Volltextsuche über das Angebot:

13 ° / 8 ° heiter

Navigation:
Anklage: Betrug mit Hühnern brachte 4,7 Millionen Euro

Rostock/Grimmen Anklage: Betrug mit Hühnern brachte 4,7 Millionen Euro

Prozessauftakt in Rostock. Zwei Mitarbeiter der Grimmener Firma Guts-Gold sollen bei Schlachthühnern den Wasseranteil künstlich erhöht haben, um Subventionen zu erhalten.

Voriger Artikel
New Yorker Schlusskurse am 12.01.2015
Nächster Artikel
„Alles ist vergeben“: „Charlie-Hebdo“ mit Mohammed-Zeichnung

Das verwaiste Firmengelände des Geflügelmastbetriebes Guts-Gold in Grimmen (Landkreis Vorpommern—Rügen).

Quelle: Fotos: Raik Mielke, Ove Arscholl

Rostock. Chaos zum Auftakt des Guts-Gold-Prozesses gestern im Rostocker Landgericht: Erst hat Staatsanwalt Bernd Mauersberger nicht die Kurzfassung der Anklageschrift dabei, dann korrigiert ihn der Vorsitzende Richter, Guido Lex, immer wieder. Es geht um Subventionsbetrug mit Schlachthühnern aus Grimmen in Millionenhöhe. Später stellt die Verteidigung einen Befangenheitsantrag gegen die Kammer — und zieht ihn kurz darauf zurück. Der für heute angesetzte zweite Verhandlungstermin wird abgesagt.

Damit zieht sich das juristische Hickhack um die Ausfuhr gefrorener Schlachthühner weiter in die Länge. Bereits im September 2011 hatte die Rostocker Staatsanwaltschaft gegen den Betriebsleiter der Geflügelschlachterei Guts-Gold in Grimmen und einen Mitarbeiter der Exportabteilung Anklage erhoben. Mario S. und Danilo J. wird vorgeworfen, zwischen Januar 2008 und August 2009 beim Export gefrorener Schlachthühner in Nicht-EU-Staaten in 379 Fällen zu Unrecht Ausfuhrerstattungen beantragt und erhalten zu haben. Diese Subventionen sind nur rechtmäßig, wenn die exportierte Ware die Anforderungen der Europäischen Union erfüllt. Laut Staatsanwaltschaft sei das beim Unternehmen Guts-Gold nicht der Fall gewesen.

Bei gefrorenen Hähnchen darf der Fremdwasseranteil nicht höher als 5,1 Prozent sein. Alle überprüften Schlachthühner von Guts-Gold hatten diesen Wert jedoch laut Staatsanwaltschaft teilweise um das Dreifache überschritten. Insgesamt 4,7 Millionen Euro seien daher zu Unrecht an Guts-Gold erstattet worden.

Die Staatsanwaltschaft wirft den Angeklagten vor, dass sie einem gemeinsamen Tatplan gefolgt seien. Sie hätten die Hühner nach der Schlachtung langsamer heruntergekühlt als üblich und somit eine höhere Wasseraufnahme im Fleisch erreicht. Die gesamte Anklageschrift gegen die beiden Männer soll laut OZ-Informationen rund 300 Seiten umfassen. Der 40 Jahre alte Mario S. aus Waren an der Müritz und der 34-Jährige Danilo J. aus Grimmen gaben gestern an, sich nicht zu den Vorwürfen äußern zu wollen. Ihnen droht jeweils eine Freiheitsstrafe von bis zu fünf Jahren.

Das Landgericht hatte den Guts-Gold-Fall aus Kapazitätsgründen auf die lange Bank geschoben (die OZ berichtete). Erst mussten „Haftsachen“ verhandelt werden, weil für diese bestimmte Fristen gelten.

Fast dreieinhalb Jahre vergingen. Die Geflügelschlachterei hat ihren Betrieb in Grimmen inzwischen geschlossen. Mehr als 100 Mitarbeiter verloren Ende 2011 ihren Job. Neben dem Grimmener Schlachthof hatte der französische Mutterkonzern Doux parallel auch die Kükenaufzucht in Triwalk (Landkreis Nordwestmecklenburg) und ein Futtermittelwerk bei Wismar geschlossen. Begründung nach Gewerkschaftsangaben: „Unrentabilität“. Doch laut Insidern sollen auch die Ermittlungen der Rostocker Staatsanwaltschaft eine Rolle gespielt haben.

Wasseranteil-Grenze liegt bei 5,1 Prozent

19,7 Tonnen gefrorene Schlachthühner sollen im Tatzeitraum zwischen Januar 2008 und August 2009 zur Ausfuhr angemeldet worden sein. Die Grimmener
Geflügelschlachterei Guts-Gold beantragte dafür
Subventionen in Höhe von 9,6 Millionen Euro. Ausgezahlt wurden insgesamt 4,7 Millionen Euro. Voraussetzung für die Subvention ist, dass der Fremdwasseranteil den Wert von 5,1 Prozent nicht übersteigt.

 



André Wornowski

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Benjamin Barz Ostsee-Zeitung Ostsee-Zeitung Serie, Weltkrieg, erster Weltkrieg, zweiter Weltkrieg Teaser der den User auf die Sonderseiten zum Thema Weltkrieg führen soll image/svg+xml Image Teaser Weltkrieg 2015-09-23 de Serie Erinnerung an Weltkriege Alle Beiträge und Bildergalerien zum Thema sowie Infos zu Ausstellungen und Museen finden Sie auf unseren Sonderseiten. Alle Veranstaltungen und Freizeittipps in Ihrer Nähe finden Sie hier. > Erster Weltkrieg > Zweiter Weltkrieg 1914 bis 1918 1939 bis 1945
Benjamin Barz Ostsee-Zeitung Ostsee-Zeitung Lererbriefe, Meinung, Teaser der den User auf die Seite "Leserbriefe" führen soll image/svg+xml Image Teaser „Leserbriefe“ 2015-09-23 de Meinung Ihre Leserbriefe Über unser Kontaktformular können Sie uns gern Lob, Kritik, Ideen oder andere Anmerkungen zu aktuellen Themen aus Ihrer Region, MV und der Welt zusenden. Wir freuen uns auf Ihre Meinung. Hier geht es zum Formular.