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Autobauer wegen Abgastests am Pranger

Merkel verlangt Aufklärung Autobauer wegen Abgastests am Pranger

Versuche mit Affen und der unglaubliche Verdacht, an Menschen experimentiert zu haben: Selten dürfte der Versuch, das Diesel-Image zu verbessern, derart nach hinten losgegangen sein. Tierschützer und Politiker sind in Rage, der VW-Aufsichtsrat auch. Und was jetzt?

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Stickstoffdioxid (NO2) ist der Schadstoff, dessen Messwerte von VW in den USA jahrelang manipuliert worden waren, um die gesetzlichen Grenzwerte für Dieselfahrzeuge offiziell einzuhalten.

Quelle: Julian Stratenschulte

Wolfsburg/Hannover. Affen mussten Dieselabgase einatmen, dazu der Verdacht auf Versuche an Menschen: Mit umstrittenen Schadstofftests haben sich Deutschlands Autobauer wieder mitten in den Abgasskandal katapultiert.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) verurteilte die Diesel-Schadstoffversuche an Affen scharf - und forderte Aufklärung. „Diese Tests an Affen oder sogar Menschen sind ethisch in keiner Weise zu rechtfertigen“, sagte Regierungssprecher Steffen Seibert am Montag.

VW-Konzernchef Matthias Müller nannte die Tests inakzeptabel und kündigte „alle nötigen Konsequenzen“ an. „Die damals von der EUGT in den USA praktizierten Methoden waren falsch, sie waren unethisch und abstoßend. Mit Interessensvertretung oder wissenschaftlicher Aufklärung hatte das nichts, gar nichts zu tun“, sagte Müller am Abend in Brüssel: „Mir tut es leid, dass Volkswagen als einer der Träger der EUGT an diesen Vorgängen beteiligt war. [...] Es gibt Dinge, die tut man schlicht nicht.“

Volkswagen hatte sich bereits für die in den USA durchgeführten Versuche entschuldigt, bei denen Affen Schadstoffen ausgesetzt worden waren. Die Tests waren Teil einer Studie, die beweisen sollte, dass die Diesel-Schadstoffbelastung dank moderner Abgasreinigung erheblich abgenommen hat.

Die EUGT („Europäische Forschungsvereinigung für Umwelt und Gesundheit im Transportsektor“) - eine von VW, Daimler und BMW finanzierte Lobby-Initiative - hatte die Studie in Auftrag gegeben. In dem Zusammenhang kam zudem der Verdacht auf, dass es Schadstofftests auch mit Menschen gegeben haben soll.

Er ging aus einem Report des Lobby-Instituts EUGT hervor, über den „Stuttgarter Zeitung“ und „Süddeutsche Zeitung“ berichteten. Der zuständige Institutsleiter Thomas Kraus von der Universität Aachen wies den Vorwurf zurück: eine entsprechende Studie befasse sich nicht mit der Dieselbelastung von Menschen.

VW-Aufsichtsratschef Hans Dieter Pötsch teilte mit: „Im Namen des gesamten Aufsichtsrates distanziere ich mich mit allem Nachdruck von derlei Praktiken.“ Die Vorgänge müssten „vorbehaltlos und vollständig aufgeklärt werden“. Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil forderte umfassende Aufklärung, Betriebsratschef Bernd Osterloh verlangte personelle Konsequenzen.

Der geschäftsführende Bundesverkehrsminister Christian Schmidt sagte, er nicht bereit, solche Verhaltensweisen hinzunehmen. Die Hersteller seien zu einer Sondersitzung der Untersuchungskommission des Ministeriums zum Abgasskandal gebeten worden.

Institutsleiter Kraus sagte, in der Studie von 2013 - lange vor Bekanntwerden des VW-Dieselskandals - gehe es um den Stickstoffdioxidgrenzwert am Arbeitsplatz. 25 gesunde Menschen seien Konzentrationen ausgesetzt worden, die unterhalb der Belastung am Arbeitsplatz lägen. Die Ethikkommission der Uniklinik Aachen habe die 2016 veröffentlichte Studie geprüft und genehmigt. Auch VW bestritt einen Zusammenhang mit der Dieselaffäre.

Stickstoffdioxid (NO2) ist der Schadstoff, dessen Messwerte von VW in den USA jahrelang manipuliert worden waren, um die gesetzlichen Grenzwerte für Dieselfahrzeuge offiziell einzuhalten.

Kraus erklärte, die NO2-Konzentration für die Aachener Studie sei dagegen vergleichbar mit der in der Umwelt gewesen. Die Probanden seien dieser Konzentration für drei Stunden ausgesetzt worden, gesundheitliche Effekte habe es nicht gegeben. „Es gibt keinen Zusammenhang mit dem Dieselskandal“, betonte er. Allerdings förderte EUGT die Studie. Die Forscher seien aber „in keinster Weise“ beeinflusst worden, sagte Kraus.

Seibert sagte, die Autokonzerne hätten Schadstoffemissionen zu begrenzen und Grenzwerte einzuhalten - und nicht die vermeintliche Unschädlichkeit von Abgasen zu beweisen. Weil erklärte, maßgeblich sei der Zweck solcher Testreihen. Gehe es darum, die Belastung am Arbeitsplatz zu testen, lasse sich das vertreten. Dienten Testreihen aber Marketing und Verkaufsförderung, „fällt mir keine auch nur von ferne akzeptable Begründung für ein solches Vorgehen ein“. Niedersachsen ist VW-Großaktionär.

Der Verband der Automobilindustrie (VDA) verurteilte die Tests: „Hier zeigt sich einmal mehr: Technik und Wissenschaft müssen sich grundsätzlich im Rahmen des gesellschaftlich und ethisch Verantwortbaren bewegen“, sagte VDA-Präsident Matthias Wissmann.

Auch Daimler distanzierte sich ausdrücklich von den Studien und der EUGT. „Wir sind über das Ausmaß der Studien und deren Durchführung erschüttert“, hieß es. BMW erklärte, an den genannten Studien nicht mitgewirkt zu haben: „Wir haben umgehend mit einer internen Untersuchung begonnen, um die Arbeit und Hintergründe der EUGT sorgfältig aufzuklären.“

Für die Tierschutzorganisation „Ärzte gegen Tierversuche“ sind die Versuche mit Affen kein Einzelfall: „Toxikologische Versuche an Affen sind leider gängig, auch in Deutschland.“

Der Abgasskandal war im September 2015 ins Rollen gekommen. Damals hatte VW zugegeben, bei Millionen von Dieselfahrzeugen die Abgasreinigung manipuliert zu haben. Dies stürzte den Konzern in eine tiefe Krise, der Skandal kostete Milliarden. Die Neuzulassungen von Dieselmodellen sind seit Monaten auf Talfahrt.

dpa

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Der Autokonzern Daimler hat versprochen, die Hintergründe einer umstrittenen Studie aufzuklären, bei der Affen in den USA gezielt Dieselabgasen ausgesetzt worden waren.

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