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Wirtschaft Angler wütend über neue Verbote
Nachrichten Wirtschaft Angler wütend über neue Verbote
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07:18 04.10.2017
Aus für krumme Ruten beim Hochseeangeln: In mehreren Gebieten in der Ostsee und Nordsee ist das Angeln jetzt verboten. Quelle: Foto: Tim Jelonnek
Rostock/Berlin

Gegen das Angelverbot in der Kadetrinne und der Pommerschen Bucht-Rönnebank regen sich in Mecklenburg-Vorpommern massive Proteste. Der Landesanglerverband werde eine Klage gegen die Verbote prüfen, sagt Verbands-Geschäftsführer Axel Pipping. Die Berufsfischer, denen ebenfalls Einschränkungen drohen, reagieren mit „Wut und Empörung“. Und der Schweriner Agrarminister Till Backhaus (SPD) kritisiert die Verbote als „unbegründet und maßlos im Vergleich zu anderen schwerwiegenden Nutzungen der Gebiete“.

Der Bund hat die Angelei in der Kadetrinne und der Pommerschen Bucht untersagt. Auch die Berufsfischer befürchten Sanktionen in den Gebieten.

Das Bundesumweltministerium (BUMB) hat kürzlich sechs Zonen als Meeresnaturschutzgebiete ausgewiesen (OZ berichtete). Dabei handelt es sich in der Ostsee neben Kadetrinne und Pommerscher Bucht um den Fehmarnbelt sowie in der Nordsee um die Gebiete Doggerbank, Borkum Riffgrund und Sylter Außenriff-Östliche Deutsche Bucht. Die Gebiete liegen in der sogenannten ausschließlichen Wirtschaftszone (AWZ) und umfassen rund 30 Prozent der Fläche der deutschen AWZ.

Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) lobte die Vorschrift als „wichtigen Fortschritt für den Meeresnaturschutz in Deutschland“. Dadurch würden wichtige Arten wie Schweinswale, See- und und Kegelrobbe „endlich wirksam geschützt“. Auch wertvolle Lebensräume wie Sandbänke oder Riffe würden nun „vor Zerstörung oder Beeinträchtigung bewahrt“. Bei den Regelungen seien „auch die Belange der Nutzerseite einbezogen“ worden.

„Das ist gelogen“, protestiert der Präsident des Landesverbands der Kutter- und Küstenfischer MV, Norbert Kahlfuss. Ja, es habe Verhandlungen gegeben, auch mit der Fischerei. Aber: „Positive Ergebnisse gab es aus unserer Sicht nicht, Kompromisse auch nicht, wissenschaftliche Erkenntnisse ebenso wenig“, erklärt Kahlfuss. Die Verhandlungen sollten eigentlich weitergeführt werden – stattdessen nun diese „eigenmächtige“ Entscheidung der Bundesministerin Hendricks.

Landesanglerverbands-Geschäftsführer Pipping wirft Hendricks eine „unehrliche und hinterlistige Handlungsweise“ vor. Die Bundesministerin habe die Schutzgebietsverordnungen zwei Tage vor der Bundestagswahl am 24. September unterzeichnet, das sei aber erst einige Tage nach der Wahl veröffentlicht worden. Der Widerspruch: In den Gebieten dürften Tanker fahren, Bodenschätze abgebaut und Offshore-Anlagen errichtet werden.

Auch das Schweriner Agrarministerium hatte von Hendricks Nachweise zu den Auswirkungen durch die Fischerei auf die betreffenden Gebiete gefordert und ein Verbot der Freizeitfischerei abgelehnt. Auf eine Antwort aus Berlin wartet Schwerin noch immer. Backhaus fordert jetzt von seiner SPD-Parteigenossin Hendricks Nachverhandlungen. Denn: „Die Angelverbote können schwerwiegende wirtschaftliche Nachteile für den Angeltourismus in MV auslösen“, betont Backhaus. Jedes Jahr kommen den Angaben zufolge bis zu 300000 Angeltouristen in den Nordosten.

Die Verordnung verbietet seit wenigen Tagen in neu ausgewiesenen Meeresnaturschutzgebieten das Angeln, die Berufsfischerei noch nicht. „Wir kämpfen darum, das drohende Unheil abzuwenden“, sagt Kahlfuss. Der Bund verweise bei den Berufsfischern zwar auf die EU, die Entwürfe entsprechender Verordnungen seien aber bekannt. Demnach drohten Verbote für Schlepp- und Stellnetzfischerei in diesen „wichtigen Fangplätzen“ für Dorsch, Plattfisch und Hering – ohne dass es dafür wissenschaftliche Begründungen gebe.

Schützenhilfe bekommen Angler und Fischer auch aus der Landespolitik. Die Schutzgebietsverordnung füge der Tourismuswirtschaft und der Freizeitfischerei in MV „einen erheblichen Schaden“ zu, kritisiert Holger Kliewe von der Schweriner CDU-Fraktion. „Inwieweit die Freizeitfischerei in der Kadetrinne oder der Pommerschen Bucht zu negativen Einflüssen auf Marinesäuger oder Wildvögel führte, konnte bisher nicht erwiesen werden“, so Kliewe.

Axel Meyer

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