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Wirtschaft Atomlager Lubmin: Verzögert Betreiber Sicherheits-Umbau?
Nachrichten Wirtschaft Atomlager Lubmin: Verzögert Betreiber Sicherheits-Umbau?
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00:00 02.12.2017

Werden die 74 Castorbehälter mit hochradioaktivem Atommüll in Lubmin für alle Eventualitäten sicher genug aufbewahrt? Daran bestehen seit Jahren Zweifel. Die Halle 8 des Zwischenlagers Nord am ehemaligen Kernkraftwerk Greifswald gilt als nicht ausreichend gegen Vorfälle von außen geschützt. Beispielsweise falls Terroristen auf die Idee kämen, ein Flugzeug auf sie zu lenken.

Eine Studie des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) feuert den Konflikt jetzt erneut an: Der Betreiber des Zwischenlagers, die bundeseigenen Energiewerke Nord (EWN), verschleppen seit Jahren erfolgreich „mit administrativen Maßnahmen“ einen Neubau von Halle 8.

„Es ist den EWN nicht gelungen, einen genehmigungsfähigen Antrag vorzulegen“, sagt Thorben Becker, Atomkraft-Experte beim BUND. Die staatliche Betreiberfirma spiele „auf Zeit“. Der Bund hatte bereits 2014 Änderungen am Sicherheitskonzept des Zwischenlagers gefordert, vor dem Hintergrund eines geänderten Bedrohungsszenarios. EWN entwickelte daraufhin ein neues Konzept, zog es aber 2015 zurück, weil es sich als nicht realisierbar erwies. Auf einen damals angekündigten neuen Anlauf warten die Beteiligten noch immer. „Ein neuer Antrag liegt nicht vor“, teilt das zuständige Bundesamt für kerntechnische Entsorgungssicherheit mit.

Bereits 2011 ergab ein Gutachten im Auftrag des Landesinnenministeriums, dass „der erforderliche Schutz“ im Zwischenlager Lubmin „nicht gewährleistet“ sei. Fast sieben Jahre später ist offenbar immer noch unklar, wie der Betreiber die Sicherheit erhöhen will. „Die Gefahr ist real. Atomanlagen waren in Belgien bereits im Fokus von Terroristen“, sagt Becker.

EWN-Sprecherin Gudrun Oldenburg weist die Vorwürfe zurück: „Die Studie enthält viele interessante Überlegungen. Die Schlussfolgerungen sind aber unzutreffend. Wir verzögern nichts.“ Erneut kündigt EWN ein baldiges Ende der Wartezeit an: „Noch dieses Jahr“ werde das Ergebnis einer „Optionenprüfung“ vorliegen. Laut Landesinnenministerium geht es dabei um die Frage, ob die Halle neu gebaut werden muss oder ob eine Aufrüstung ausreicht.

Die BUND-Studie beschäftigt auch den Landtag. Mignon Schwenke (Linke) forderte die Landesregierung in einer Kleinen Anfrage auf, Stellung zu dem Papier zu nehmen. In der Antwort des Ministeriums tauchten die kritischen Passagen zu Lubmin nicht auf.

Schwenke: „Es ist schon dreist von der Landesregierung zu behaupten, dass in der besagten Studie nicht auf das Zwischenlager Nord im Speziellen eingegangen werde. Das ist schlichtweg falsch.

Vielleicht sollte die Landesregierung die Studie erst einmal lesen, bevor sie solche Falschaussagen ins Land posaunt.“ Die Schweriner Behörden müssten aktiv werden, um den „Schwebezustand“ zu beenden. Es reiche nicht aus, immer nur auf den Bund zu verweisen.

Gerald Kleine Wördemann

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