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Apfelbauern im Nordosten erwarten gute Ernte

Boddin Apfelbauern im Nordosten erwarten gute Ernte

Landesweit 40000 Tonnen erwartet – ein Plus von rund zehn Prozent / Firmen klagen über Mindestlohn und Mangel an einheimischen Arbeitskräften

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Obstbauer Günter Brandt misst in Boddin (Landkreis Rostock) auf seinem Hof die Größe der von ihm angebauten Äpfel der Sorte „Elstar“.

Boddin. Der Obstbauer Günter Brandt hadert ein wenig mit seinen Apfelbäumen im westmecklenburgischen Boddin (Landkreis Rostock): „In Südtirol sind die Früchte größer, die Bäume höher und von oben bis unten mit Äpfeln besetzt“, sagt der Geschäftsführer der Boddinobst GmbH, der gerade mit Kollegen zum Erfahrungsaustausch bei Obstbauern in Norditalien war.

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Landesweit 40000 Tonnen erwartet – ein Plus von rund zehn Prozent / Firmen klagen über Mindestlohn und Mangel an einheimischen Arbeitskräften

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Auch wenn die Sonne in Mecklenburg-Vorpommern keine italienischen Verhältnisse schuf – eine gute Apfelernte wird es allemal, ist der Obstbau-Experte der LMS Agrarberatung in Schwerin, Rolf Hornig, sicher. Er rechnet landesweit mit wenigstens 40000 Tonnen. Das wären rund zehn Prozent mehr als sonst. Meist seien es 36000 bis 37000 Tonnen gewesen. Das Wetter habe sich zur Blüte und darüber hinaus günstig gezeigt.

Im Stralsunder Obstgut Eggert sind die ersten Sommerapfelsorten schon vom Baum, wie Inhaber Johannes Eggert berichtet.

Im Gartenbauzentrum der Landesforschungsanstalt für Landwirtschaft und Fischerei in Gülzow bei Güstrow waren die ersten Äpfel in diesem Jahr rund zwei Wochen früher reif als im jährlichen Durchschnitt. Die Erträge stellen überall zufrieden.

Für Boddin erwartet Brandt etwas weniger Äpfel als im Vorjahr, als über 7000 Tonnen gepflückt wurden. Die Hälfte sind Bio-Äpfel. Für Bio-Tafeläpfel gibt es mit 80 Cent bis 1,05 Euro pro Kilogramm deutlich mehr als für konventionelle Ware mit 30 bis 50 Cent. Doch sie machen auch mehr Arbeit. „Uns alle drückt der Mindestlohn“, sagt Brandt. „Wir müssen alles tun, damit die Lohnkosten nicht steigen.“

Boddinobst probiert es mit Technik und hat eine Tafelapfelerntemaschine gekauft, die selbstständig durch die Plantage fährt. Pflücker nehmen die Früchte per Hand ab und legen sie einzeln auf kaum vibrierende Transportbänder. Wie groß die Ersparnis ist, wird sich bei der Ernte erstmals zeigen. Am 5. September will Brandt starten, mit dem Seestermüher Zitronenapfel. Er rechnet derzeit damit, dass sechs Pflücker zwei Tonnen pro Stunde ernten können. Anfang November sollen in Boddin alle Früchte von den Bäumen sein.

Bereits bewährt hat sich nach Brandts Worten eine Maschine zum Spritzen von Pflanzenschutzmitteln gegen Pilzkrankheiten, die seit März auf den Bio-Flächen im Einsatz ist. 15 bis 20 Mal pro Saison müssten die Bäume behandelt werden, bei Bio-Obst noch mehr. Die Technik zum Spritzen, zum Pflücken oder zur mechanischen Unkrautbekämpfung auf Bioflächen bedingt nach den Worten von Professor Gerhard Flick immer größere Flächen, damit sich die Anschaffung lohnt. „Lohnkosten müssen durch Maschinen ersetzt werden“, sagt Flick, der an der Hochschule Neubrandenburg im Fachbereich Agrarwirtschaft unter anderem Sonderkulturen lehrt. Für vieles würden sich ohnehin keine einheimischen Arbeitskräfte mehr finden lassen. Die Zeiten des Bio-Gärtners mit Strohhut seien vorbei.

Die Konkurrenz auf dem Markt wächst

Je mehr Ware auf dem Markt ist, desto schlechter sind die Preise. Polen erwartet mit mehr als 4,15 Millionen Tonnen Äpfel eine Rekordernte und ist damit Europas größter Apfelproduzent.

Seit dem Russland-Embargo kommen pro Jahr 800000 Tonnen polnische Äpfel mehr auf den Markt. Der Apfelkonsum hält da aber nicht mit – in Deutschland geht er sogar zurück. Neue außereuropäische Märkte sind daher dringend nötig. Italien etwa vermarkte seine Äpfel gut in Nordafrika – in Marokko, Algerien und Tunesien.

Nicht viel anders sieht es beim Apfelsaft aus: Sieben Liter werden laut Statistik pro Kopf verbraucht. Vor zehn bis zwölf Jahren waren es noch 13 Liter.

Birgit Sander

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