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Wirtschaft Atemberaubender Sturzflug: Agrarkonzern KTG wird abgewickelt
Nachrichten Wirtschaft Atemberaubender Sturzflug: Agrarkonzern KTG wird abgewickelt
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06:28 20.10.2017
Ex-KTG-Vorstandschef Siegfried Hofreiter Quelle: Ktg Agrar Ag
Hamburg

Am Anfang war Siegfried Hofreiter ein Kleinbauer. Am Ende hatte er mit 800 Mitarbeitern und mehr als 46 000 Hektar bewirtschafteter Fläche, vor allem in Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg, den größten Agrarkonzern Europas. In MV gehören zum Imperium unter anderem die Ölmühle Anklam und die Biogasanlage in Dersewitz bei Anklam. Sie sind mittlerweile insolvent. Der Bauer aus Bayern (Jahrgang 1962) legte mit seiner KTG Agrar einen atemberaubenden Sturzflug hin und häufte rund 600 Millionen Euro Schulden an. Er stolperte über eine fällige Zinsrückzahlung von 18 Millionen Euro. Nur drei Monate nach dem ersten Insolvenzantrag ist das Unternehmen praktisch aufgelöst und wird zu Grabe getragen. Das Geld von rund 10 000 Anlegern ist futsch.

Die Gläubigerversammlung beschloss am Donnerstag: Der Agrarkonzern wird abgewickelt und von der Börse genommen. Sah es nach dem Insolvenzantrag zunächst so aus, als könne die Gruppe umstrukturiert werden und erhalten bleiben, so überschlugen sich in der Folge die Ereignisse. Der Unternehmensgründer und langjährige Vorstandsvorsitzende Siegfried Hofreiter, der auf großem Fuß

lebte, musste das Unternehmen verlassen.

Die Hauptversammlung der Aktiengesellschaft wurde abgesagt, die Wirtschaftsprüfer zogen ihren Bestätigungsvermerk für die Bilanz über das Geschäftsjahr 2015 zurück, mehrere Tochtergesellschaften des verschachtelten Agrarkonzerns gingen ebenfalls den Weg in die Insolvenz

Mittlerweile sind die Agrar-Aktivitäten und die Mehrheit an der Energiesparte des Konzerns ebenso verkauft wie mehrere Standorte. Große Teile des einstigen KTG-Imperiums hat die Gustav Zech Stiftung aus Bremen übernommen. KTG Agrar hatte bereits zuvor eigene Agrarflächen verkauft und zurückgepachtet. Die Substanz des Konzerns ist damit weitgehend abgebaut. Insolvenzverwalter Stefan Denkhaus erklärte, er werde sich nun auf den Verkauf der verbliebenen Beteiligungen in Deutschland, Rumänien und Litauen und die Geltendmachung von Organhaftungsansprüchen und insolvenzrechtlichen Sonderaktiva konzentrieren.

OZ

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