Keramikschätzen von einst – denn die Mitropa selbst ist längt untergegangen. 100 Jahre nach ihrer Gründung bleibt von dem Konzern, der mal Zehntausende Beschäftigte hatte, nur die Erinnerung: an Rinderrouladen im Speisewagen, an die Trockenhaube beim Bahnhofsfriseur und Nächte in Mitropa-Hotels an Flughäfen und Autobahnen.

Am 24. November 1916 wurde die Mitropa gegründet. Über die Jahrzehnte wuchs die Mitteleuropäische Schlaf- und Speisewagen AG zu einem Konzern heran, der Reisende in Deutschland und teilweise Österreich und der Schweiz versorgte. Der Schlaf- und Speisewagen betrieb, Hotels und Raststätten. Den besonderen Klang ihres Namens hatte die Mitropa vor dem Zweiten Weltkrieg erworben. Da gab es Rheinlachs im berühmten Rheingold-Zug, Clubsessel und Silbergeschirr. Mitropa servierte auch bei der Lufthansa und der Donaudampfschifffahrtsgesellschaft. Ein dunkler Fleck auf ihrer Geschichte bleibt der Ausschluss jüdischer Gäste aus den Speisewagen in der Nazi-Zeit. Im geteilten Deutschland gab es die Mitropa nur in der DDR. Sie bekochte sogar Ausflugsschiffe und Flugzeuge. Zum Ende der DDR hin aber gab es immer häufiger Kritik an Angebot und Service. Die Band Goyko Schmidt punkte sich in den 90ern durch die verblichene Mitropa-Welt und ließ sie nicht gut aussehen: mit warmem Bier, bitterem Kaffee, Stasispitzeln und – immerhin – Honecker-Witzen. Refrain: „Und alle essen Bockwurst.“

Die Bahn hat die Mitropa vor zwölf Jahren mit noch knapp 2000 Beschäftigten verkauft. Heute ist sie eine inaktive Gesellschaft. Die Namensrechte gehören der Eschborner Gesellschaft Select Service Partner – einem Unternehmen, das kaum jemand kennt, obwohl jeden Tag Zehntausende Bahn- und Flugreisende bei ihm essen oder einkaufen: Es führt als Franchisenehmer Restaurants von Burger King bis Pizza Hut.Burkhard Fraune

OZ

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