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Wirtschaft Angriff aus China: Deutsche Werften setzen auf Spezialschiffe
Nachrichten Wirtschaft Angriff aus China: Deutsche Werften setzen auf Spezialschiffe
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00:28 11.05.2018
Ein Schweißer der MV Werften am Standort Wismar bei der Arbeit. Quelle: Foto: Norbert Fellechner

/Wismar. Die deutschen Werften erwarten aus China eine Attacke auf ihre Kernmärkte. „Das ist eine Bedrohung, die wir sehen“, sagte Harald Fassmer, Präsident des Verbandes für Schiffbau und Meerestechnik (VSM), am Mittwoch in Hamburg. China habe den Bau von hochwertigen Spezialschiffen zu einem von zehn strategischen Zielen des Landes erklärt. „Und die Vergangenheit hat gezeigt, dass China konsequent umsetzt, was es sich vornimmt.“ Die chinesischen Werften hätten bereits zahlreiche Aufträge für Fähren von europäischen Stammkunden eingeworben und betrieben ehrgeizig den Einstieg in den Bau von Kreuzfahrtschiffen.

Strategischer Schwenk zu High-Tech-Produkten hat sich ausgezahlt

Harald Fassmer, Präsident des Verbandes für Schiffbau und Meerestechnik FOTO: VERBAND

Fähren, Luxusyachten und Kreuzfahrtschiffe sind jedoch die Produkte der deutschen Werften für den Weltmarkt, nachdem sich die Branche aus dem Bau von Containerschiffen zurückgezogen hat. „Heute werden reihenweise einzigartige Großprojekte, die den höchsten Anforderungen genügen, pünktlich abgeliefert“, sagte Fassmer. „Die erstklassige Systemkompetenz ist ein wesentliches Merkmal, das unseren Standort stark macht.“ VSM-Hauptgeschäftsführer Reinhard Lüken ergänzte: „Wir wissen um unsere Leistungsfähigkeit, aber es wäre grob fahrlässig, die Risiken zu unterschätzen.“ China habe andere Möglichkeiten als Europa und könne Verluste für längere Zeit hinnehmen.

Aktuell zeigt sich für den deutschen und europäischen Schiffbau ein erfolgreiches Bild. Die europäischen Werften erreichten im vergangenen Jahr einen Anteil von 35 Prozent an den weltweiten Schiffbau-Aufträgen. Das sind weniger als der Spitzenwert von 50 Prozent ein Jahr zuvor, doch immer noch sehr beachtlich.

In Deutschland gingen die Auftragseingänge nach einem Rekordjahr deutlich zurück, von 7,8 auf 2,3 Milliarden Euro. „Das war zu erwarten, denn einen Bauslot, den die Werft verkauft hat, kann sie nicht noch einmal verkaufen“, sagte Lüken. Die Werften seien voll ausgelastet, die Produktion lag mit 3,1 Milliarden Euro so hoch wie seit vielen Jahren nicht mehr und der Auftragsbestand von 17,7

Milliarden Euro reiche auf Jahre hinaus.

Auch die Werften in MV stehen nach der schweren Krise vor einigen Jahren wieder gut da – vor allem dank Investitionen aus Asien. Der malaysische Genting Konzern hatte die drei ehemaligen Nordic-Werften in Wismar, Rostock-Warnemünde und Stralsund im Frühjahr 2016 für 240 Millionen Euro übernommen. Rund 1400 Menschen waren damals beschäftigt. Seitdem wuchs die Belegschaft um fast 50

Prozent: Ende April 2018 wurde der 2000. Beschäftigte eingestellt (die OZ berichtete). Allein 2017 bekamen nach Angaben des Unternehmens 500 neue Mitarbeiter einen Vertrag. Rund 1000 sollen in diesem Jahr folgen. Gesucht würden derzeit vor allem Schlosser, Schweißer, Schiffbauer, Vermesser und Elektromonteure für die Standorte Rostock und Stralsund.

Die Wertschöpfung des gesamten deutschen Schiffbaus, einschließlich der Zulieferungen und des Militärschiffbaus, sei auf rund 23 Milliarden Euro zu beziffern. Stark abgenommen hat jedoch die Zahl der Ablieferungen: Im vergangenen Jahr waren es gerade mal 22 Schiffe. Im Jahrzehnt zuvor konnten es auch mal mehr als 100 Einheiten in einem Jahr sein. Die Werften produzieren weniger Schiffe, die jedoch viel teurer sind.

Deutsche Reedereien gehören kaum noch zu den Kunden der Werften, die fast alle Schiffe für ausländische Auftraggeber produzieren. Deutsche Reeder, die vor der Krise zehn bis zwölf Prozent aller Schiffe weltweit bestellten, geben fast keine Orders mehr auf. „Wir haben es mit einer eklatanten Investitionsschwäche zu tun“, sagte Lüken.

Mega-Kreuzfahrtschiff made in MV

5000 Passagiere auf 20 Decks sollen einmal auf dem größten Kreuzfahrtschiff der Welt Platz finden, das derzeit auf den MV Werften gebaut wird. Während der stark nachgefragten Hochsaison in Asien könnten sogar bis zu 9500 Urlauber untergebracht werden. Ende 2020 soll das 342 Meter lange und 40 Meter breite Kreuzfahrtschiff abgeliefert werden, weitere Mega-Schiffe sollen folgen.

Die Fertigung des rund eine Milliarde Euro teuren Schiffs der Global-Klasse erfolgt parallel auf den Werften in Wismar und Rostock, die Endmontage ist in Wismar. Insgesamt werden rund 600 Firmen am Bau beteiligt sein.

Eckart Gienke und Axel Büssem

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