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Arbeit auf Abruf: Teilzeit und Befristung stark gestiegen

20 Prozent arbeiten «atypisch» Arbeit auf Abruf: Teilzeit und Befristung stark gestiegen

Millionen Arbeitnehmer verdienen ihr Geld jenseits unbefristeter Vollzeitjobs. Auch Arbeit auf Abruf ist für viele Alltag. Mit Spannung wird erwartet, welche Weichen eine Jamaika-Koalition auf dem Arbeitsmarkt stellt.

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Suche nach Teilzeitkräften: Eine Stellenanzeige in einem Schaufenster.

Quelle: Angelika Warmuth

Berlin. Der Anteil atypischer Beschäftigung ist innerhalb von 20 Jahren stark von 15 auf 20,7 Prozent im vergangenen Jahr gestiegen. Somit arbeitet mehr als jeder fünfte Beschäftigte in Deutschland nicht in einem traditionellen Arbeitsverhältnis.

Das geht aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Linken hervor, die der Deutschen Presse-Agentur vorliegt. Gemeint sind damit befristete oder Teilzeitjobs, geringfügig Beschäftigte und Zeitarbeitnehmer. Die Zahlen der Regierungsantwort stammen vom Statistischen Bundesamt und sind von diesem bereits veröffentlicht.

Allerdings ist der Anteil atypischer Beschäftigung zuletzt wieder etwas gesunken. Er nahm seit 1996 kontinuierlich auf 22,6 Prozent im Jahr 2007 zu, nahm dann wieder ab, erreichte 2010 erneut diesen Höchstwert und sank danach wieder.

Insgesamt ist der Zuwachs bei den abhängig Beschäftigten somit vor allem auf die Zunahme von atypischer Beschäftigung zurückzuführen. Denn die Zahl der sogenannten Normalarbeitnehmer mit mindestens 20 Wochenstunden und unbefristetem Vertrag nahm binnen 20 Jahren nur von 24,8 auf 25,6 Millionen zu - die der atypisch Beschäftigten stieg deutlich stärker, von rund 5 auf 7,7 Millionen 2016.

Bei der Leiharbeit gab es dabei einen Anstieg auf 737 000 und bei geringfügiger Beschäftigung auf 2,2 Millionen Beschäftigte. Die Zahl der befristet Beschäftigten ist seit 1996 von 1,9 auf 2,7 Millionen gewachsen, die der Beschäftigten in Teilzeit bis 20 Wochenstunden von 3,2 auf 4,8 Millionen. Allerdings lagen die Werte bei all diesen Gruppen, zwischen denen es Überschneidungen gibt, zwischenzeitlich auch deutlich höher als im vergangenen Jahr.

Die Linken-Abgeordnete Jutta Krellmann, die die Anfrage gestellt hatte, sagte: „Die gute wirtschaftliche Lage trägt nicht dazu bei, dass die prekären Ränder kleiner werden.“ Eine „Zone der Unsicherheit“ sei zementiert.

Deutlich gesunken ist seit 1996 aber auch die Arbeitslosigkeit - laut Bundesagentur für Arbeit (BA) von 3,97 auf 2,69 Millionen Arbeitslose im Jahresdurchschnitt. Der Anteil der Arbeitslosen sank von 10,4 Prozent auf einen Niedrig-Rekordwert von 6,1 Prozent 2016.

Auch Arbeit auf Abruf ist heute weit verbreitet. Sieben Prozent der Arbeitnehmer in Deutschland arbeiten mindestens an einem Tag im Monat auf diese Weise. Das geht aus der Regierungsantwort an die Grünen hervor, über die die „Rheinische Post“ (Montag) zuerst berichtet hatte. Bei Arbeit auf Abruf schließen Arbeitnehmer und Arbeitgeber einen Vertrag über eine Tätigkeit mit flexiblen Einsatzzeiten.

Mit Spannung wird erwartet, was sich CDU/CSU, FDP und Grüne sozial- und arbeitsmarktpolitisch vornehmen, wenn es zu Koalitionsverhandlungen kommt. Die Union verspricht in ihrem Wahlprogramm, sich um Arbeitsplätze der Zukunft zu kümmern. In Punkto atypischer Beschäftigung sticht bei CDU/CSU nur hervor, dass sie Missbrauch von Befristungen abstellen wollen.

Die FDP fordert hingegen: „Wir verteidigen einen flexiblen Arbeitsmarkt und die Tarifautonomie und dürfen etwa die Zeitarbeit oder Befristungen nicht weiter einschränken.“ Die Grünen fordern in ihrem Wahlprogramm eine Flexibilitätsprämie für Zeitarbeitnehmer, ein Verbot von Befristungen ohne Sachgrund und Eindämmen von Minijobs.

Die Präsidentin des Sozialverbands VdK, Ulrike Mascher, nannte die Zahlen zu atypischer Beschäftigung „besorgniserregend“. Betroffene erwirtschafteten auch keine gute Rente. „Wir brauchen daher eine Arbeitsmarktpolitik, die den Kampf gegen Altersarmut im Blick hat.“

Unterdessen wurde bekannt, dass die Zahl der Gastarbeiter vom Westbalkan gestiegen ist. Bis Ende August erhielten 63 000 Personen eine Arbeitserlaubnis - 70 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Darüber berichtete die „Welt“ (Montag) unter Berufung auf die Bundesagentur für Arbeit.

dpa

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