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Wirtschaft Anklage gegen Anton Schlecker: Hat er Vermögen versteckt?
Nachrichten Wirtschaft Anklage gegen Anton Schlecker: Hat er Vermögen versteckt?
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00:01 15.04.2016
Muss sich verantworten: Anton Schlecker Quelle: Puchner/dpa

Die Vorwürfe wiegen schwer: Kurz vor dem Niedergang seines Drogerieimperiums soll Anton Schlecker in 36 Fällen Geld beiseitegeschafft haben. Viel Geld. Die Staatsanwaltschaft Stuttgart wirft ihm vor, damit sein Vermögen kurz vor der Pleite vor dem Zugriff der Gläubiger geschützt zu haben.

Zudem soll er 2009/2010 den Zustand des Konzerns im Konzernabschluss falsch dargestellt und vor dem Insolvenzgericht unrichtige Angaben gemacht haben (die OZ berichtete).

Die Staatsanwälte der Schwerpunkt-Staatsanwaltschaft für Wirtschaftskriminalität in Stuttgart ermittelten jahrelang. Neben dem 71 Jahre alten Firmenpatriarchen sind auch seine Ehefrau Christa, seine zwei Kinder sowie zwei Wirtschaftsprüfer angeklagt. Sie sollen Anton Schlecker geholfen haben beim vorsätzlichen Bankrott. Auf Bankrott steht eine Strafe von bis zu fünf Jahren, bei besonders schweren Fällen bis zu zehn Jahren Haft. Über die Zulassung der Anklage entscheidet nun das Landgericht Stuttgart, wo jetzt die Anklageschrift einging. Ob das noch in diesem Jahr passiert, ist offen.

Schleckers Kinder Meike und Lars müssen sich zudem wegen Insolvenzverschleppung und Untreue verantworten. Sie sollen das Logistikunternehmen LDG als faktische Geschäftsführer um mehrere Millionen Euro geschädigt haben: Obwohl sie von den Schulden und Verlusten der Firma wussten, sollen sie sich Millionen als angebliche Gewinne aus dem Geschäftsjahr 2011 ausschütten haben lassen.

Außerdem sollen sie ihrer Mutter illegal Geld überwiesen haben.

Es geht um einen „zweistelligen Millionenbetrag“, sagt Staatsanwalt Jan Holzner. An der strafrechtlichen Aufarbeitung ist auch der Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz interessiert. Nach einem Streit um übertragenes Vermögen zahlte die Familie dem Insolvenzverwalter 10,1 Millionen Euro. Doch Geiwitz w ill weitere Rechte der Gläubiger geltend machen.

Denn: Anton Schlecker führte seinen Konzern als „eingetragener Kaufmann“ (e.K.). Dank dieser Rechtsform konnte der Firmenpatriarch viel Geheimniskrämerei um sein Drogerieimperium betreiben, bei Kreditvergaben hatte er bessere Karten. Doch der Preis dafür war hoch: Schlecker haftet mit seinem kompletten Privatvermögen.

Europas ehemals größte Drogeriekette hatte im Januar 2012 Insolvenz angemeldet. 25000 Menschen verloren ihren Arbeitsplatz. Die Gläubiger forderten rund eine Milliarde Euro. Das Unternehmen aus Baden-Württemberg hatte zu Bestzeiten 9000 Märkte im In- und Ausland. Es sei völlig richtig, „dass Schlecker jetzt zur Verantwortung gezogen wird“, sagt Michaela Kaufmann-Freese. Die Grimmenerin hatte — nach 15 Jahren Tätigkeit in Schlecker-Filialen in Grimmen und Greifswald — am 1. Juni 2012 ihren Job verloren. „Wir waren alle geschockt“, betont die ehemalige Verkaufsstellenleiterin, die jetzt als Altenpflegerin arbeitet.

In Mecklenburg-Vorpommern meldeten sich damals 729 von insgesamt rund 760 Mitarbeitern arbeitslos, wie die Arbeitsagentur Nord in Kiel bilanziert. Ein Jahr nach der Pleite, im März 2013, hatten 279 eine neue Beschäftigung gefunden, sechs weitere hatten sich selbstständig gemacht. Neue Jobs für die Schlecker-Frauen in MV gab es überwiegend im kaufmännischen Bereich oder in Dienstleistungsbetrieben. 379 waren damals noch arbeitslos. 65 gingen in Rente, in Elternzeit oder wurden erwerbsunfähig. 423 nutzten Weiterbildungsangebote, einige wurden Erzieher, andere, wie Michaela Kaufmann-Freese, Altenpfleger.

Auf ihre Zeit bei Schlecker schaut sie ohne Bitterkeit zurück. Ihr Fazit: In jedem Ende stecke „auch ein neuer Anfang“.

Bankrott und Insolvenzverschleppung

Bankrott: Der Straftatbestand (Paragraf 283 Strafgesetzbuch) besagt, „wer bei Überschuldung oder bei drohender oder eingetretener Zahlungsunfähigkeit“ Werte für die mögliche Insolvenzmasse verheimlicht oder verschwinden lässt, dem drohen bis fünf Jahre Haft.

Insolvenzverschleppung: Dieser Straftatbestand (Paragraf 15a der Insolvenzordnung) besagt, dass im Falle einer Firmenpleite Geld- oder Freiheitsstrafen drohen, wenn die Insolvenz „nicht, nicht richtig oder nicht rechtzeitig“ bei Gericht angezeigt wird.

Von Nico Pointner und Thomas Luczak

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