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Wirtschaft Autohersteller schummeln bei Angaben über Spritverbrauch
Nachrichten Wirtschaft Autohersteller schummeln bei Angaben über Spritverbrauch
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03:48 29.05.2013

Die meisten Autos schlucken einer neuen Studie zufolge deutlich mehr Kraftstoff als es die Hersteller versprechen. Im Schnitt liegt der wirkliche Verbrauch 25 Prozent über den offiziellen Angaben, wie die Untersuchung des International Council of Clean Transportation (ICCT) ergab. Außerdem werde im Schnitt nur die Hälfte der in den Tests über die Jahre angegebenen Kohlendioxid-Verbesserungen auch tatsächlich auf der Straße erreicht.

„Die Ergebnisse sind beunruhigend“, sagt Peter Mock, Geschäftsführer von ICCT in Europa. Sie führten zu wachsendem Misstrauen der Kunden und verringerten die Bereitschaft zum Kauf spritsparender Technologien. Auch für die Hersteller selbst sei es problematisch, wenn die Abweichung bei einigen Fahrzeugtypen höher sei als bei anderen. Doch: „Sämtliche uns vorliegende Datenquellen bestätigen, dass die Lücke zwischen dem von Herstellern veröffentlichten Kraftstoffverbrauch und dem tatsächlich vom Kunden festgestellten Verbrauch seit Jahren zunimmt“, so Mock.

Nach Angaben seiner Organisation beruht die Analyse auf dem „tatsächlichen Fahrprofil“ von knapp 500 000 neu zugelassenen Pkw in Europa. Die Daten stammten demnach von Fahrzeugclubs wie dem ADAC, Leasingfirmen, Verbraucher-Organisationen sowie von Internetseiten wie „spritmonitor.de“. Eine Vielzahl von Organisationen hatte bereits zuvor Kritik an der oft zu optimistischen Verbrauchsdarstellung der Hersteller geübt. Darunter waren die Deutsche Umwelthilfe (DUH) und der Automobilclub ACE. Während sich die DUH ebenfalls auf Daten des ADAC stützte, nahm der ACE eigene Tests vor. Sowohl DUH als auch ACE hatten mitgeteilt, dass der reale Verbrauch bei mehr als der Hälfte der getesteten Modelle mehr als zehn Prozent über den Normangaben liege.

Das Thema verlässliche Verbrauchsangaben beschäftigt derzeit auch die EU-Kommission. Experten zufolge will diese einen neuen Testmodus einführen, um die Differenzen zu verringern. Dieser könnte 2016 oder 2017 kommen. „Die Schummelei der Hersteller zerstört das Vertrauen der Verbraucher in die Kennzeichnung von Fahrzeugen“, erklärte die Grünen-Chefin im Europaparlament, Rebecca Harms. Geschummelt werde bei den Tests zum Beispiel durch Zukleben der Türen oder durch zu hohen Luftdruck in den Reifen.

Dass die Verbrauchsangaben der Autobauer fern jeglicher Realität sind, bestätigt Christian Schäfer vom ADAC Hansa. Grund: „Die Testwagen sind nicht im Straßenverkehr unterwegs, sondern auf dem Prüfstand.“ Dort würden die Daten nach einem standardisierten Messverfahren ermittelt. Weder Licht noch Klimaanlage oder Sitzheizung seien eingeschaltet. Außerdem hätten die Autos nur die Grundausstattung, keine Extras, die das Gewicht und damit den Verbrauch erhöhen. „Außerdem fahren die Autos auf dem Prüfstand die meiste Zeit mit niedriger Geschwindigkeit, nur ganz kurz erhöhen sie auf 120 km/h“, erklärt Schäfer. Im realen Straßenverkehr müssten die Autofahrer öfter anfahren und abbremsen, der Motor würde bei kalten Temperaturen gestartet. „Auch das wirkt sich auf den Benzinverbrauch aus“, so Schäfer.

Trotzdem: Von Schummelei möchte der ADAC-Experte nicht sprechen. Denn: „Wenn man seine Fahrweise anpasst, langsam und vorausschauend unterwegs ist, verringert sich der Unterschied zu den Daten der Hersteller erheblich.“ Aus diesem Grund hätten die meisten Klagen vor Gericht auch kaum eine Chance.

Die Schummelei der Hersteller zerstört das Vertrauen der Verbraucher.“Rebecca Harms,

Grünen-Chefin im

Europaparlament

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