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Ansturm auf den Russlandtag: 600 Wirtschaftsbosse erwartet

Rostock Ansturm auf den Russlandtag: 600 Wirtschaftsbosse erwartet

Unternehmer und Landesregierung bitten zum Gespräch, auch Bundesminister Gabriel reist an / MV-Außenhandel mit dem großen Nachbarn ist weiter gesunken

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Ministerpräsident Erwin Sellering (SPD)

Quelle: dpa

Rostock. Partner in schlechten Zeiten: Trotz der Sanktionen zwischen der Europäischen Union und Russland hat sich der Export von Waren aus Mecklenburg-Vorpommern zum östlichen Nachbarn erhöht. Waren im Wert von 311 Millionen Euro wurden im Vorjahr ausgeführt, ein Anstieg um 30 Prozent im Vergleich zu 2014. Einen Einbruch gab es allerdings in die andere Richtung:

Handelsbilanz: 717 Millionen Euro in einem Jahr

100 Unternehmen aus MV pflegen Außenhandelsbeziehungen mit Russland. Branchen: unter anderem Ernährungs- und Gesundheitswirtschaft, Maschinen- und Schiffbau. Besonders gefragt sind in Russland Metallwaren, Hebezeuge, Kaffee oder Sperrholz von hier. Importiert werden Mineralöl, Düngemittel oder Roheisen. 2015 lag das Handelsvolumen bei 717 Millionen Euro.

Auf 406 Millionen hat sich der Wert der Importwaren aus Russland mehr als halbiert. Gesamttendenz: negativ. Wirtschaft und Politik sprechen sich daher für eine Aufhebung des Embargos aus. Beim Russlandtag morgen in Rostock wird dies Thema sein. Das Interesse ist riesengroß: Mehr als 600 Teilnehmer haben zugesagt, darunter Bundeswirtschaftminister Sigmar Gabriel (SPD) und der russische Industrieminister Denis Manturov.

„Wir haben großes Interesse daran, die Wirtschaftsbeziehungen noch weiter auszubauen“, sagt Ministerpräsident Erwin Sellering (SPD). Er hoffe auf neue Kontakte durch das Treffen in Rostock. Russland liege auf Platz vier der wichtigsten Handelspartner des Landes. „Und auch für unsere Häfen, insbesondere für Sassnitz-Mukran, ist der Russlandhandel wichtig.“

„Signalgebend“ soll der Russlandtag aus Sicht von Claus Ruhe Madsen, Präsident der Industrie- und Handelskammer Rostock, sein. Die Sanktionen seien schädlich für die Wirtschaft hier und da. „Wir sind für einen schrittweisen Abbau“, so Madsen. Viele Unternehmen hätten erhebliche Einschnitte hinnehmen müssen.

Auch Wirtschaftsminister Harry Glawe (CDU) steht zum Riesen im Osten: „Es hat sich bewährt, den Kontakt nach Russland stetig aufrechtzuerhalten.“ Gegenseitiges Verständnis sei wichtig. Zwar gebe es in einigen Branchen Einbrüche, doch auch Neuansiedlungen. Glawe nennt das Großwälzlager in Rostock, das die russische Kirov-Gruppe morgen eröffnet. Hier sollen künftig auch extrem belastbare Lager gebaut werden, die zum Beispiel in Windkraftanlagen Anwendung finden. „Ein Vorsprung gegenüber Mitbewerbern“ sagt Lars Ulrich Kahl, Geschäftsführer der Großwälzlager GmbH. Das Unternehmen will in MV Windkraftanlagen testen lassen – um später den russischen Markt beliefern zu können. Kirov-Vorstand Albrecht Bochow betont die Bedeutung des Russlandtages: „Es ist ein gutes Zeichen, dass beide Seiten auch in schwierigen Zeiten im Gespräch sind.“

Leidtragende der Sanktionen sind vor allem Bauern in MV. Denn in der Ernährungswirtschaft ist der Kunde Russland in großen Stil weggebrochen. Das Exportvolumen von Fleisch- und Milcherzeugnissen oder Getreide hat sich seit 2013 auf 59 Millionen Euro fast halbiert. Extrembeispiel: Der Käse-Export sank von gut 21 Millionen in 2014 auf 30000 Euro in 2015. In den ersten Monaten dieses Jahres zog der Umsatz wieder etwas an.

Der Russlandtag soll viele Facetten behandeln. Nach einer Tagung in der Rostocker Hansemesse geht es in Workshops weiter; Themen: Energie, Bildung, Landwirtschaft. Der Workshop bei der IHK Rostock zur Wirtschaft sei „völlig überbucht“, freut sich Madsen. Thema: „Erfolgreiche Geschäfte auch in schwierigen Zeiten“.

Frank Pubantz

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