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Wirtschaft Lila-Bäcker: Gericht verschiebt Urteilsspruch
Nachrichten Wirtschaft Lila-Bäcker: Gericht verschiebt Urteilsspruch
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10:34 07.11.2018
 Die letzten Laster auf dem Hof bei Lila Bäcker in Gägelow. Der Betrieb schloss Ende Mai 2018.  Quelle: Michaela Krohn
Neubrandenburg

Eigentlich sollten am Dienstag am Arbeitsgericht Neubrandenburg die ersten sieben Urteile nach der Entlassung von insgesamt 225 Mitarbeitern der Bäckereikette Lila Bäcker fallen. Doch der Verkündungstermin wurde um zwei Wochen verschoben. „Es gibt noch Beratungsbedarf“, sagte Gerichtsdirektor Rainer Rückert. Insgesamt hatten drei Dutzend Beschäftigte der sechstgrößten Bäckereikette Deutschlands gegen die Entlassung geklagt. Das Unternehmen hinter den lilafarbenen Läden, die Unser Heimatbäcker Holding aus Pasewalk (Landkreis Vorpommern-Greifswald), hatte Ende März eine Großbäckerei in Gägelow bei Wismar dicht gemacht, was allein 120 Job kostete. Standorte in Pasewalk und in Dahlewitz bei Berlin wurden ebenfalls aufgegeben.

Die Firma steckt anscheinend in der Krise. Laut den im Bundesanzeiger veröffentlichen Bilanzen schreibt die in Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg und Berlin stark vertretene Kette mit mehr als 400 Filialen und 2700 Beschäftigten seit Jahren rote Zahlen. Der jüngste Abschluss stammt von 2016. Aber auch im Jahr darauf lief es nicht besser. „2017 hat sich nicht so entwickelt wie gewünscht“, sagt Thomas Franke, Sprecher der Deutschen Beteiligungs AG. Die Verluste sollte man nicht überbewerten, meint er. Lila Bäcker gehört seit 2014 dem Frankfurter Private-Equity-Unternehmen.

Der „Aufsteiger Ost“ musste gehen

Eine schillernde Unternehmensgeschichte aus MV ist ins Stocken geraten. Jahrelang schluckte Lila Bäcker-Gründer Volker Schülke eine Bäckereikette nach der anderen und verleibte sie seinem Brötchen-Imperium ein – etwa Nordback (Rostock und Wolgast), Rügenbäcker, Schütte (Gägelow), Mäkelbörger (Neubrandenburg) und Dahlwitzer Landbäcker (Berliner Umland). Produktionsstandorte, die im den entstehenden Konzern nicht mehr gebraucht werden, wurden geschlossen, gleichzeitig wuchs die Zahl der Filialen.

Anfang 2018 wurde Geschäftsführer Schülke mitsamt Führungsstab aus der Firma gedrängt. Seine restlichen Gesellschaftsanteile an der Bäckereikette gab der 55-Jährige ebenfalls ab – das sei so üblich, sagt Thomas Franke von der Deutschen Beteiligungs AG. Die „Zeit“ widmete dem medienscheuen Schülke kürzlich ein mehrseitiges Porträt. Der „Aufsteiger Ost“, geboren und aufgewachsen in Rubkow nahe Wolgast, sammelt demnach in der Nähe von Heringsdorf auf Usedom in einem Hangar restaurierte Kampfflugzeuge.

Staatsanwälte ermitteln gegen Ex-Chefs

Die Schweriner Staatsanwaltschaft ermittelt gegen die abgesetzte Geschäftsführungs-Riege wegen des Verdachts der Untreue. Ausscheidenden Mitarbeitern sollen Abfindungen bekommen haben, obwohl sie freiwillig gingen, Gehalt soll trotz Nichtbeschäftigung weiter gezahlt worden sein. Die neuen Geschäftsführer setzten die Beschäftigten endgültig vor die Tür – wogegen diese klagten. Um diese Verfahren geht es laut „NDR“ beim am Dienstag verschobenen Prozess in Neubrandenburg.

Das neue Management sorgte für einige Negativ-Schlagzeilen. Im Sommer geriet ein Prämiensystem in die Kritik, wonach Mitarbeiter bei Krankheit Zulagen verlieren. Vor ein paar Tagen wurde bekannt, dass Lila Bäcker seinen Beschäftigten Prämien für die Vermittlung neuer Mitarbeiter zahlt. Was Gewerkschafter kritisierten, weil erst vor ein paar Monaten mehr 200 Beschäftigte gehen mussten. Die Firmenzentrale in Pasewalk reagierte nicht auf Anfragen.

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Gerald Kleine Wördemann

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