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Amazon lässt Online-Händler auf ihr Geld warten

Lübeck/Rostock Amazon lässt Online-Händler auf ihr Geld warten

Zahlreiche Drittanbieter haben seit Ende Oktober kein Geld erhalten

Lübeck/Rostock. Bücher, Filme, Spielzeug, Schuhe: Tausende deutsche Händler verkaufen ihre Waren über den Online-Anbieter Amazon – doch der US-amerikanische Konzern hat ihnen seit gut einer Woche kein Geld mehr ausgezahlt. Mehr als 3000 Händler sollen davon bundesweit betroffen sein. Online- Händler berichten von ausstehenden Zahlungen von mehreren Hunderttausend Euro. Der Bundesverband Online-Handel (BVOH) fordert Amazon auf, „eine schnelle Lösung herbeizuführen, bevor Existenzen gefährdet werden“.

Unklar ist bislang, ob sich unter den Geschädigten Anbieter aus Mecklenburg-Vorpommern befinden. Ein betroffener Elektronik- Großhändler aus dem Raum Lübeck (Schleswig-Holstein) hat nach eigenen Angaben „Außenstände von rund 2500 Euro“. Bei Beschwerden über eine Hotline sei er seit Ende vergangenen Monats wiederholt vertröstet worden mit dem Hinweis, es handele sich um einen technischen Defekt, in zwei Wochen laufe alles wieder normal. In seinem Vertrag mit Amazon ist der Händler verpflichtet, bestellte Ware innerhalb von zwei Tagen an Kunden zu liefern. Das bedeutet: Der Händler geht finanziell in Vorlage.

Das Prinzip: Wenn jemand über Amazon beispielsweise Artikel wie ein Buch oder eine DVD kauft, die ein anderer Online-Händler dort eingestellt hat, hält Amazon das Geld zunächst zurück. „Händler müssen manuell die Auszahlung der Beträge anstoßen“, teilt der BVOH mit. Aktuell zahle der Internet-Konzern „das Geld nicht beziehungsweise sehr unregelmäßig aus“. Die Ware ist also längst beim Kunden, ohne dass der Dritthändler Geld dafür bekommt.

Der 1994 gegründete Amazon-Konzern ist eine Geldmaschine. Die Aktie eilt seit Jahren von einem Rekordhoch zum nächsten. Aktuell liegt der Wert bei rund 970 Euro (1125 US-Dollar). Amazon-Gründer Jeff Bezos löste nach dem sogenannten Forbes-Ranking den Microsoft-Mitbegründer Bill Gates als reichsten Mann der Welt ab. Bezos’ Vermögen soll Anfang November rund 93 Milliarden US-Dollar betragen haben, und es soll um mehr als 100 Millionen US-Dollar wachsen – pro Tag!

Vor allem dank des florierenden Cloud-Geschäfts hat Amazon seinen Umsatz zuletzt um 34 Prozent auf 43,7 Milliarden Dollar im dritten Quartal 2017 gesteigert. Der Gewinn stieg um 1,6 Prozent auf 256 Millionen Dollar.

Unterdessen warteten viele Online-Händler, die Amazon als Plattform für ihre Produkte nutzen, auf ihr Geld. Vereinzelt wurde spekuliert, der Online-Gigant halte Geld zurück, um seine Finanzen vorübergehend aufzupolstern. Auf Nachfragen der Händler antwortete Amazon per Mail, es handele sich „um ein technisches Problem, welches derzeit unter Hochdruck bearbeitet wird“. Nach Informationen des BVOH stehen offenbar auch in Großbritannien viele Anbieter vor dem Problem. Ebenso soll es in Frankreich und Italien Ausstände geben. Zunächst hatten die Händler das Problem auf die Zeitumstellung oder den Feiertag am 31. Oktober zurückgeführt.

Bei Presseanfragen blieb man bei Amazon einsilbig: „Wir arbeiten schnellstmöglich an einer Lösung für den kleinen Anteil betroffener Verkäufer.“ Die Lösung scheint nun gefunden worden zu sein.

Gestern Abend teilte Sprecher Christian Blum gegenüber der OZ mit, alle Zahlungen an die betroffenen Verkäufer seien durchgeführt worden.

64 000 gewerbliche Verkäufer auf Online-Plattform

Weltkonzern Amazon (1994 gegründet, Sitz: Seattle/USA) verkauft Millionen von Produkten, eine Vielzahl davon bietet der Konzern aber nicht selbst an. Stattdessen werden sie von anderen Händlern über eine Plattform vertrieben. Die Zahlung wird über Amazon abgewickelt. In Deutschland bieten 64000 gewerbliche Verkäufer ihre Waren über das Online-Kaufhaus an.

Deutschland ist der wichtigste Auslandsmarkt für Amazon: Der Umsatz des Deutschland-Geschäfts von Amazon (amazon.de) belief sich nach letzten Angaben auf mehr als 10,5 Milliarden Dollar.

Deutschland stand somit für rund 14 Prozent des Gesamtumsatzes von Amazon, der sich auf über 61 Milliarden Dollar belief.

Curd Tönnemann und Axel Meyer

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