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Auf Agrarmesse Mela droht Streit um Tierhaltung

Dummerstorf Auf Agrarmesse Mela droht Streit um Tierhaltung

Der Tierschutzbund hat Protest angemeldet. Die Bauern wollen zeigen, was gut ist.

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Das Deutsche Landrasse-Schwein ist „Tier der Mela 2014“. Das Leibniz-Institut für die Biologie landwirtschaftlicher Nutztiere in Dummerstorf bei Rostock hält rund 80 Zuchtsauen dieser Rasse.

Quelle: Norbert Fellechner

Dummerstorf. Auf der Agrarmesse Mela wird es lebhafte Debatten zur Tierhaltung geben — darauf sind Landesbauernpräsdent Rainer Tietböhl und Agrarminister Till Backhaus (SPD) eingestellt. Das machten sie gestern in Dummerstorf (Landkreis Rostock) deutlich, wo sie das Programm der Agrarschau vom 11. bis 14. September in Mühlengeez bei Güstrow (Landkreis Rostock) vorstellten.

„Die Menschen wollen Tiere sehen“, ist Tietböhl überzeugt. „Bei den großen Tierschauen auf der Mela sind jedes Jahr die Ränge voll.“ Weil Bürgerinitiativen neue Ställe in den Dörfern oft ablehnen, lud er sie ausdrücklich auf die Mela ein. „Wir schicken in den nächsten Tagen noch Extra-Einladungen an Bürgerinitiatven und Verbände“, betonte der Präsident. „Sie sollen sich ansehen, was sich für die Tiergesundheit schon alles verbessert hat.“ Der Bauernpräsident hält neue Ställe für nötig, damit es in der Branche keinen Stillstand gebe. „Je moderner die Ställe, desto weniger Arzneimittel müssen eingesetzt werden“, meint Tietböhl.

Der Deutsche Tierschutzbund hat zum Auftakt der Mela bereits Proteste angemeldet. „Wir wollen den Besuchern zeigen, wie Schweine wirklich gehalten werden. Nicht fröhlich springend auf der Wiese, sondern auf Betonfuß- boden, ohne Stroh und ohne Schwanz“, sagt Landesvorsitzende Kerstin Lenz. Auf dem privaten Ausstellungsgelände hatten die Veranstalter den Protest abgelehnt, auf einer öffentlichen Grünfläche an der Zufahrt ist er aber erlaubt. „Demonstrations- freiheit gehört zur Demokratie“, meinte Minister Backhaus. Er forderte die Tierschützer aber auf, nicht nur zu kritisieren. „Sie sollten auch zur Kenntnis nehmen, was wir schon positiv auf den Weg gebracht haben“. Am Sonnabend (13.9.) um 13 Uhr stellt sich der Minister erstmals in einer Bürgersprechstunde den Fragen der Mela-Besucher.

Backhaus stellte gestern auch einen neuen Erlass für Sauenbetriebe vor, den die Behörde nach Videoaufnahmen über das tierschutzwidrige Töten von Ferkeln erarbeitete. „Ich möchte solche Bilder in unserem Bundesland nicht mehr sehen“, sagte Backhaus. Die Richtlinie regelt jetzt, dass nicht über- lebensfähige Tiere „zweimal begutachtet, erst betäubt und dann an anderer Stelle getötet werden müssen“, sagte Backhaus. Zuvor waren Ferkel zumeist durch den Schlag auf den Boden oder die Buchtenwand getötet worden.

Die Vorsitzende des Hybridschweinezuchtverbandes, Renate Schuster, brach eine Lanze für das Tier der Mela, das Schwein der Deutschen Landrasse. „Es gibt nur noch sieben einheimische Schweinerassen, wir sollten sie unbedingt er- halten.“ Nur zehn Prozent der Schweine seien heute noch reinrassig, 90 Prozent sind Kreuzungen (Hybriden). Als sehr fruchtbare Mutterrasse seien Landrasse-Sauen zur Kreuzung sehr wichtig, neben dem Edelschwein ist sie die Hauptrasse in der deutschen Schweinezucht.

Für die 24. Mela haben sich bisher 1047 Aussteller angemeldet. Gezeigt werden rund 1250 Tiere in 190 Rassen. Es gibt auch eine große Landtechnikschau mit vielen Branchen-Neuheiten und den tradionell sehr beliebten Oldtimern.

Tier der Mela

1904 wurde die Deutsche Landrasse als eigenständige Rasse anerkannt. Noch vor 50 Jahren war sie die in Deutschland am stärksten verbreitete Hauschwein-Rasse. Heute gilt ihr Bestand als gefährdet. Von bundesweit noch 10 700 reinrassigen Landrasse-Sauen, über die ein Herdenbuch geführt wird, sind 2000 in MV eingetragen.



Die Tiere zeichnen sich durch hohe Fruchtbarkeit aus, haben aber eine recht dicke Speckschicht. Deshalb werden sie zumeist mit Rassen gekreuzt, die mehr Muskelfleisch haben.
Insgesamt werden in Mecklenburg-Vorpommern rund 820 000 Schweine gehalten.

 



Elke Ehlers

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