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Azubis gesucht: Firmen ist Charakter wichtiger als Zeugnis

Rostock/Berlin Azubis gesucht: Firmen ist Charakter wichtiger als Zeugnis

5000 Ausbildungsplätze sind aktuell in MV frei. Auch Jugendliche mit schlechten Schulabschlüssen haben Chancen.

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Claudia Alder, Chefin der Handwerkskammer

Quelle: Gerit Herold

Rostock. „Azubi verzweifelt gesucht“: Für Unternehmen in Deutschland wird es immer schwieriger, ihre Ausbildungsplätze mit geeigneten Bewerbern zu besetzen.

2013 blieben im Bereich der Industrie- und Handelskammern (IHK) 80 000 Ausbildungsplätze unbesetzt, erklärt Eric Schweitzer, Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertags (DIHK). Für junge Leute stelle sich dieser Trend erfreulicher dar: „2014 sind die Chancen auf eine Ausbildung hervorragend“, sagt Schweitzer. Oftmals sind schlechte Schulnoten dabei nicht ausschlaggebend.

In Mecklenburg-Vorpommern sind zurzeit noch über 5000 Lehrstellen frei. „Im Bezirk der IHK zu Rostock stehen die Chancen auf einen freien Ausbildungsplatz für ausbildungswillige Jugendliche sehr gut“, sagt Angela Budzisch, Fachbereichsleiterin Ausbildung. Aktuell seien für das kommende Ausbildungsjahr 2014/15 bis gestern 1530 neue Berufsausbildungsverhältnisse gemeldet worden. Im Vergleich zum Vorjahr sei das ein Rückgang um etwa sieben Prozent.

Auch in den Handwerksbetrieben von MV fehlen zunehmend Lehrlinge. „Im Vergleich zu den Vorjahren haben Jugendliche heute die besten Chancen, einen handwerklichen Ausbildungsberuf in ihrer Region zu erlernen“, erklärt Claudia Alder, Hauptgeschäftsführerin der Handwerkskammer Ostmecklenburg-Vorpommern. Derzeit gebe es in der Handwerkskammer-Region 480 freie Lehrstellen. Der Azubi-Mangel in MV hat vielfältige Ursachen. „Vor allem im Hotel- und Gaststättengewerbe bleiben viele Stellen wegen der miserablen Ausbildungsbedingungen unbesetzt“, betont Henning Foerster, arbeitsmarktpolitischer Sprecher der Linksfraktion im Schweriner Landtag. Das liege vor allem an den langen Arbeitszeiten sowie an einer Entlohnung, die sich teilweise unter Hartz-IV-Niveau bewegt.

Dem DIHK zufolge kämpft heute mehr als jeder zweite Betrieb mit rückläufigen Bewerberzahlen. Die Unternehmen wollten daher deutlich stärker neue Bewerbergruppen erschließen, um dem Fachkräftemangel frühzeitig zu begegnen. Das eröffnet Studienabbrechern oder jungen Leuten, die eine Ausbildung in Teilzeit durchführen, sehr gute Ausbildungschancen.

Jedoch: „Bestimmte Voraussetzungen, wie die sozialen Kompetenzen, müssen gegeben sein, dann wird auch hier und da von schlechten Schulnoten abgesehen“, erklärt Angela Budzisch von der IHK zu Rostock.

Größtes Hemmnis sei die mangelhafte Ausbildungsreife der Schulabgänger. Laut DIHK würden 54 Prozent der Betriebe von unzureichender Leistungsbereitschaft der Lehrlinge berichten, 45 Prozent von zu geringer Disziplin.

Auch diese Schulabgänger werden als Azubis gesucht: „Über die Einstiegsqualifizierung oder ausbildungsbegleitende Hilfen werden die Jugendlichen mit schlechteren Schulabschlüssen auf die Berufsausbildung vorbereitet und während der Ausbildung begleitet“, berichtet Claudia Alder.

Die Förderung solcher Jugendlichen müsse die Landesregierung ausbauen, fordert Henning Foerster (Die Linke). Für den Wechsel Schule — Beruf sei ein praxistaugliches und transparentes Konzept erforderlich, das eine frühzeitige und individuelle Berufsorientierung beinhaltet und zugleich die erforderliche passgenaue Unterstützung gewährt.

Firmen locken auch mit Dienstwagen
Inzwischen setzt fast jeder zehnte Betrieb bei der Azubi-Suche auch auf materielle oder finanzielle Anreize — etwa Zuschüsse zum Nahverkehr oder zum Führerschein. „Goodies für Azubis“ könnten darüber hinaus Prämienzahlungen, Wohnungszuschüsse, Büchergeld oder Geld fürs Fitness-Studio sein. Manche Betriebe böten sogar ein Smartphone oder einen Dienstwagen.

 



Bernhard Schmidtbauer

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Von Bernhard Schmidtbauer

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