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Abgaswerte bei Opel im Visier von Umweltschützern

Berlin/Rüsselsheim Abgaswerte bei Opel im Visier von Umweltschützern

Erst der Zafira, dann der Astra: Die Umwelthilfe hat nach eigenen Angaben Belege dafür, dass auch Opel bei der Abgasreinigung gezielt manipuliert. Der Autobauer will das so nicht stehen lassen.

Berlin/Rüsselsheim. In der Affäre um überhöhte Abgaswerte von Diesel-Motoren gibt es immer schärfere Vorwürfe gegen Opel. Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) legte dem Autobauer zur Last, die Reinigungstechnik bei zwei Modellen manipuliert zu haben.

Bei einem Zafira und bei einem Astra hätten Messungen auf der Straße „alarmierende Werte und Abschalteinrichtungen“ offenbart, teilte die Umweltorganisation in Berlin mit. Verkehrsminister Alexander Dobrindt ordnete eine Überprüfung der Ergebnisse an: „Ich habe das Kraftfahrt-Bundesamt heute angewiesen, weitere Messungen bei Opel-Fahrzeugen durchzuführen - mit dem Fokus auf die heute veröffentlichten Abgas-Beeinflussungen“, sagte der CSU-Politiker.

Eine Untersuchungskommission seines Ministeriums lud Vertreter von Opel für die nächste Woche vor. Opel habe diesen Termin laut Dobrindt zugesagt. Die Rüsselsheimer betonten erneut, keine Abschalt-Software einzusetzen, und zweifelten die Tests der Umweltschützer an.

Unterdessen rückt ein Untersuchungsausschuss des Bundestags zur Abgas-Affäre näher. Grüne und Linke beantragten am Freitag im Parlament die Einsetzung des Gremiums zu der Affäre. Beide Oppositionsfraktionen werfen Dobrindt vor, die Aufklärung zu verschleppen. Wer hier vorgeladen wird, ist noch offen. Leiten wird den Ausschuss voraussichtlich der Linke-Abgeordnete Herbert Behrens.

„Wir haben es hier mit organisiertem Staatsversagen zu tun“, sagte der Grünen-Verkehrsexperte Oliver Krischer. Das Manipulieren und Frisieren von Emissionsangaben habe nur funktioniert, weil der Staat weggeguckt habe. Auch die Vorwürfe gegen Opel und sein Modell Zafira seien keineswegs neu. Der CDU-Abgeordnete Oliver Wittke hielt der Opposition dagegen vor: „Es geht Ihnen nicht um Aufklärung, es geht Ihnen darum, eine ganze Branche in Misskredit zu bringen.“ Der Ausschuss dürfe nicht zum Tribunal gegen die Autoindustrie werden.

Dobrindt hatte Nachmessungen bei zahlreichen Modellen verschiedener Hersteller durchführen lassen, nachdem der Diesel-Skandal im September 2015 bei Volkswagen bekanntgeworden war. VW räumte als bisher einziger Autobauer auch Manipulationen mit Hilfe einer Software ein, die Abgaswerte von Stickoxiden im Test- gegenüber dem Straßenbetrieb künstlich senkte.

Die Umwelthilfe hatte Opel-CDTi-Modelle mit einer 1,6-Liter-Maschine untersucht und will den Hersteller nun wegen Verbrauchertäuschung belangen. „Der Opel Zafira arbeitet zu 90 Prozent der Zeit in einem nicht-legalen Modus“, sagte DUH-Bundesgeschäftsführer Jürgen Resch.

Die Abgasreinigung wird demnach je drei Grad über und unter dem Laborprüf-Temperaturbereich von 20 bis 30 Grad Celsius deaktiviert - außerdem über Tempo 140, bei bestimmten Luftdruck-Werten und Motordrehzahlen. „Das ist für uns vorsätzliches Verhalten.“ Auch bei 20 bis 30 Grad Außentemperatur zeigten der betreffende Zafira und Astra bei Straßenmessungen der Umwelthilfe überhöhte Stickoxidwerte.

Der Verein forderte von Opel bis zum Mittwoch kommender Woche eine Erklärung dazu, irreführende Werbeaussagen zu unterlassen. Andernfalls werde Klage eingereicht. Zudem erstattete die Umwelthilfe am Freitag nach eigenen Angaben Strafanzeige gegen den Autobauer - unter anderem wegen Falschaussagen und Gesundheitsgefährdung.

Die Anzeige beziehe sich auf den Zafira, den Astra und auch den Insignia. Letzteres Modell hat der Verein aber noch nicht getestet. „Motoren werden modellübergreifend entwickelt und eingesetzt“, erklärte Resch. „Es geht einfach um Profitmaximierung“, mutmaßte er über die Motive im Diesel-Skandal. Dabei habe jahrelange „Kumpanei“ mit der Politik geholfen. Die Vorwürfe der Umwelthilfe gegen Opel seien mit denen gegen von Volkswagen vergleichbar.

Resch forderte das Bundesverkehrsministerium auf, die Ergebnisse der Umwelthilfe nachzumessen, die Zulassung für die betroffenen Modelle zu entziehen und einen Rückruf ähnlich wie bei VW anzuordnen. An den Untersuchungen der DUH beteiligten sich auch der Software-Experte Felix Domke, das WDR-Magazin „Monitor“ und der „Spiegel“.

Opel blieb auch nach den neuen Vorwürfen bei seiner Erklärung, man habe keine Software eingesetzt, die feststellt, ob ein Auto einem Abgastest unterzogen wird. „Die isolierten Erkenntnisse eines Hackers spiegeln nicht die komplexen Zusammenhänge eines modernen Abgasreinigungssystems wider“, betonte der Autobauer. Zu den übrigen Vorwürfen hält sich Opel bisher bedeckt.

dpa

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