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Wirtschaft Air Berlin: Schneller Aufstieg, Ende nach langem Kampf
Nachrichten Wirtschaft Air Berlin: Schneller Aufstieg, Ende nach langem Kampf
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17:52 27.10.2017
1996 war noch alles in Ordnung: Eine Air-Berlin-Maschine auf dem Flughafen Paderborn-Lippstadt. Quelle: Peter Brenneken
Berlin

Vor 38 Jahren hob der erste Air-Berlin-Flieger ab. Alles begann mit alliierten Sonderrechten zur Landung im geteilten Berlin. Nach der Wende wuchs Air Berlin zur Nummer zwei am Himmel über Deutschland heran, doch dann folgte eine jahrelange Krise.

1978: Gründung als Chartergesellschaft durch den Ex-Pan-Am-Piloten Kim Lundgren. Erstflug am 28. April 1979 von Berlin-Tegel nach Mallorca. Die Flotte umfasst zwei Maschinen.

1991: Im April kauft der LTU-Manager Joachim Hunold die Mehrheit der Anteile. Es gibt kurz darauf 15 Flüge pro Tag.

1998: Einstieg ins Linienfluggeschäft mit dem Mallorca Shuttle

2004: Einstieg bei der Fluggesellschaft Niki des früheren Rennfahrers Niki Lauda

2006: Börsengang und Kauf der Fluggesellschaft dba

2008: Air Berlin rutscht in die roten Zahlen. Ein erstes Sparprogramm folgt. Die Übernahme des Ferienfliegers Condor scheitert.

2011: Hunold wirft das Handtuch, Hartmut Mehdorn übernimmt. 18 der 170 Maschinen werden verkauft.

2012: Die arabische Staatsairline Etihad erhöht ihren Anteil von knapp 3 auf 29,2 Prozent und stützt die Fluglinie mit Millionen. Ein neues Sparprogramm beginnt.

2013: Wolfgang Prock-Schauer wird Vorstandschef und verschärft das Sparprogramm. Jeder zehnte Arbeitsplatz fällt weg, die Flotte schrumpft auf 142 Maschinen.

2015: Im Februar löst Stefan Pichler den glücklosen Prock-Schauer ab. Air Berlin macht 447 Millionen Euro Verlust - so viel wie nie zuvor.

2016: Nach einem juristischen Tauziehen kann Air Berlin den größten Teil der wichtigen Gemeinschaftsflüge mit Etihad weiter anbieten. Die Zahlen bessern sich nicht. Gespräche mit Lufthansa über einen Verkauf von Geschäftsteilen beginnen. 1200 Arbeitsplätze werden gestrichen.

2017: Der Lufthansa-Manager und früheren Germanwings-Chef Thomas Winkelmann wird neuer Vorstandschef.

15. August 2017: Air Berlin meldet Insolvenz an. Ein 150-Millionen-Euro-Kredit des Bundes sichert den Flugbetrieb für die folgenden Wochen.

12. Oktober 2017: Lufthansa einigt sich mit Air Berlin auf die Übernahme von 81 der 134 Flugzeuge, die noch zur Air-Berlin-Flotte gehören. Bis zu 3000 Mitarbeiter will Lufthansa übernehmen.

27. Oktober: Air Berlin stellt den Flugbetrieb ein.

dpa

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