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250 neue Jobs in Sicht: Oberaigner gibt in Laage richtig Gas

Solide Auftragslage: Automobil-Zulieferer im Nordosten auf Wachstumskurs 250 neue Jobs in Sicht: Oberaigner gibt in Laage richtig Gas

Österreichischer Familienbetrieb wächst in „Nische“: Geländegängige Fahrzeuge gefragt.

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Firmenchef Georg Oberaigner (l.) im Gespr�ch mit OZ-Chefredakteur Andreas Ebel (M.) und OZ-Redakteur Volker Penne. Fotos (2): Frank S�llner

Rostock. Rostock Am 30. Juni vergangenen Jahres eröffnete der österreichische Spezialzulieferer — die Oberaigner Automotive GmbH — ein neues Produktionswerk in Laage vor den Toren Rostocks. Die aktuell 44 Mitarbeiter fertigen Achsen für Mercedes-Transporter und bauen geländegängige Allrad-Fahrzeuge. Aus den insgesamt 16 000 Quadratmeter großen Fertigungshallen sollen jährlich bis zu 2500 neue Modelle „made in MV“ in alle Welt rollen. Die OSTSEE-ZEITUNG sprach mit Georg Oberaigner (25), einem der drei Geschäftsführer des im oberösterreichischen Mühlviertel an der bayerischen Grenze beheimateten Familien-Unternehmens.

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Firmenchef Georg Oberaigner (l.) im Gespr�ch mit OZ-Chefredakteur Andreas Ebel (M.) und OZ-Redakteur Volker Penne. Fotos (2): Frank S�llner

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OSTSEE-ZEITUNG: Was ist das Besondere eines Familien-Betriebes?

Georg Oberaigner: Ich war noch nicht auf der Welt, als viele unserer Mitarbeiter bei uns angefangen haben. Von klein auf kenne ich die meisten Gesichter. Die langjährige Verbundenheit zur Firma schafft Vertrautheit und persönliche Nähe. Etwas, was es in der Wirtschaft nicht mehr so häufig gibt.

OZ: Stand für Sie schon früh fest, dass Sie im Betrieb anheuern, oder hat der Vater Druck gemacht?

Oberaigner: Für mich war der Schritt eigentlich logisch. Während mein Bruder als Technik-Freak diesen Bereich in der Firma verantwortet, widme ich mich als studierter Wirtschaftsingenieur vor allem den Personalfragen.

OZ: Ein Punkt bei der Entscheidung für die hiesige Ansiedlung war die gute Verfügbarkeit qualifizierter Arbeitskräfte. Wie kommen Sie mit der norddeutschen Mentalität klar? Die Küstenbewohner gelten ja als etwas zurückhaltend?

Oberaigner: Wir Mühlvierteler haben damit überhaupt kein Problem. Im Gegenteil. Unsere Mentalitäten sind ähnlich. Wichtig ist, dass ich mich auf meine kompetenten Kollegen verlassen kann.

OZ: Sie hatten rund 1000 Bewerbungen für 35 Jobs in Laage. Derzeit arbeiten 44 Mitarbeiter hier. Wie viele werden es sein, wenn die Produktion der allradgetriebenen Transporter auf Hochtouren läuft?

Oberaigner: Pro Woche liefert Laage 50 Spezialachsen an die Bänder der Mercedes-Nutzfahrzeugwerke in Ludwigsfelde (Brandenburg, d. R.) und Düsseldorf (Nordrhein-Westfalen). Und die Anlaufkurve der Produktion der Oberaigner-Modelle, beispielsweise auf Basis des Sprinters von Daimler, steigt spürbar. Seit Jahresanfang rüsteten wir 100 Mercedes Sprinter auf Allradantrieb um beziehungsweise versahen sie mit drei Spezialachsen und unserem 6x6-Antrieb. 2013 sind 800 Transporter unser Ziel, in fünf Jahren 2500 pro Jahr. Dazu sind dann bis zu 300 Mitarbeiter an diesem Standort nötig.

OZ: Kann man als Produzent geländegängiger Allrader in der Nische besser überleben als die von Konjunkturschwankungen stark abhängigen Großserienhersteller?

Oberaigner: Eindeutig ja. Es gibt für uns kaum Konkurrenz, und wir sehen großes Potenzial auf Märkten wie den USA oder Russland.

OZ: Warum gilt Ihre Firma als besonders flexibel in der Branche?

Oberaigner: Weil wir aufgrund unserer Spezialisierung und überschaubaren Größe innerhalb weniger Wochen Aufträge realisieren. Auf diese Weise gelang es zum Beispiel, den Zuschlag für 600 Allrader, die für die australische Armee bestimmt sind, zu erhalten.

