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Agrarminister Meyer will die Sauen aus den Kästen befreien

Umstrittene Kastenstandhaltung Agrarminister Meyer will die Sauen aus den Kästen befreien

Niedersachsens Landwirtschaftsminister will mehr Platz für Sauen: Die umstrittene Kastenstandhaltung soll in den nächsten 20 Jahren in Deutschland auslaufen. Diese Woche beraten die Agrarminister darüber.

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Schweine stehen auf einem Bauernhof in Niedersachsen in einem konventionellen Kastenstall.

Quelle: Friso Gentsch

Hannover. Niedersachsens Landwirtschaftsminister Christian Meyer setzt sich für einen weitgehenden Ausstieg aus der Kastenstand-Haltung bei Sauen ein.

Deutschland solle sich an Dänemark orientieren und in den nächsten 20 Jahren die Verwendung von den so genannten Kastenständen auf das absolute Minimum herabsetzen, sagte der Grünen-Politiker der Deutschen Presse-Agentur dpa in Hannover. Für die Landwirte solle es Übergangsfristen geben. „Wir wollen klar sagen, dass wir aus einem System herauswollen, wo eine Sau die Hälfte ihrer Lebenszeit in einem Kastenstand fixiert ist“, sagte Meyer.

Das Thema werde auf der nächsten Agrarministerkonferenz in wenigen Tagen in Hannover eine große Rolle spiele. Die Konferenz wolle den Bund auffordern, die Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung entsprechend zu ändern. Der Bund habe signalisiert, diese umsetzen zu wollen, sollten sich die Ressortchefs der Länder darauf einigen. Meyer ist derzeit Vorsitzender der Agrarministerkonferenz.

Hintergrund ist eine Entscheidung des Oberverwaltungsgerichts Magdeburg, wonach Kastenstände, in der die Sauen zur Besamung eingesperrt sind, zu klein sind. Das Gericht verlangt, dass die Stände so breit sind wie das Tier hoch ist, damit sich die Sauen in dem Stand hinlegen können, ohne mit den Beinen in den Kastenstand des Nachbartiers zu kommen. Nach der Bestätigung des Richterspruchs durch das Bundesverwaltungsgericht gilt das Urteil bundesweit. Einige Kreisveterinärämter in Deutschland drängen auf sofortigen Umbau der Kastenstände, andere warten noch ab - die Branche ist verunsichert.

Eckpunkte für eine novellierte Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung seien gemeinsam mit den Interessenverbänden der Landwirte entwickelt worden. „Wir wollen nicht den Abbau, sondern den Umbau der Sauenhaltung“, sagte Meyer. Es solle einen Zeitraum von zehn bis 20 Jahren geben, in dem die Landwirte Zeit haben, ihre Ställe umzubauen. „Wer neu baut oder wer Fördermittel des Landes bekommt, für den gilt es sofort“, sagte der Minister.

Derzeit dürfen Sauen bis zu 28 Tage nach der Besamung im Kastenstand gehalten werden. Der Kastenstand soll die Besamung ermöglichen, und die aus hormonellen Gründen erregten Tieren vor Verletzungen schützen, weil es bei der Haltung in der Gruppe zu Rangkämpfen kommen kann. Nach 28 Tagen kommen die Tiere in die Gruppenhaltung. Zum Abferkeln kommen sie dann wieder bis zu fünf Wochen in einen Stand, damit die Ferkel nicht Gefahr laufen, beim Saugen von der Mutter erdrückt zu werden.

Das dänische Modell sieht vor, dass die Tiere nur wenige Tage nach der Besamung im Kastenstand gehalten werden, dann aber in die Gruppe kommen. Einzelne konventionelle Landwirte praktizieren das schon in Deutschland; ein Großteil der Betriebe müsste die Ställe dafür aber umbauen - und die neue Haltungsform auch erst einüben. In der Biohaltung ist diese Praxis schon üblich.

„Die Fixierung würde auf 5 bis 10 Tage im Deckzentrum begrenzt“, sagte Meyer. Beim Besamen solle der Kastenstand noch akzeptiert werden, beim Abferkeln aber nicht mehr. Für die Betriebe, die früher umbauen wollen, solle es Stallbaufördermittel geben. Niedersachsen habe vor wenigen Tagen von der EU schon eine Prämie für freies Abferkeln ohne Kastenstand von 150 Euro pro Sau genehmigt bekommen. Er wolle den Ausstieg aus der Kastenstandhaltung wissenschaftlich begleiten und die Landwirte beraten lassen, sagte Meyer.

dpa

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