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Absatz-Party vorbei? - US-Automarkt fährt 2018 ins Minus

Detroit Auto Show eröffnet Absatz-Party vorbei? - US-Automarkt fährt 2018 ins Minus

Mit der Detroiter Automesse eröffnet die Branche das Verkaufsjahr: Nach den Tech-Trends der CES in Las Vegas folgt die klassische Produktschau, bei der wieder schwere SUVs und Pick-up-Trucks im Vordergrund stehen.

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Vor der Eröffnung: Mitarbeiter am Stand von Chevrolet.

Quelle: Carlos Osorio

Detroit. Die Luft scheint erst einmal raus zu sein aus dem US-Autogeschäft. Billiger Sprit und günstige Finanzierungsverträge lockten Kunden in den vergangenen Jahren noch in Scharen in die Autohäuser - aber jetzt droht dem Boom die Puste auszugehen.

Erstmals seit der Finanzkrise gingen die Verkäufe auf dem US-Markt 2017 zurück - wenngleich auf hohem Niveau. Auch einige deutsche Autobauer taten sich zuletzt schwer, so dass ein weiteres Abflauen der Autokonjunktur in den Vereinigten Staaten recht ungelegen käme.

Bei der Motor-Show in Detroit (13.-28. Januar) - dem traditionellen Schaulaufen der Hersteller zum Auftakt des Autojahres - dürfte deshalb nicht an allen Ständen ausgelassene Stimmung herrschen. Denn trotz der Glitzerkulisse mit protzigen SUVs, Pick-up-Trucks und Luxusschlitten, die in der US-Industriemetropole präsentiert werden, sieht der Ausblick für die Branche eher trüb aus.

Nach einem Rekordwert von 17,55 Millionen verkauften Neuwagen im Vorjahr fiel der US-Absatz 2017 um 1,8 Prozent auf 17,23 Millionen Stück. Dem Analysehaus IHS Markit zufolge wurde damit erstmals drei Jahre in Folge die 17-Millionen-Marke geknackt.

Dass dies erneut gelingen kann, gilt allerdings als unwahrscheinlich: Die Experten des US-Autohandelsriesen Cox Automotive rechnen für 2018 mit einem Neuwagenabsatz von rund 16,7 Millionen Autos. Es werde wohl keine große Verschlechterung geben, die Autokonjunktur bleibe insgesamt robust. „Aber wir werden keinen Anstieg der Zahlen sehen.“

Zwei entscheidende Faktoren sprechen 2018 für eine Abkühlung. Zum einen rechnen Ökonomen im Schnitt mit höheren Ölpreisen, die sich auch an den Tanksäulen bemerkbar machen dürften. Teureres Benzin schlägt in den USA - wo die Verkaufs-Charts seit Jahren von schwergewichtigen Spritschluckern angeführt werden - in der Regel schnell auf den Neuwagenabsatz durch.

Zum anderen dürften steigende US-Leitzinsen Autokredite verteuern, was sich ebenfalls bemerkbar machen kann, weil viele Fahrzeuge auf Pump gekauft werden. „Wenn die Zinssätze anziehen, wird das die Finanzierungsbedingungen für die Kunden schwieriger machen“, heißt es bei Cox.

Dazu kommt, dass der Bedarf an Neuwagen allein schon aufgrund der starken Verkaufszahlen der vergangenen Jahre abnehmen dürfte. „Der US-Automarkt ist gesättigt, auf 1000 Amerikaner kommen 750 Fahrzeuge“, sagt Ferdinand Dudenhöffer von der Uni Duisburg-Essen. Ohnehin habe Amerika im internationalen Vergleich an Bedeutung verloren: „Nicht mehr die USA sind das Land der unbegrenzten Möglichkeiten für die Autobauer, sondern China und der Rest Asiens.“

Hoffnung machen der Branche indes die neuen Steuergesetze der Trump-Regierung. Sie reißen zwar riesige Löcher in den Staatshaushalt. Davon sollen neben Konzernen zunächst aber auch die US-Bürger profitieren. „Viele Verbraucher werden Lohnerhöhungen wegen der Steuerreform erhalten“, glaubt Mustafa Mohatarem, Chefvolkswirt von General Motors. Das werde die Autoverkäufe 2018 auf hohem Niveau halten. Mit einem Absatzplus rechnet aber auch Mohatarem nicht.

Obwohl „Made in Germany“ in den USA trotz des Dieselskandals weiter als Qualitätsprädikat gilt, hatten die großen deutschen Hersteller bei den jüngsten Verkaufserfolgen nicht gerade die Nase vorn. Daimler und BMW genießen weiter ein gutes Image im Oberklasse-Segment, wurden in den vergangenen zwei Jahren aber deutlich weniger Autos los. Volkswagen berappelte sich 2017 immerhin wieder, nachdem die Affäre um manipulierte Abgaswerte den Absatz hatte einbrechen lassen.

„Die große Wachstums-Story waren die Verkäufe der deutschen Autobauer in den letzten Jahren in USA nicht“, sagt Dudenhöffer. Zwar hätten die Hersteller ihren Marktanteil 2017 leicht gesteigert, doch es handele sich trotzdem um den zweitschlechtesten Wert seit acht Jahren. Die einzigen Marken, die über diesen Zeitraum kontinuierlich ihre Verkäufe erhöhten, seien Audi und Porsche gewesen.

Ein Grund für die aktuelle Schwäche der Deutschen sind laut Willi Diez vom Institut für Automobilwirtschaft Modellwechsel, deretwegen sich Käufer zunächst zurückhalten. Eine weitere mögliche Ursache: „Ein gewisser Trump-Einfluss. Manch Manager könnte sich fragen: „Ist es politisch noch opportun, wenn ich mir ein deutsches Premium-Modell kaufe?“ Diese Debatte ist nicht ganz ohne Wirkung geblieben.“

Die Dieselkrise spiele hingegen nur eine geringe Rolle, da sind sich Fachleute wie Diez und Dudenhöffer einig. Der Antrieb habe in den USA weiter wenig Bedeutung - auch der scheidende Chef des Lobbyverbands VDA, Matthias Wissmann, schreibt ihn dort bei Personenwagen mehr oder minder ab. Dennoch sieht Wissmann die Entwicklung positiv: „Die deutschen Hersteller haben 2017 ihren US-Absatz gegen den Trend auf 1,35 Millionen Neuwagen leicht gesteigert und ihren Marktanteil auf fast 8 Prozent erhöht“, sagte er der Deutschen Presse-Agentur.

Klar ist: Ein verhalteneres US-Autogeschäft würde den globalen Absatz - und damit auch die Weltwirtschaft insgesamt - belasten. Die Ratingagentur Moody's warnte schon im Herbst, dass ein Schrumpfen des US-Markts um nur 0,6 Prozent das globale Wachstum der Autobranche auf unter 2 Prozent drücken dürfte.

dpa

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