OZ: Sie investierten bisher in Laage 27 Millionen Euro und erhielten Fördermittel durch die Schweriner Landesregierung. Wie weit planen Sie denn mit Ihrem nordostdeutschen Ableger?

Oberaigner: Ich halte es da mit unseren Landsleuten von Liebherr, die bekanntlich in Rostock erfolgreich Krane bauen und versprachen, dass die Hansestadt sie nicht mehr loswird. Oberaigner hat in Laage für die Zukunft gebaut. Wir wollen hier nicht nur wachsen. Wenn es unsere Expertisen belegen, wird MV auch bei der Entwicklung eines kleinen Flugzeugmotors garantiert eine Rolle spielen.

Trotz Preisdruck: Branche investiert kräftig in MV
Die Auftragsbücher der insgesamt rund 100 Autozulieferer in MV sind gut gefüllt. „Die mittelständisch geprägte Branche beschäftigt 5000 Mitarbeiter und erwirtschaftet einen Umsatz von etwa 1,5 Milliarden Euro jährlich.“ Das erklärte der Geschäftsführer des Zulieferer-Verbundes automotive-mv, Dr. Andreas Vietinghoff (46), gestern auf dessen 6. Branchentag, der auf dem Gelände der Oberaigner Automotive GmbH im „Airpark Laage“ (Landkreis Rostock) stattfand. Rund 100 Gäste aus Wirtschaft, Wissenschaft, Verwaltung und Politik diskutierten die aktuelle Situation der Firmen.

Trotz großer Auftragsschwankungen machten vor allem die 20 Mitglieder des seit 2006 existierenden Firmen-Netzwerkes automotive-mv gute Geschäfte. Wie eine aktuelle Umfrage zeigt, erzielten diese Betriebe im ersten Quartal 2013 ein Produktionsplus von drei Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal. Im gleichen Zeitraum verbesserte sich die Auftragslage um 0,6 Prozent.

„Die Branche sehen wir in MV als weiteren Wachtumsmotor der Wirtschaft“. Wirtschaftsminister Harry Glawe (CDU) versprach Unterstützung durch die Politik.

„Wir investieren 2013 weitere 14 Millionen Euro in den Standort Neubrandenburg“, erklärte Dr. Andreas Dikow (51), Geschäftsführer der Webasto Neubrandenburg GmbH. Der Produzent von Fahrzeug-Standheizungen, der 700 Mitarbeiter hat, folgt laut Dikow ab 2015 mit Hochvolt-Heizungen dem Trend der Hybrid- und Elektro-Mobilität. Während Webasto Neubrandenburg wie im Vorjahr mit einem Umsatz von 350 Millionen Euro rechnet, plant die TRWAirbag Systems GmbH in Laage ein klares Plus. „Mit 200 Millionen Euro ist ein Zuwachs um etwa 17 Millionen Euro realistisch“, meint Werkleiter Stephan Gappa (46). Dank des Starts einer weiteren Linie peilt Gappa in diesem Jahr die Produktion von 30 Millionen Gasgeneratoren in der im TRW-Konzern größten Fertigungsanlage ihrer Art an. In den nächsten fünf Jahren gibt der Werkchef die Fertigung von 40 Millionen Gasgeneratoren als Ziel aus. Die Beschäftigtenzahl soll von 630 auf 690 steigen.

Auf neue Absatzchancen durch die Ansiedlung solcher Firmen wie Oberaigner hofft Eduard Stemmer (48), Geschäftsführer der Firma Lang Metallwarenproduktion in Woldegk (Landkreis Mecklenburgische Seenplatte). In seinem 45 Mitarbeiter zählenden Betrieb, der u. a. Spezial-Elemente für BMW-Motorräder und Brennerteile für Webasto produziert, ist er hierzulande seit 21 Jahren erfolgreich am Markt. „Trotz des Preisdrucks wollen wir unsere Beschäftigtenzahl halten“, sagt Stemmer.

Die Oberaigner-Gruppe
Die Wilhelm Oberaigner GmbH ist ein Spezialist in Entwicklung und Produktion von Auto-Systemkomponenten. Sie produziert Antriebsachsen und Getriebe, rüstet Transporter von Mercedes, Opel, Renault und Nissan auf Allradantrieb um und fertigt eigene Transporter. 1977 entstand die Firma in Rohrbach im oberösterreichischen Mühlviertel als Autohaus.

Geschäftsführer der insgesamt 200 Mitarbeiter zählenden Firmen-Gruppe sind Gründer Wilhelm Oberaigner (57) sowie seine Söhne Paul (27) und Georg (25).

Interview von Andreas Ebel und Volker Penne

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